Kabarettistische Satire

Ü50 und weiblich – eine Hölle für sich

Regula Espositos Kunstfigur Helga Schneider kämpft mit den Problemzonen des Alters.

Regula Espositos Kunstfigur Helga Schneider kämpft mit den Problemzonen des Alters.

Im pinkfarbenen Trainingsanzug, komplett ausser Atem, aber die voluminös toupierte Haarpracht straff lackiert, stürzt sie sich auf die Bühne. Das ist Helga Schneider (ex Acapickels) mit «Hellness» im Zürcher Hechtplatztheater.

Mit einer «Züri-Schnörre» tut sie dem versammelten Publikum japsend kund, dass sie nun 50 sei: Helga Schneider. Vom Anfang (1990) bis zum Ende (2008) war sie – hinter der die Zürcherin Regula Esposito steckt – eine der vier Säulen der «Acapickels». 2010 hatte Esposito die Kultfigur im Soloprogramm «Helga Schneider ist bag» wieder aufleben lassen – als Handtaschenanalysandin, drei Jahre vor dem Zürcher Taschen-Skandal um Oprah Winfrey.

Vom Frust des Alterns

Nun also ist sie 50. Sagt zumindest Helga, während Regula effektiv noch eine Gnadenfrist von zwei Jährchen hat. Was solls? Frau kann sich nicht früh genug Sorgen machen um das innere Gleich- und das äussere Körpergewicht. Denn der Frust beispielsweise allein schon beim Kleiderschoppen nimmt parallel zum Älter-werden überproportional zu. Auch weil bekanntlich die Schwerkraft an diversen Körperstellen unaufhaltsam ihren Tribut fordert.

Kurzum: Frau muss etwas tun, was Helga Schneider total verinnerlicht hat. Sie führt dem geneigten Publikum die verschiedenen Möglichkeiten äusserst anschaulich vor: von Papaya-Mango-Joghurt-Peeling bis Nordic Walking, von Zumba bis Schönheitschirurgie, von der perfekten Sportausrüstung bis Raumbeduftung.

Heftiges Lachmuskeltraining

Helga Schneider legt sich mit Leib, Mimik und Mundwerk voll und überaus gekonnt, mitreissend ins Zeug (Regie: Krishan Krone). Ob so viel Fitness und Energie kann man als Zuschauer direkt blass vor Neid werden. Doch schliesslich und endlich werden auch bei den Zuhörern immerhin gewisse Muskeln strapaziert: Jene, die zum Lachen gebraucht werden. Denn parallel zum anschaulich demonstrierten Fitness- und Wellness-Programm, gibt Helga Schneider am Laufmeter Tipps und sinniert über ihre Befindlichkeiten. Wie aus einem Kanonenrohr prasseln schlagfertiger Wortwitz und köstliche Pointen ins Publikum, nur unterbrochen von einigen attraktiven Gesangseinlagen (Musik: Jeannot Steck).

Als Frau Ü50 erkennt man sich in «Hellness» eins übers andere Mal wieder. All die diversen Aha-Erlebnisse, dass man nicht alleine ist mit seinen Problem(zon)en, wirkt mindestens so entspannend, wie eine Ayurveda-Kur. Nebst der Begeisterung darüber, dank Helga Schneider zwei herrliche Stunden verlebt zu haben, bleibt allerdings eine Frage offen: Was geht wohl Männern Ü50 bei «Hellness» durch den Kopf?

Hellness Noch bis 30. November im
Zürcher Hechtplatztheater.

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