De Raeymaecker

Wenn ein Belgier auf einen Tschechen trifft

Wenn in den nächsten Tagen der böhmische Opernklassiker im Hof von Schloss Hallwyl startet, sind auch ein interessantes Bühnenbild und eine spannende Lichtregie zu erleben. Verantwortlich dafür ist der in Baden lebende Belgier Bert De Raeymaecker.

Peter Brunner

Ja, es war seinerzeit schon ein kluger Gedanke eines Onkels von Bert De Raey-maecker, den Buben an eine «Don Carlos»-Aufführung in Brüssel mitzunehmen. «Riesige, schwarzglänzende Säulen, die sich hydraulisch öffneten», machten dem Jungen dabei mächtig Eindruck. Später wars dann ein «Woz-zek», der es dem Heranwachsenden antat - die Richtung war also irgendwie gegeben.

Zwar finden wir noch einen Umweg in Form eines Wirtschaftsstudiums, doch die frühe(re)n Erlebnisse behielten die Überhand. Glücklicherweise, muss man sagen, denn in der Folge ist doch ein reiches Schaffen entstanden, spannend und vielfältig, immer wieder an guten Adressen und mit Leuten, die ebenfalls für Qualität standen.

Berühmte Vorbilder

De Raeymaecker hat sich früh an wirklichen Koryphäen orientiert. An Adolphe Appia, dem grossen Genfer Bühnenrevolutionär, der schon in den 1890er-Jahren mit seinen Regiebüchern, Skizzen und Schriften - speziell zu den Arbeiten Richard Wagners - für Furore sorgte, und an dem Engländer Edward Gordon Craig, der als einer der wichtigs-ten Theaterreformer des 20. Jahrhunderts gilt.

Auch der Tscheche Josef Svoboda, langjähriger technischer und künstlerischer Leiter am Nationaltheater in Prag, muss erwähnt werden. In den 90er-Jahren gab Svoboda, dessen Name übrigens eng mit der berühmten Prager «Laterna Magica» verknüpft ist, im waadtländischen Romainmôtier-Envy einen Workshop, an dem Bert De Raeymaecker fasziniert teilnahm.

Von der Donau zur Moldau

Zwei Namen tauchen im Schaffen des hier Vorgestellten immer wieder auf. Zum einen Anna Maria Krassnigg. Die Wiener Regisseurin ist hierzulande seit ihren Vorstellungen im Zürcher Theaterhaus Gessnerallee sowie dem Theaterspektakel Zürich sehr angesehen. Rund 20 Produktionen haben der Belgier und die Österreicherin zusammen bestritten.

Der andere ist Philipp Egli. Unter seiner Regie zeichnete der Bühnenbildner/Lichtdesigner für Raum und Licht. Egli/De Raeymaecker: ein Duo, das seit mehr als 15 Jahren eine künstlerische Partnerschaft pflegt, die ihresgleichen sucht.

Den «Albrecht» im Rahmen der Königsfelder Festspiele sah sich 2008 auch Peter Schweiger an. Er war dabei sehr angetan von den Einfällen De Raeymaeckers bezüglich Raum und Licht. Zwar wussten beide, was der andere bis anhin so machte, zusammen arbeiteten sie jedoch zuvor noch nie.

So ist nun Smetanas Opernklassiker ihre Premiere gemeinsamen Tuns: «Er kannte von mir wohl weniger als ich von ihm», meint De Raeymaecker, der den Regisseur aus Wien seit dessen Zürcher Neumarkt-Zeiten sehr schätzt, dazu bescheiden.

De Raeymaecker griff für die «Die verkaufte Braut» Schweigers Grund-ideen auf, der sich als Ort der Handlung eine Baustelle (bei Smetana wars ein Dorfplatz) vorstellte. Der Bühnenbildner sah sich auf Baustellen um, begann, Container, Silo, Baggerschaufel einzubauen. Der Gedanke einer Wendeltreppe als eines eigentliches Scharniers, abstrahierend zum Schloss, wurde konkretisiert.

Das Resultat ist eine eigenwillige Installation auf mehreren Ebenen, was durchaus doppeldeutig verstanden werden darf und dem Stück, das sich erfolgreich in die Gegenwart hinübergerettet hat, nicht wenig Reiz verleiht.

Es freut den in der Badener Altstadt lebenden Künstler ausserordentlich, dass er seit vier, fünf Jahren vermehrt im eigenen Kanton Aufträge erhält.

Grosses ist geplant

Der 54-Jährige ist (auch) in nächster Zeit viel unterwegs, macht seinem Webauftritt (siehe Kasten) alle Ehre. Vor ein paar Tagen weilte er in Budapest für die Oper «Cendrillon» von Frank Martin (2010 Genf/Budapest). 2011 wird in Königsfelden wiederum gemordet, und 2012 gehts mit Glucks «Orpheus und Eurydike» in die Genfer Unterwelt.

Möglicherweise, es laufen Verhandlungen, steht da noch «eine grosse Kiste» bevor: Wagners «Fliegender Holländer»und Mozarts «Zauberflöte» bei den Tiroler Festspielen 2010 in Erl, die durch das Dirigenten- und Regiegenie Gustav Kuhn Weltgeltung erlangt haben.

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