Von Urs E. Kneuübhl
Mit sanftem Druck gleitet die Hand virtuos und behände über die Kupferplatte. Mathias Gentinetta, Künstler, Kupferstecher und Drucker, massiert dir Druckerschwärze buchstäblich ein in die feinen, «Näpfchen» genannten Vertiefungen. Das ist Fleissarbeit und Fingerspitzengefühl in einem und entscheidet das Gelingen des abschliessenden Drucks mit.
Werkstatt am Märtplatz
Vom 15. April bis 2. Mai 2010 wird Gentinetta sein Handwerk in der Galerie Märtplatz demonstrieren. Während insgesamt neun Tagen schafft er also mitten im Zentrum des Bezirkshauptorts solch spezielle Kunstwerke, zeigt, wie das geht und ermöglicht es allen Interessierten, den Kupferstich und -druck einmal persönlich auszuprobieren. Unterstützt wird er dabei von den Ämtler Künstlern Oski Hirs, Rebekka Kimmich, Lais Schwendener und Bruno Gentinetta, deren künstlerische Werke die gleichzeitige Ausstellung zeigt. Es sind präzise und fein herausgearbeitete Kupferdruck-Werke, filigran, vielschichtig, schwarz auf weiss, aber genauso mehrfarbig bunt. Für Mathias Gentinetta ist diese Art «offene Werkstatt» nichts Neues. In Zürich, an der Eglistrasse 8, betreibt er diese seit Jahren. Hier kann jedermann gegen ein bescheidenes Entgelt und unter künstlerischer sowie handwerklicher Anleitung eigene Kupferdruck-Werke schaffen - egal, ob als Kupferstich, Radierung, Mezzotinto, als Pinselätzung, Vernis mou oder als Heliogravure etc. Entsprechende Einführungskurse gibt es jeweils am Montag-, Mittwoch- und Freitagabend, von 18 bis 22 Uhr - «Oder nach Vereinbarung», wie Gentinetta beifügt -, wobei ein Einstieg und ohne Vorkenntnisse jederzeit möglich ist.
Tiefdruck und Kunst
Unter Künstlern ist die Tiefdrucktechnik nach wie vor beliebt, insbesondere die Radierung ist seit Rembrandt immer wieder ein bevorzugtes Arbeitsgebiet bildender Künstler gewesen. Aus guten Gründen, denn als künstlerisches Medium verleiht der Tiefdruck dem Künstler grosse Souveränität, mit der sich sein Einfallsreichtum ungehindert verwirklichen kann. Von der grafischen Gestaltungstechnik her werden die Tiefdruckverfahren in manuelle (trockene) Verfahren sowie in (nasse) Ätzverfahren unterteilt. Bei ersterem handelt es sich um eine physikalische Kaltverformung der Druckplatte, wozu Kaltnadelradierung, Kupferstich und Mezzotinto (Schabtechnik) etc. gehören. Bei den Ätzverfahren, zu denen Ätzradierung, Aquatinta, Vernis Mou (Weichgrundätzung) etc. gehören, wird mit chemischen oder galvanischen Methoden Material entfernt. Heute allerdings gibt es auch viele Mischtechniken.
So unterschiedlich die einzelnen Herstellungsverfahren aber auch sein mögen, eines haben alle Tiefdruckgrafiken gemeinsam: die «Facette», der beim Druck in das feuchte Papier entstandene Plattenrand, der sich in das Papier einprägt und auch auf der Rückseite des bedruckten Papiers eine Erhöhung bewirkt.
Die Ausstellung der sechs Ämtler Künstler und die Kupferdruck-Werkstatt in der Galerie Märtplatz an der Oberen Bahnhofstrasse 7 in Affoltern ist jeweils am Freitag von 17 bis 20 Uhr, am Samstag von 9 bis 12 Uhr sowie am Sonntag von 15 bis 18 Uhr geöffnet.