«Everybody can cook!» – Dass jeder kochen kann, davon ist die sympathische Ratte im Film «Ratatouille» absolut überzeugt. «Jeder kann schreiben!» wäre das Pendant dazu, wenn es um die Produktion literarischer Texte geht. Beide Mottos können vermutlich, nimmt man sie wörtlich, mit einschlägig verbrannten Suppen und verkitschten Texten widerlegt werden. Eine Wahrheit, die in ihnen steckt, ist aber folgende: Längst nicht alle Menschen, die Talent haben, werden auch entdeckt. Und im Gegensatz zu englischsprachigen Ländern hängt die deutschsprachige Literatur immer noch ein wenig an der veralteten Vorstellung von Genie und Exzellenz. So wurde manch ein sublimes Gedicht nie entdeckt, manch ein grossartiger Text nie geschrieben oder vorgelesen – aus Schüchternheit, aus Bescheidenheit, aus Mangel an Gelegenheit.

Diese Gelegenheit möchten die Schauspielerin Barbara Horvath und der Regisseur und Schauspieler Helmut Berger gemeinsam mit dem Künstler Urs Berger den Schreibenden im unteren Baselbiet, dem Schwarzbubenland und dem Laufental bieten. Orientiert hat sich das Paar, das in Biel-Benken lebt, dabei an einem ähnlichen Projekt in Österreich, das vom bekannten Schauspieler Peter Simonischek initiiert wurde. An Simonischecks beliebtem Wettbewerb lesen Berger und Horvath jeweils die Siegertexte vor.

Ein Text muss, um beim Wettbewerb mitmachen zu können, nicht ganz so kurios und originell sein wie die hinreissende Filmfigur «Toni Erdmann», die Simonischeck im gleichnamigen Film spielt. Der Text darf alles sein, nur nicht länger als 12  000 Zeichen. Das Thema, und Achtung, jetzt wird’s doppeldeutig, ist «frei». Einen bereits bestehenden Text, der nichts mit dem Thema «frei» zu tun hat, mit der Begründung einzuschicken, dass das Thema ja frei sei, wäre bestimmt raffiniert, aber nicht im Sinne der Ursprungsidee.

Der Wettbewerb heisst nicht bloss wegen des Wortspieles Landleben-Landlesens so: Die Texte, Prosa und Lyrik, werden im Herbst im Rahmen eines Festes in Biel-Benken vorgetragen. Das Siegergedicht wird vertont werden, so dass es am Landlesefest als Lied vorgetragen werden kann. Komponist wird der Saxofonist Sascha Schönhaus vom Klezmerorchester Bait Jaffe sein.

Für die Jury konnten der Autor Alain Claude Sulzer und die Autorin Verena Stössinger gewonnen werden, sowie der Buchhändler der Birsig-Buchhandlung in Binningen, Max Hähne. Die Preissumme beträgt 3000 Franken.

Im Übrigen wird der Film Ratatouille auch im bejubelten Stück «Drei Schwestern» zitiert, in dem Barbara Horvath die Rolle der Olga spielt. Horvath und Berger wurden in Biel-Benken warmherzig aufgenommen, als sie dort hinzogen. Mit Landlesen möchten sie dem Ort auch etwas zurückgeben. Sie hoffen auf viele Einsendungen von heimlichen Schreibtalenten und unheimlich gute Texte. Wer jetzt noch zögert, erinnere sich an Ratatouilles «anybody can cook!» – und greife zur Feder.

Einsendeschluss bis 31. März: Die Texte sollen an die Birsig-Buchhandlung in Binningen geschickt werden. Es gibt zwei Altersgruppen: 14 bis 20 Jahre und 20 bis 100 +. Wer Prosa schreibt, soll sich auf maximal 12000 Zeichen beschränken, wer Lyrik produziert auf höchstens zwei Gedichte.