Von Bojan Stula

Noch ist die Basler Van-Gogh-Ausstellung nicht eröffnet worden, und schon steht fest, wo eines der Hauptwerke - «Le jardin de Daubigny» aus der Basler Sammlung Rudolf Staechelin - als nächstes hängen wird. Vom 23. Januar bis 19. April 2010 wird das Van-Gogh-Gemälde die Ausstellung «Der wahre Van Gogh: Der Künstler und seine Briefe» in der Londoner Royal Academy of Arts bereichern. Dies beweist nur, wie begierig die Werke des Holländers von der Öffentlichkeit aufgenommen werden, aber auch, wie begierig sie von Museen angefordert werden. In diesem und im nächsten Jahr werden ausgewählte der 864 anerkannten Van-Gogh-Gemälde an nicht weniger als 20 weiteren Sonderausstellungen weltweit zu sehen sein.

Dabei ist der Publikumserfolg in der Regel garantiert. Vergangenes Jahr zog die grosse Ausstellung «Van Gogh - Gezeichnete Bilder» in der Wiener Albertina insgesamt 589 180 Besucherinnen und Besucher an, was sie zur zehnt-erfolgreichsten Bilderausstellung aller Zeiten machte. 50 Gemälde und 100 der bedeutendsten Aquarelle und Zeichnungen van Goghs zogen die österreichischen Kunstfreunde monatelang in den Bann.

Wenn am Sonntagvormittag um 9 Uhr die Tore der Basler Ausstellung für das breite Publikum öffnen, erwarten die Verantwortlichen des Kunstmuseums nichts geringeres. Eine halbe Million Besucherinnen und Besucher werden als realistische Zielvorgabe angesehen, wobei der Imagegewinn für die Stadt Basel den materiellen Gewinn wohl um ein Vielfaches übersteigen wird. Nicht umsonst hat auch die offizielle Stadt Basel mit beispiellosem Aufwand die Werbetrommel für die bedeutendste Ausstellung im Kunstmuseum seit Claude Monets Seerosen 1986 gerührt.

Da spielt auch das kurze Störfeuer keine Rolle, das der «Weltwoche»-Journalist Hanspeter Born mit seinem Fälschungsvorwurf gegenüber «Le jardin de Daubigny» eröffnet hat. Von den Sachverständigen wird Borns Buch jedenfalls nicht ernst genommen. «Herr Born schreibt in seinem Buch über zwei Bilder, und bei beiden ist der Hinweis auf die Besitzverhältnisse falsch. Dies sagt alles über die Qualität seiner Recherche», urteilt der Basler Kunstsammler Ruedi Staechelin.