Stadtcasino Basel

Wenn eine Orgel zum Leben erwacht

Verneigung vor neuem Instrument: Organistin Iveta Apkalna beim Eröffnungskonzert im Stadtcasino.

Verneigung vor neuem Instrument: Organistin Iveta Apkalna beim Eröffnungskonzert im Stadtcasino.

Das frisch sanierte Stadtcasino Basel hat auch eine neue Orgel. Am Freitag wurde sie eingeweiht – von drei Koryphäen der Orgelszene.

«Wie Schweizer Schokolade», fand Iveta Apkalna, die lettische Star-Organistin, die im Moment Herrin ist über die grosse Konzertorgel der Elbphilharmonie. «Sehr bequem zu spielen, und insgesamt einfach ein Genuss»: Auch Vincent Dubois, der französische König der Orgel-Improvisatoren, fand nur lobende Worte für das neue Instrument im Stadtcasino. «Man spielt wie auf einem grossen Orchester und entdeckt immer wieder neue Möglichkeiten.» Und auch Thomas Trotter, weltweit reisender Orgel-Virtuose mit Basis in Birminghams Town Hall und der Londoner Westminster Abbey, bemerkte trocken: «Das Gehäuse sieht aus wie Mozart oder Haydn. Ich war ziemlich überrascht, was da alles herauskommen kann.»

Nun ja, das Gehäuse: Das denkmalgeschützte Äussere durfte natürlich nicht angetastet werden. Innen aber ist alles neu: 56 Register mit 4000 Pfeifen haben die Orgelbauer der Zürcher Firma Metzler auf dem engen Platz eingebaut. Zwei Besonderheiten hebt Andreas Metzler hervor: Zum einen sei es die weltweit erste Orgel, bei der ausschliesslich nachhaltig und konfliktfrei produzierte Materialien zum Einsatz kamen. Die zweite Besonderheit ist ein viertes Manual, auf dem Töne gespielt werden können, die sich «winddynamisch» beeinflussen lassen. Das ist eine Metzler-Erfindung und bedeutet, dass der Ton nach dem Anspielen weiter moduliert werden kann, womit sich theoretisch unendliche Möglichkeiten von Klangfarben und -mischungen ergeben: «Von einem schwachen Gesäusel bis zu einem unfassbaren Gekreische ist alles möglich», sagt Metzler.

Von brav bis Ungeheuer

Das ist natürlich ein Roter Teppich für einen Organisten wie Vincet Dubois. Am Anfang gab er sich noch brav: Neben «Voix céleste» oder «Cor de nuit» gibt es da unter den 56 Registern auch eine «Flûte Jacqueline». Das ist eine feine Hommage an jene Frau – Jacqueline Albrecht-Iselin – die als treibende Kraft hinter der privaten Spendensammelaktion nicht nur für den Stadtcasino-Umbau, sondern auch für die neue Orgel stand. Eine schlichte Flöten-Melodie von Mozart spielte Dubois darauf als Ausgangspunkt für seine Improvisation.

Aber nach einigen Klang-Demonstrationen der feiner flötenden Register liess er es sich natürlich nicht nehmen, die Möglichkeiten dieser «winddynamischen» Spezialeffekte vorzuführen. Es klingt, als ob in diesem edel glänzenden Instrument ein riesenhaftes Ungeheuer versteckt wäre: Es schnauft und faucht auf eine Art, bei der man sich lieber nicht wünscht, dass es frei gelassen werden könnte.

Man wird sehen, was sich die Organisten und Komponisten für dieses Spezial-Register noch ausdenken werden, das neue Basler Orgelfestival, das mit diesem Konzert begann, hat sich jedenfalls das Experiment dezidiert auf die Fahnen geschrieben. Aber natürlich kann diese Orgel auch einfach besonders schön klingen. Schon in der hoch virtuosen Toccata von Widor zeigte Iveta Apkalna eine suggestive Mischung aus Power und Brillanz. Und Thomas Trotter zauberte virtuos Rossinis «Wilhelm Tell-Ouvertüre» in den Saal: Das ist beste Town-Hall-Tradition: Mit möglichst vielen Klangregistern wird versucht, ein grosses Orchester zu imitieren.

Das Orgelfestival geht noch weiter

Vom 18. bis 20. September hat das Orgelfestival noch einmal ein Schaulaufen angesetzt. Einen Glanzpunkt setzt Olivier Latry, der Organist der Pariser Kathedrale Notre Dame, der im Orgelkonzert von Francis Poulenc die französischen Klangfarben des Instruments bestimmt prächtig zum Blühen bringen wird. Ein weiteres Konzert verbindet die Orgelklänge mit Tango und Tanz, und im Abschlusskonzert singen die regionalen Chöre zu den Orgelklängen.

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