Figurentheater

Wenn alle Kinder mitfiebern

Kuschelige Angelegenheit, auch wenn die Maus ihr «Doudou» verliert. ZVG

Kuschelige Angelegenheit, auch wenn die Maus ihr «Doudou» verliert. ZVG

Margrit Gysin ist die Grande Dame des Figurenspiels. Bis Ende Jahr verzaubert sie ihr Publikum in Basel und Liestal mit «Mimi und das Doudou».

Margrit Gysin nimmt zuerst einen Schluck Tee, bevor sie etwas sagt. «Tschau zämme», begrüsst sie die versammelten Kindergartenkinder. Zu diesem Zeitpunkt ist dem Publikum noch nicht ganz geheuer, was auf einen zukommt. Auf der Bühne sind: ein Tischchen, ein Kinderwagen, verstreuter Krimskrams und die ältere Dame mit der Teetasse.

Nur fünf Minuten später zählen 50 Kinderkehlen lauthals von 10 auf 1. Im Verlauf der Vorstellung werden die Vorschulkinder im Vorstadttheater «Eusi zwöi Chätzli» mitsingen, eine verängstigte Maus hüten, aktiv am Geschehen mitwirken und sich schliesslich so wohl fühlen, dass sie ihre Meinung auch einzeln kundtun. «Auch noch eine Kette! Was die Mimi alles will», ruft ein Mädchen Richtung Bühne.

Margrit Gysin wurde 1949 in Liestal geboren und im vergangenen Jahr als erste Figurentheaterspielerin überhaupt mit einem Schweizer Theaterpreis geehrt. Als Freischaffende tourt sie seit über 40 Jahren mit ihren Stücken um die Welt. Unter anderem trat sie bereits in Afghanistan und Bhutan, in Kanada und Tansania auf. Sie vermag es, ihr Publikum über Sprachbarrieren hinweg zu verzaubern.

Geborgenheit dank Nuscheli

Von Mitte bis Ende Dezember spielt sie im Vorstadttheater Basel und im Kulturhaus Palazzo in Liestal ihre Produktion «Mimi und das Doudou».

Angelehnt an die bekannte Bilderbuchreihe über die Maus Mimi und den Bären Brumm von Gabrielle Vincent erzählt Gysin mithilfe ihrer Figuren, wie es dazu kommt, dass Mimi ihr «Doudou» verliert. Und mit welcher Fürsorge Brumm die Situation rettet. Mimi, die filigrane Maus, gibt sich selber ihrem Doudou gegenüber erst mütterlich, als es aber verloren ist, klammert sie sich an Brumm.

Gysins Theatermittel finden sich fast in jedem Kinderzimmer: Figuren, Stofftiere, Verkleidungen. Entscheidend ist aber auch, wie persönlich sie ihr Publikum anspricht und miteinbezieht.

Was ein Doudou ist? Manchen in der Schweiz ist es vielleicht eher als «Nuschi» oder «Nuscheli» geläufig. Gysin erklärt es ihrem jungen Publikum unmissverständlich: «Ein Doudou kann man auf den Schoss nehmen, wenn man Spinat essen muss.» Manchmal gebe einem das Doudou vielleicht auch ein Küssli oder sage – nur für einem selber hörbar –, dass man die liebste Person überhaupt sei.

Während dem 45 Minuten dauernden Stück schafft es Gysin, dass man sich so geborgen fühlt, als würde man das eigene Doudou in den Armen wiegen. Egal, wann man das zum letzten Mal getan hat: Kleine Kinder fühlen sich bei der Grand Dame des Figurentheaters wohl; alle anderen fühlen sich wie kleine Kinder.

Weitere Aufführungen:

Vorstadttheater Basel: Sa 15. 12., 14.30 Uhr. So 16. und 23 .12., jeweils 11 Uhr. Sa 22. 12., 16 Uhr.

Theater Palazzo, Liestal: Do 27. 12. + Fr 28. 12., jeweils 16 Uhr. So 30. 12., 11 Uhr.
Dauer: 45 Minuten

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