Baden
Vor Botta sind die Archäologen dran

Im Badener Bäderquartier sind Thermalbäder aus dem 19. Jahrhundert ausgegraben worden. Die Archäologen vermuten darunter Überreste einer römischen Badeanstalt. An der gestrigen Infoveranstaltung machte Regierungsrat Alex Hürzeler seine Schuhe schmutzig.

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Bäderquartier Baden

Bäderquartier Baden

Aargauer Zeitung

Corinne Rufli

«Ich habe meine Gummistiefel nicht dabei», sagt Regierungsrat Alex Hürzeler, als es um die Führung durch die neusten Ausgrabungen im Badener Bäderquartier geht. Doch seine Schuhe sind im Dreck der verregneten Ausgrabungsstätte längst schmutzig geworden.
Seit drei Monaten wird vor dem imposanten, aber heruntergekommenen Römerbad fleissig gepickelt, gegraben und gehämmert. Ein Team der Kantonsarchäologie Aargau unter der Projektleitung von Andrea Schaer versucht, die Geschichte und Vorgeschichte des ehemaligen «Hinterhofes» zu rekonstruieren. Dieser Badegasthof war einst das bedeutendste Haus am Ort. Es galt als Anziehungspunkt für illustre Gäste. Die wichtigsten damaligen Herrscher stiegen hier ab: Rudolf I. und sein Sohn Albrecht I. von Habsburg, Papst Martin V. oder Prinz Eugen von Savoyen. Der bereits im 14. Jahrhundert erwähnte «Hinterhof» war eine in sich geschlossene, hofartige Anlage um einen zentralen Platz, auf dem auch Hühner gackerten. Der Badegasthof wurde 1870 abgerissen.

Einzelbassins sind wie Zellen

Heute ist man daran, aus den Ruinen der damaligen Bäder Aufschluss über die Gestaltung des Baus zu erhalten. Auf der Ausgrabungsstätte sieht man die Mauerreste der kleinen Einzelbassins des Thermalbades aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Nach Aussagen von Roger Fuchs, wissenschaftlicher Ausgrabungsleiter des Bäderquartiers, kann man am Grundriss erkennen, dass im Mittelalter diese Einzelbäder grösser waren. «Die Römer hatten grosse gewaltige Becken, dann wurden sie mit der Zeit immer kleiner. Diese kleinen Becken waren zuletzt wie Zellen», erklärt er. Die knapp 2˘2 Meter kleinen Bassins sind gut zu erkennen, sind aber dem archäologischen Schicksal geweiht. Sie werden demnächst, nach einer genauen Dokumentation, abgerissen. Denn der grosse Schatz wird darunter erhofft: «Wir vermuten», so Fuchs, «dass unter diesen Becken römische Bäder zum Vorschein kommen. Die Augen des Archäologen glänzen.
Bei diesen Ausgrabungen zwischen Thermalbad und Tiefgarage wird Pionierarbeit geleistet. «Vor uns hat hier noch niemand gegraben», bestätigt Andrea Schaer. Ihre beispielhafte Freude und Motivation an der Arbeit kommt dabei zum Vorschein. «Es ist die Eigenheit dieses Ortes, dass es eine seit über 2000 Jahren ununterbrochene Geschichte gibt. Denn die Quellen sind hier, die kann man nicht verschieben. Vor Urzeiten merkten die Menschen bereits, dass es dieses Heilwasser gibt.»

Einzigartigkeit Badens

Dass Baden ein einmaliges Städtchen ist, bestätigt auch Regierungsrat Alex Hürzeler, der an der gestrigen Medienveranstaltung die Einleitungsrede hielt. Er sprach von der weltweiten Ausstrahlung, die Baden durch seine Thermalquellen einst hatte. «Mir als Kulturminister des Aargaus ist es ein Anliegen, dass das kulturhistorische Erbe dokumentiert wird», so der Regierungsrat, «damit das neue Wissen der Fachwelt und den Interessierten zur Verfügung steht.»

Veranstaltungshinweis:

Tag der offenen Grabung: Samstag, 12. September, ab 10 Uhr. Stündliche Führungen. Interessierten bietet sich die Gelegenheit, Einblick in die Grabungen zu erhalten.

Die Arbeit ist nie fertig

Neben Alex Hürzeler fanden sich auch Kantonsarchäologin Elisabeth Bleuer, Benno Zehnder von der Verenahof AG und der Badener Stadtrat Kurt Wiederkehr am Ausgrabungsort ein. «Was man aus den Ausgrabungen lehren kann», sagte Wiederkehr, «ist, dass sie nie fertig sind. Es geht immer weiter.» Benno Zehnder zeigt sich als Fan der archäologischen Tätigkeiten: «Ich komme fast jeden Freitag hier vorbei und habe mittlerweile richtig Freude an den Ausgrabungen.»
Die Zusammenarbeit der veschiedenen Parteien, die in die Ausgrabungen involviert sind, wird auch tatsächlich von allen als sehr positiv und konstruktiv empfunden. Es scheint, als ob am selben Strick gezogen würde, was das Fortkommen beschleunigt und den Erfolg vergrössert. Die Entwicklung des Bäderquartiers gehe weiter, sagt Hürzeler. Bald stehe das neue grosse Thermalbad von Architekt Mario Botta. «Ich bin überzeugt, dass damit die nächsten 2000 Jahre Badener Bäder-Kulturgeschichte beginnen.»

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