«Dead Fucking Last» heisst die neuste Schweizer Filmproduktion, die Ende Dezember in die Kinos kommt. Die Velokurier-Komödie erzählt die Geschichte einer Männerfreundschaft zwischen den eingefleischten Zürcher Tom (Michael Neuenschwander), Andi (Mike Müller) und Ritzel (Markus Merz), die auf eine harte Probe gestellt wird, als ihr Velokurierdienst «Genossenschaft» nach zwanzig Jahren auf einmal harte Konkurrenz bekommt. Der zürichlastige Streifen feiert nun im Kanton Aargau in Baden seine Vorpremiere. Was bei einem genaueren Blick hinter die Kulissen gar nicht so verwunderlich ist. Denn nicht nur der Regisseur Walter Feistle hat seine Wurzeln im Aargau, auch Markus Merz, der mit Ritzel die wohl auffälligste Rolle spielt, hat in der Garage seines Wohnorts Menziken seine Schauspielkarriere ins Rollen gebracht.

In einer Garage in Menziken

Seine kantigen Gesichtszüge, die ihm im Kino ein durchtriebenes und zähes Aussehen verleihen, wirken im Schein einer Zürcher Barbeleuchtung, gar nicht mehr so störrisch und dickköpfig. Vielmehr macht Merz einen ruhigen und bedachten Eindruck, der so gar nicht mit seiner egozentrischen und verrückten Filmrolle Ritzel zusammenpassen will. Am 27. Dezember kommt die Velokurier-Komödie in die Schweizer Kinos und neben den altbekannten Gesichtern von Mike Müller und Michael Neuenschwander ist der Aargauer eher ein Unbekannter in der Filmbranche. Ursprünglich kommt Merz nämlich von der Theaterbühne.

Trailer zu «Dead Fucking Last»

«Das Schauspiel auf der Bühne ist eine grosse Liebe von mir. In Beinwil am See ging ich damals als Kind mit meiner Grossmutter zum ersten Mal ins Theater, in eine Aufführung der Operette ‹Gräfin Mariza›. Dieses Erlebnis war prägend», erinnert sich Merz. In der Garage in Menzikon sind dann die ersten Bühnenbilder und Theateraufführungen für die Nachbarskinder entstanden und nachdem Merz einen «anständigen Beruf» bei der Bank erlernt hatte, wagte er sich mit 20 Jahren an die Aufnahmeprüfungen der Zürcher Schauspielakademie. «Tatsächlich bin ich mit Pauken und Trompeten durchgefallen», sagt Merz und schmunzelt.

Zehn Jahre am Theater Basel

Danach ging es Schlag auf Schlag. Merz wurde in Bern an der Hochschule für Musik und Theater angenommen und spielte nach dem Studium an verschiedenen Bühnen in Deutschland, bevor er 1996 für zehn Jahre lang am Basler Theater engagiert war. «Tief im Herzen werde ich immer ein Theaterschauspieler sein. Ich liebe es, Geschichten zu erzählen und zu spüren, wie man das Publikum erreicht. Dieser unmittelbare Moment geht im Film etwas verloren», schwärmt Merz, der mittlerweile in Berlin lebt. Dass sich der 48-Jährige nun trotzdem als Ritzel vor die Kamera stellte, lag vor allem am Produzenten Kaspar Winkler. «Ich weiss es sehr zu schätzen, dass Kaspar Winkler die Castings nicht an eine Agentur übergeben hat und sich selbst auf die Suche gemacht hat», so der Schauspieler.

Genau dies sei oft das Problem bei Schweizer Produktionen. «Es fehlt der Mut, von den gängigen Typcastings abzuweichen und neuen oder weniger berühmten Schauspielern eine Chance zu geben», formuliert Merz vorsichtig, «das führt dazu, dass das Publikum müde wird, immer dieselben Gesichter zu sehen. Ausserdem spielen die bekannten Fernsehgesichter meist eh nur sich selbst, sage ich jetzt ein wenig böse, ohne es zu verallgemeinern.»

In «Dead Fucking Last» hat sich Merz dem Querkopf Ritzel angenommen, der irgendwo in den 80er Jahren stecken geblieben ist und mit seinen beiden Kollegen den Zürcher Velokurierdienst «Genossenschaft» betreibt. «Was das Gedankengut betrifft, bin ich Ritzel relativ nahe, aber ich denke, dass ich mich etwas besser im Griff habe», sagt Merz über Ritzels teilweise unorthodoxen Methoden, um Ziele zu erreichen.

Die Angst der Schauspieler

Das Befreiendste für Merz war das angstfreie Spielen während der Dreharbeiten. «Das habe ich vor allem dem Regisseur Walter Feistle zu verdanken. Ich hatte nie das Gefühl, etwas falsch machen zu können. Er hat uns einen Teppich geschaffen, auf dem wir losmarschieren konnten», beschreibt Merz seine Erfahrung.

Die Angst, eine Rolle nicht erfüllen zu können, sei immer da. «Aber der Regisseur kann dir das nötige Vertrauen schenken». Als Schauspieler müsse man funktionieren. «Jeder der für den Film arbeitet, ist genauso wichtig und verdient Respekt – manchmal vergessen das die Schauspieler ein wenig», meint Merz.

Nach «Dead Fucking Last» kehrt Merz in Frankreich und Belgien zurück auf die Bühne, allerdings auf die Opernbühne. Er spielt den Bassa Selim, eine meist mit grossen Schauspielern besetzte Sprechrolle in der Mozartoper «Die Entführung aus dem Serail».

Vorpremiere Baden, Kino Trafo, Mi, 19. Dezember, 20.30 Uhr, mit Michael Neuenschwander, Markus Merz, Walter Feistle und Sabine Girsberger. Filmstart «Dead Fucking Last»: 27. Dezember