von Fränzi Rütti-Saner

Seit sich am 12. August 1989 der Vorhang zu Mozarts «Zauberflöte» zum ersten Mal für eine Opernaufführung im Passionsspielhaus Selzach gehoben hat, ist allerhand geschehen. Der Trägerverein des Unternehmens wechselte mit dem Namen zu einer eigenständigen Institution.

Während elf Spielzeiten wurden neun verschiedene Opern in deutscher Sprache mit insgesamt 94 Vorstellungen gezeigt. 442 Mitarbeiter haben bislang zum Erfolg der zweijährigen Aufführungsserie beigetragen, 66 verschiedene Solisten und 194 Orchestermusiker waren mit dabei.

Bevor nun am 31. Juli 2010 die Premiere zu «Die Italienerin in Algier» von Giacomino Rossini als zehnte Produktion mit der dann auch anstehenden 100. Aufführung aus der Taufe gehoben werden wird, wird erst einmal ein anderes Jubiläum gefeiert werden.

Es sind nunmehr 20 Jahre vergangen, seit eine Handvoll initiativer Persönlichkeiten das Selzacher Passionsspielhaus zu neuem Glanz geführt hat. Die Männer, die ihm vor 20 Jahren neues Leben einhauchten, sind René Kunz, Franz Aebi, Oskar Fluri, Hansjörg Hack und Christian Allemann.

Hauptinitiant der neuen Sommerspiele war der Grenchner René Kunz, Leiter des Singkreises Leberberg. «Mir schwebte schon lange vor, eine Oper aufzuführen. Eigentlich hatte ich eine Barockoper im Sinn.» Er habe dann das Passionsspielhaus gesehen, und sofort setzte sich Mozarts «Zauberflöte» in seinem Gehirn fest. «Was wir hier drinnen fanden, war aber alles andere als ein bespielbarer Raum.»

Das Passionsspielhaus wurde seit der letzten Aufführung im Jahr 1970 als Velo- und Teppichlager sowie Heuschober gebraucht. Es bestanden gar Pläne, das Holzgebäude aus dem Jahr 1895 abzureissen und auf dem Areal Parkplätze zu bauen. René Kunz konnte Oskar Fluri als Bühnenbildner gewinnen, und zusammen mit Franz Aebi, der für das Finanzielle verantwortlich war, machten sie sich auf die Suche nach einem Regisseur.

Den richtigen Mann fanden die drei in Hansjörg Hack aus München. «Was? In dieser Scheune wollt ihr Theater spielen?», rief dieser aus, als er das Passionsspielhaus zum ersten Mal betrat, doch auch er liess sich vom Charme dieses Hauses einfangen und zog seither in den diversen Inszenierungen alle Register seines Könnens. Das Haus steht seit 1995 unter Denkmalschutz.

Gleich mit der ersten Spielzeit 1989 waren die Initianten erfolgreich: Alle 13 Vorstellungen waren ausverkauft, so dass man gleich ein Jahr später mit der «Zauberflöte» noch einmal in die Aufführungssaison ging. Es folgten «Die Entführung aus dem Serail» (1992 und 1993) und «Don Giovanni» 1995. «Mit den Mozart-Opern konnten wir insgesamt 7000 bis 8000 Besucher in Selzach willkommen heissen», freuen sich die Verantwortlichen noch heute.

Am wenigsten Besucher lockte «Der Freischütz» 2003 an; daran sei wohl einerseits das Hitze-Jahr aber auch das Passionsspielhaus schuld, in dem die Temperaturen entsprechend hoch waren. Auch habe man gespürt, dass noch andere Veranstalter auf die Idee kamen, während des Sommers Festivals durchzuführen.

Alle zwei Jahre findet nun im Passionsspielhaus eine Opernaufführung statt, im nächsten Jahr soll es Rossinis «Die Italienerin in Algier» sein. «Wir hatten die ‹Zauberflöte› ursprünglich als einzelnes Projekt gestartet, doch es kam halt anders», sinniert René Kunz heute. «Hätten wir gewusst, was wir alles in den letzten 20 Jahren zu bewältigen hatten - wer weiss, ob wir das so durchgezogen hätten», lacht auch Aebi.

1991 wurde der Verein Freunde der Sommeroper Selzach gegründet, eine wichtige Gönner-Organisation, die heute rund 200 Mitglieder zählt. Präsident ist Christian Allemann, der erläutert: «Das Haus gehört dem Verein Passionsspielhaus Selzach, und der Verein Sommerspiele Selzach ist darin eingemietet. Dieser Verein tritt sozusagen die Nachfolge des Vereins Leberberger Instrumentalisten/Singkreis Leberberg für die Sommerspiele Selzach - Musiktheater im Passionsspielhaus an.» Als neuer Präsident wurde vor kurzem der Zuchwiler Ueli Bucher gewählt.

An Freitag, 11. September, 19.30 Uhr, findet im Passionsspielhaus Selzach eine Jubiläumsfeier statt. Der Solothurner Künstler Schang Hutter wird die Bühne mit seinen Figuren verzaubern. Mitwirkende aus den Produktionen und Gäste werden die Veranstaltung musikalisch gestalten. Der neue Präsident, Ueli Bucher, wird ebenso zu Wort kommen wie der Regisseur der ersten Stunde, Hansjörg Hack.