Markus Christen

Die B-Band, die den ersten Teil des Herbstkonzertes im Gemeindesaal von Niederlenz bewältigt, marschiert stolz los. «The Victors Return» von William Rimmer ist eine leichtfüssige Heldenhommage, durchsetzt mit einigen ruhigen und nachdenklichen Stellen, denen der feierliche Charakter aber nicht abhanden kommt.

Ganz anders das Eröffnungsstück der A-Band nach der Pause: «Walking with Heroes» von Paul Lovett-Cooper. Wo die Helden zu Beginn des Konzertes siegreich nach Hause kehrten, auf Schultern getragen und unter Jubel und Begeisterung, ist in «Walking with Heroes» das Schlachtfeld noch nicht ausgemessen.

Das Blut pulsiert noch unvergossen unter der dünnen und verletzlichen Haut. Unter den Kämpfern herrscht gravitätische Entschlossenheit, die Angst wird als ständiger Begleiter akzeptiert, die Sehnsucht nach der Heimat als Ansporn gebraucht.

Mutige Interpretationen

Es sind vor allem diese feinen Nuancierungen, der Mut zur gewagten und charakterstarken Interpretation durch die beiden Dirigenten Christian Siegmann (A-Band) und Christoph Bolliger (B-Band), welche alle Konzerte der Imperial Brass Band in diesem Jahr ausgezeichnet haben.

Als Beispiel für eine solch mutige Interpretation darf insbesondere «Puttin' on the Ritz» von Irving Berlin aus dem ersten Konzertteil erwähnt werden.

Das Stück ist ein Fenster in die rauschenden Zwanzigerjahre in den USA, die Zeit vor dem ersten grossen Finanzkollaps, als der Kapitalismus seine unverwundbaren Lieblingskinder um die Häuser und an unzählige Cocktailpartys gejagt hatte. Im Jahr 2009 schliesslich spielen die Musiker der B-Band die Komposition mit der nötigen Aggressivität, die einer modernen Interpretation sehr gut tut.

Spiel jenseits aller Floskeln

Selbstverständlich waren die grossen Höhepunkte des Abends die Auftritte von Phillip McCann, der das Publikum nicht nur mit seinem Spiel, sondern auch mit seinem Witz und seinem Charme begeistern konnte. So widmete McCann seine Interpretation von Brahms' «Schlaflied» der jungen Frau, die sich vor dem Konzert in seine Umziehkabine verlaufen hatte. Zusätzlich bedankte er sich bei den beiden Formationen, die ihn unterstützt haben. «Ich halte die Begleitung eines Solisten für eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt.»

Zum Spiel von McCann ist eine angemessen Beschreibung deshalb schwierig, weil man wohl zu rasch im Floskelnsumpf stecken bleiben würde. Vor allem die Leichtigkeit der Vorträge ist schwierig zu begreifen, aber wahnsinnig schön anzuhören.