Dass der emeritierte Psychologie-Professor Udo Rauchfleisch niemand ist, der unter vielen Schreibblockaden leidet, zeigt bereits seine lange Publikationsliste der Fachliteratur. Dieser Drive scheint ihm auch bei seiner neueren Passion, dem Krimi-Schreiben, nicht zu fehlen. Obschon er eine eigene Praxis für Psychotherapie betreibt und oft als Fachperson zu Gast ist, liegen knappe eineinhalb Jahre nach dem Erscheinen seines ersten Krimis nun bereits Band 3 und Band 4 der Krimis vor, deren Schauplatz die Stadt Basel ist.

Stritten sich der Kommissar Jürgen Schneider und sein Partner Mario im ersten Band noch darüber, ob sie ein Kind haben möchten, ist dieses im dritten Band «Schwarz ist der Tod» bereits 5 Jahre alt, heisst Antonio und schreit, weil es lieber die graue Hose anziehen möchte.
Wie im Erstling widmet Rauchfleisch auch in diesem Krimi dem Privatleben des Kommissars viel Aufmerksamkeit. Man erhält Einblick in den Alltag einer Regenbogenfamilie. Antonio hat zwei Mütter und zwei Väter, bei denen er alternierend eine Woche verbringt.

Und wenn Mario feststellt, dass es ihnen gelungen ist, in der Nachbarschaft «Vorurteile gegenüber Regenbogenfamilien abzubauen», so wird darin auch ein Anliegen des Autors benannt: Udo Rauchfleisch möchte seine Leidenschaft für Kriminalromane kombinieren mit gesellschaftlichen Themen, die ihn beschäftigen. Im dritten Band sind dies unter anderem unterdrückte Homosexualität und das Leben als «Sans-Papiers». Man erfährt, warum Menschen, die im Herkunftsland wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt werden, als «Sans-Papiers» leben.

Im Zentrum des vierten Bands, «Narzissten leben gefährlich», steht der krankhafte Narzissmus, über den Rauchfleisch im letzten Jahr ein Fachbuch herausgegeben hat. Als sein fachliches Alter Ego tritt im Krimi jeweils der Psychologe Walter Steiner auf, der die Dinge kontextualisiert.

Man könnte Rauchfleischs Romane mit dem Begriff «Didaktischer Kriminalroman» kategorisieren. Die Bücher sind lehrreich, die Leserführung eng.

Damit die Leserinnen und Leser sicher alles richtig verstehen, werden die Figuren sogar wie in einem Theaterstück zu Beginn des Textes aufgeführt. In den Dialogen nennen sich die Personen dauernd beim Namen, sodass man als Leserin nie rätseln muss, wer spricht. Vieles ist explizit. Etwas gewagt ist vielleicht das Spiel mit Stereotypen und Klischees: Es sind die Frauen, die auf eine zuckerarme Ernährung des kleinen Antonio pochen und ein Kunde von Marios Modeboutique wird als Diva bezeichnet. Beim Spiel mit dem Klischee ist es halt immer so eine Sache: Wie kann man beim Lesen das Augenzwinkern erkennen, von dem das

Schreiben begleitet wurde?

Dass darunter die Spannung kaum leidet, liegt vermutlich am sinnvollen Plot, Rauchfleischs oft leichtfüssigem Ton und seinem psychologischen Know-how. Hier schreibt einer, der die Emotionen der Menschen erforscht hat.

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Udo Rauchfleischs neuste Kriminalromane: «Schwarz ist der Tod» und «Narzissten leben
gefährlich», Himmelstürmer-Verlag.

Ratgeber: «Narzissten sind auch nur Menschen: Wie wir mit ihnen klarkommen.» Patmos-Verlag.