Hugh Jackman in voller Strahlkraft auf einem Sockel posierend, das kann man sich durchaus bildlich vorstellen. Hier jedoch blickt er gedankenverloren ins düstere Nichts. Und der Sockel, der besteht aus Styropor. Aufgestellt in einer der Maag-Hallen, in der ab morgen die Photo 14 über fünf Tage hinweg einquartiert ist.

125 Fotografinnen und Fotografen stellen dort ihre im vergangenen Jahr aufgenommenen Bilder aus. Zu den bekanntesten gehört Maurice Haas, der Hugh Jackman im Rahmen des Zurich Film Festivals ablichtete. Zwei Minuten genügten, um nun den Betrachter beinahe schon Jackmans leises Atmen hören zu lassen. Für den profilierten Porträtfotografen Haas ist die Foto-Werkschau über die letzten Jahre hinweg zu einem persönlichen Pflichttermin geworden. Warum? «Weil ich hier meine Bilder auch mal physisch präsentieren kann und dabei praktisch keine Konventionen zu erfüllen habe.»

Kein elitärer Anspruch

Anders als Haas’ Bilder geben sich die Aufnahmen von Nathalie Furrer menschenleer und weitsichtig. Natur und Urbanität stehen in einem surreal gefärbten Wechselspiel. Die 23-Jährige arbeitet mit einer umgebauten Digitalkamera, die Infrarotlicht einfangen kann. Seit einigen Jahren betreibt sie die Fotografie als Hobby neben ihrem Jurastudium. «Die Photo 14 ist eine schöne Möglichkeit, meine Bilder zu zeigen und Feedback darauf zu erhalten», so die Zugerin.

Dass der Profi von der Amateurin einen Steinwurf entfernt ausstellt, gehört mit zum Anspruch der Photo. «Wir sind keine Fachausstellung, die nur die absolut besten der Szene präsentiert. Uns geht es darum, zu zeigen, was in der Schweizer Fotolandschaft über ein Jahr hinweg passiert», so die Kuratorin Cara Anne Specker. Aus 421 Gesuchen destillierte das dreiköpfige Auswahlgremium eine thematisch breit abgestützte wie qualitativ wertige Schau. Einfach ein paar Bilder einschicken und aufs Durchwinken warten, das funktionierte vielleicht noch in den Anfangsjahren des Anlasses, nicht aber in dessen neunter Edition.

Auf dem Prüfstand

Wer angenommen wird, der erhält den erwähnten Sockel: Ein Kubus von vier mal einem Meter, auf dem die Bilder zu liegen kommen. Stolze 350 Franken Miete kostet dieser. Peter G. Kurath, Co-Produzent des Anlasses, wiegelt jedoch ab: «Mit diesen Einnahmen decken wir gerade mal 30 Prozent der Infrastrukturkosten. Zurückgreifen können wir weder auf Zuwendungen von der öffentlichen Hand noch auf Sponsorengelder.» Dank 18 Franken Eintritt sowie zusätzlichen 20 Franken für die Forum-Vortragstickets schreibt die Photo seit vier Jahren dennoch schwarze Zahlen. 2013 besuchten knapp 18 000 Leute den Anlass.

Nicht jedem Mitwirkenden geht es bei der Photo 14 ums reine Ausstellen. Sie bietet auch eine Möglichkeit, Bilder zu verkaufen und an neue Aufträge zu gelangen. Christian Bobst aber hält es mit Maurice Haas und Nathalie Furrer: Er möchte die Werkschau in erster Linie als physischen Präsentationskanal nutzen. Denn: «Welches Magazin druckt noch grössere Fotostrecken ab?», so der Zürcher Reportage-Fotograf. Seine zehnteilige Arbeit zeigt einen deutschen Pfarrer in der namibischen Hauptstadt Windhuk, der den sich prostituierenden Frauen und Mädchen Beistand leistet. Eine ergreifende Geschichte, die Bobst auf die Probe stellt: «Ich hoffe, die Aufnahmen besitzen die Kraft, dass die Besucher trotz der Bilderflut bei ihnen innehalten. Dann habe ich meinen Job gut gemacht.»

Die Photo 14 ist an ihren fünf Tagen jeweils von 11 bis 20 Uhr geöffnet.

www.photo-schweiz.ch