Wohlen
«Touch the Air» macht trotz Absagen und Vergewaltigung weiter

Melanie Fiona, Busta Rhymes und Timbaland: Sie haben trotz fester Verträge und bereits bezahlter Gagen am «Touch the Air» geschwänzt. Die Veranstalter ist trotzdem zufrieden. Es soll eine zweite Ausgabe geben.

Stefan Künzli
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Fans beim Auftritt von Ludacris am «Touch the Air»

Fans beim Auftritt von Ludacris am «Touch the Air»

Emanuel Freudiger

Melanie Fiona, Busta Rhymes und Timbaland am Festival Touch The Air in Wohlen. Mit dieser Ankündigung hat das neue Festival in Wohlen geworben und die Fachwelt in Staunen versetzt. Denn der Superstar und Super-Produzent Timbaland, der den Hitparaden-Sound der letzten Jahre massgebend prägte, gibt nur ganz selten Konzerte.

Pech oder gezielte Irreführung?

Dass das neue Festival in Wohlen den Zuschlag erhielt, galt als kleine Sensation. Auch die Verpflichtung von Busta Rhymes und Melanie Fiona machte deutlich: In Wohlen will man ganz hoch hinaus – eben: «Touch The Air», berühr den Himmel.

Nur: Von den drei Headlinern des Festivals ist niemand aufgetaucht. Am Tag des Auftritts, am Freitagmorgen, teilte die Festivalleitung mit, dass Timbaland «aus privaten Gründen» nicht nach Wohlen kommen könne.

Auch Busta Rhymes ist aus dem Programm gestrichen worden. Schon zuvor wurde die in der Schweiz äusserst populäre Melanie Fiona aus dem Programm gekippt. Statt in Wohlen sang sie am Festival Blues ’n’ Jazz in Rapperswil. War das einfach Pech oder Unvermögen oder gar gezielte Irreführung?

Es gab Verträge mit den Stars

Pikant: Auf der Homepage von Timbaland war schon vor sechs Tagen nichts von einem Konzert in Wohlen. Auch bei Busta oder Melanie Fiona stand nie etwas von einem abgesagten Konzert. Das weckt den Verdacht: Hat es gar nie einen gültigen Vertrag gegeben? Alles korrekt. «Wir betreiben keine Ankündigungspolitik», sagt Mediensprecher Ferris Bühler und legt der az die unterschriebenen Verträge von Melanie Fiona und Busta Rhymes vor.

Zusagen hat es auch von Timbaland gegeben. Fiona und Busta Rhymes sind für die renommierten BET-Awards – die wichtigsten Black Music Awards der USA – in Los Angeles nominiert worden und haben deshalb die Prioritäten einfach anders gesetzt.

Offen bleibt, aus welchen Gründen Timbaland abgesagt hat. «Über die Gründe der Absage dürfen wir keine Auskunft geben, ebenso wenig wie über den streng vertraulichen Vertragsinhalt», erklärt Bühler.

Ersatz kostete doppelt so viel

Den Schaden hat das Festival. Die geleisteten Vorschüsse – Busta Rhymes hat schon die ganze Gage erhalten – sollen zwar zurückbezahlt werden, doch der Aufwand hat sich für das Festival erhöht.

Der Ersatz von Melanie Fiona, der britische Chartstürmer Tinie Tempah, hat doppelt so viel gekostet wie die kanadische Sängerin. Dazu kommt der Imageschaden. Konventionalstrafen sind in der Regel zwar vertraglich festgehalten, werden aber in diesem Business nie bezahlt. Immerhin: Busta Rhymes hat die Absage persönlich bedauert und sein Booker Sia versichert gegenüber der az, dass man sich gegenüber dem Festival schon irgendwie erkenntlich zeigen werde.

Es gibt eine weitere Ausgabe

Trotzdem ist der Veranstalter mit der ersten Ausgabe zufrieden. «Wir ziehen eine äusserst positive Bilanz», so Mediensprecher Ferris Bühler. Abgesehen von einem sexuellen Übergriff in der Zeltstadt (die az berichtete) verlief das Festival friedlich und ohne nennenswerte Zwischenfälle. «Die Kantonspolizei Aargau lobte unsere Zusammenarbeit», so Bühler.

Kumuliert zählte das Festival an den vier Tagen 68400 Besucherinnen und Besucher. «Das Geschäftsergebnis ist positiv», sagt Bühler. «Das Festival Touch The Air wird am Standort in Wohlen weitergeführt.»

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