Der Schweizer Walter Bosshard (1892-1975) war ein viel gefragter Fotoreporter, der seine Bilder in illustrierten Zeitschriften wie der "Schweizer Illustrierten" oder "Life", aber auch in Zeitungen wie der "Neuen Zürcher Zeitung" und der "Berliner Illustrierten Zeitung" publizierte. Unter Vertrag war er bei Photo-Agenturen wie "Dephot" und "Black Star".

"Unbestritten gehört Bosshard zu den Avantgardisten des Bildjournalismus. Er teilt diesen frühen Ruhm in der Schweiz mit Ella Maillart und mit ihr die Liebe zu Asien," schrieb der Schriftsteller Hugo Loetscher im Buch "Fernsicht. Walter Bosshard - Ein Pionier des modernen Photojournalismus". Peter Pfrunder, Direktor der Fotostiftung Schweiz, hat die Publikation 1997 beim Benteli Verlag in Bern herausgegeben.

Wendepunkt in Peking

Ab 1931 konzentrierte sich Bosshard acht Jahre auf China, 1933 liess er sich in Peking nieder. "Herrlich, wieder in Peking zu sein", notierte der Fotograf in sein Tagebuch. Und weiter: "Eine seltsame Ahnung ergreift mich oft, seit ich weiss, dass diese alte Kaiserstadt mein Aufenthalt für die nächste Zeit sein wird, ein Gefühl, als ob hier ein Wendepunkt meines Lebens liegen sollte."

Er habe geahnt, dass dem Reich der Mitte tiefgreifende Umwälzungen bevorstanden, schreibt die Fotostiftung Schweiz. Fotografierend und schreibend habe Bosshard den Krieg gegen Japan und den Machtkampf zwischen Nationalisten und Kommunisten verfolgt, sei aber auch in den chinesischen Alltag eingetaucht.

Bilder wie "Einmarsch der Japaner in Hankou" (Ende 1938), "Mao Zedong in Yan'an" (1938) oder "Auf dem Weg zum Konfuziustempel in Qufu" (um 1938) bezeugen die Vielfalt von Bosshards Werk.

Als erster Europäer erreichte Walter Bosshard 1938 die Lösshöhlen von Yan'an, wo Mao und die Rote Armee ihre Kräfte sammelten. Zuvorgekommen waren ihm nur die US-amerikanischen Journalisten Edgar Snow, Helen Foster Snow und Agnes Smedley. Edgar Snow beschrieb Yan'an 1937 in seinem Buch "Red Star Over China" als für Verteidigungszwecke idealen Ort.

Bosshards unbekannte Bilder

Den Wettlauf um China gewann Bosshard gegen den ungarisch-US-amerikanischen Fotografen Robert Capa (1913-1954), der sich vor allem als Kriegsreporter einen Namen machte. 1936 schoss Capa im Spanischen Bürgerkrieg das Bild eines fallenden republikanischen Soldaten im Augenblick von dessen Tod. Gestellt oder nicht: Es wurde zum bekanntesten Einzelbild des Bürgerkriegs und erlangte den Status einer Ikone des 20. Jahrhunderts.

Capa hinterliess auch Reportagen aus China. Die Ausstellung in Winterthur konfrontiert diese Reportagen mit bisher unbekannten Bildern aus dem Reich der Mitte von Walter Bosshard. Es sind Dokumente, die Fotogeschichte geschrieben haben.

Die Ausstellung ist entstanden in Zusammenarbeit mit dem Archiv für Zeitgeschichte der ETH Zürich, ullstein bild Berlin und ICP New York. Sie dauert vom 22. September bis 10. Februar 2019.

Verfasser: Karl Wüst, ch-intercultur