Trotz Regen dominierte die Musik

Das Heitere Open Air 2010 drohte zu einer Schlammschlacht zu verkommen. Die Stimmung war aber dennoch sehr gut. Der Sonntag war zwar nicht komplett ausverkauft, trotzdem kamen nochmals 11 000 Besucher an die Konzerte. Insgesamt kamen am Wochenende 35000 Zuschauer ans Openair.

Andrea Marthaler

Das Programm war an diesem letzten Tag sehr vielfältig: mit den deutschen Hip-Hop-Künstlern Blumentopf, der Folk-Metal-Band Eluveitie, aber auch der Popband Ich + Ich, der Afrofunk-Sängerin Angélique Kidjo und dem Reggae-Sänger Gentleman.

Blumentopf brachten gleich ein eigenes Geburtstagsständchen fürs Open Air mit. «20 Jahre Heitere, wir gratulieren und hoffen, es gibt noch 20 weitere», rappten sie spontan los. Sie zeigten sich ebenso erfreut, in Zofingen spielen zu dürfen wie die später folgenden Deutschen Ich + Ich. Sie sangen eingängige Lieder, bei denen das Publikum gerne mitsang.

Im Rollstuhl auf die Bühne

«Get the Party started», schrie Solomon Burke am Samstagabend ins Mikrofon. Die Situation war paradox. Kurz zuvor wurde der 70-jährige Schwergewichtige im Rollstuhl auf die Bühne gebracht - im Dunkeln, damit niemand es sehen konnte. Fürs Konzert setzte er sich auf einen Thron mit rotem Samtbezug und goldenem Rahmen. Das Bild auf der Bühne, umrahmt von Orchester und Backgroundsängerinnen zeigte, hier sitzt eine Legende auf der Bühne.

Seine Stimmkraft war immer noch dieselbe wie früher. Tragender als die mancher junger Künstler. Auf dem Heiteren überliess er jedoch einen Grossteil der zweistündigen Show dem Nachwuchs: der britischen Soulsängerin Joss Stone und der holländischen Saxofonistin Candy Dulfer. Stones Stimme harmonierte hervorragend mit derjenigen des älteren Amerikaners, auch allein bot sie ein gewaltiges Spektrum. Und Candy Dulfer zeigte tolle rhythmische Saxofonsolos.

Publikum machte begeistert mit

Der Funke zum Publikum vermochte allerdings nicht so recht zu springen. Obwohl Burke immer wieder zum Kreischen und Klatschen motivierte. Der seit dem frühen Abend anhaltende Dauerregen vertrieb einige Besucher bereits während des Konzerts der Soullegende. Es hätte deutlich mehr Action gebraucht.

Diese boten zuvor andere Bands. The Baseballs, stecken geblieben in der Zeit des Rock 'n' Rolls, animierten das Publikum. Wie Elvis standen sie breitbeinig auf der Bühne, die Haare nach dem Vorbild gestylt und mit markanten Koteletten. Vor ihnen brachten Karamelo Santo argentinisches Flair nach Zofingen. Das Publikum machte begeistert mit. Die Füsse in Regenstiefeln und Plastikpelerinen über den Körper gestülpt, tanzten die Besucher vor der Bühne - selber schuld, wer da noch die Nässe und die Kälte spürte.

Während der Samstag Partybands brachte, setzte der Freitag auf bewährte Namen. Die Walliserin Stefanie Heinzmann eröffnete das Festival mit Soul-Pop. Danach feierten Sens Unik ihr Jubiläum. Wie das Heitere gibt es die Band seit zwanzig Jahren. Zu ihrem Geburtstagsauftritt holten sie das Jungtalent Steff la Cheffe auf die Bühne und den Rapper Dynamic.

Mit den darauffolgenden Acts war der Freitag der stärkste Tag am Heitere Open Air überhaupt. Die deutschen Silbermond sangen ihre stimmungsvollen Pop/Rock-Lieder, wofür sie zwischendurch sogar mitten ins Publikum standen. Zwar litt die Soundqualität darunter, doch die Besucher freute es, Wunderkerzen, Feuerzeuge und Handys wurden entfacht. Super Stimmung brachten auch Skunk Anansie mit der charismatischen Frontsängerin Skin auf. Bei dieser Band spürte man, dass sie am liebsten live performen. Auch Billy Talent ist live eine Grösse. Zwar animierte er das Publikum fast gar nicht, doch seine Musik war derart stark, dass die Zuschauer dennoch ausgelassen mittanzten.

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