Theater Basel

Theater-Direktor Beck: «Ich widersprech’ Ihnen entschieden!»

Spielplanpräsentation Theater Basel für die Saison 2017/18 von links: Almut Wagner, Andreas Beck, Laura Berman

Schauspieldirektor Andreas Beck erklärt, warum er in seiner dritten Saison in Basel auf Kontinuität setzt.

Andreas Beck und sein Team präsentieren das Programm für die Saison 2017/18. Was auffällt, ist vor allem die Kontinuität, die in allen drei Sparten Programm ist. Das Theater Basel bleibt seinen Künstlern treu – und umgekehrt. Ausnahme: Der Publikumsliebling, Regisseur Simon Stone, setzt für kommende Saison aus. Das Haus bleibt ein Ort, wo neben Ballett und Musiktheater vor allem das literarische Theater seinen Platz hat.

Herr Beck, Sie setzen auf Kontinuität. Ein Zeichen, dass es gut läuft?

Andreas Beck: Ich bleib einfach dem treu, womit ich angetreten bin. Und ich bin mit Vielem sehr zufrieden, ja.

Also greift die sogenannte Basler Dramaturgie, das Konzept, bestehende Stücke von Autoren und Autorinnen überschreiben zu lassen?

Es funktioniert, und das freut mich. Jemand der explizit für diese Basler Dramaturgie mitverantwortlich war, ist Simon Stone. Anhand von seinem Beispiel dürfen wir doch von einem Erfolg sprechen. Aber Sie sehen auch an anderen Stücken im Programm, dass dieses Verfahren der Weiterführung eines Stoffes eine grosse Tradition hat. Wie beispielsweise bei der «Dreigroschenoper» oder bei «Amphitryon». Bereits die Anfänge des Theaters liegen ja darin, dass man einen althergebrachten Mythos neu verfasst und für das Theater aufbereitet hat.

Sie haben eben Simon Stone genannt, das Aushängeschild dieser Basler Dramaturgie ...

... ich widersprech' Ihnen entschieden! Simon Stone ist ein erfolgreicher Vertreter dieser Dramaturgie, aber nicht das Aushängeschild. Ewald Palmetshofer, Tom Lutz oder Claudia Bauer: Das sind auch alles Kolleginnen, die beim Theatertreffen in Berlin eingeladen sind.

Doch Simon Stone ist kommende Saison nicht mehr im Programm vertreten ...

... er verlässt uns aber nicht. Er inszeniert in der übernächsten Spielsaison wieder bei uns.

Er dreht in Hollywood einen Film und hat deshalb keine Zeit. Geht es dem Theater Basel ein wenig so wie dem FCB: Sie bauen gute Leute auf, die haben Erfolg und dann müssen Sie diese ziehen lassen?

Auch da widersprech' ich entschieden! Wenn, dann hätten wir das Problem bei den Schauspielern oder den Sängern. Aber der Punkt ist: Natürlich ist Basel eine attraktive Metropolregion. Mit anfang Dreissig will man aber noch etwas weiter in die Welt hinaus. Auf diesem Weg ist Basel eine Station und nicht die Endstation. Zum anderen ist es so: Simon Stone war bereits bevor ich ihn angefragt habe ein gefragter Theatermann in Australien. Er wurde in Europa sehr schnell wahrgenommen. Dass jetzt die Kollegen in Hollywood auf ihn aufmerksam werden, ist doch einfach toll. Das dürfen wir, welche die meisten Stücke von ihm im Programm haben, doch nur als absoluten Gewinn betrachten!

Sie legen den Fokus unter anderem auf Schweizer Literatur. Ist die Schweiz nicht ein zu harmonisches Land für gutes Theater?

Ich erlebe die Schweiz nicht als harmonisch. Eher erlebe ich sie als harmoniesüchtig. Man muss ja immer auch zwischen den Zeilen lesen. Ich finde, dass die Schweiz einerseits ein Land ist, das sich egalitär gibt, auf der anderen Seite aber sehr elitär verfährt. Genau diese Kluft zwischen Anspruch und Realität ist der Punkt, wo Theater ansetzt.

Angesichts der vielen Klassiker: Wo bleibt das Experiment?

Es gibt einige Ur- und Erstaufführungen. Das sind auch immer Experimente. Wir erzählen diese Stoffe neu, nicht nur, indem wir sie neu inszenieren. Wir erarbeiten literarische Neufassungen, das ist der entscheidende Punkt. Wir pflegen hier das literarische Theater.

Sie setzen auf eine neue Preispolitik. Warum?

Weil ich finde, dass unser Theater in jeder Hinsicht ein barrierefreies Theater sein muss. Ich möchte, dass niemand zu mir auf der Strasse sagt: «Ich würde ja gerne kommen, aber es ist zu teuer.»

Sind Sie zu teuer?

In der Schweiz ist vieles teurer als die Menschen bereit sind zu zahlen. Das ist ein Problem, das wir vielerorts sehen. Darauf müssen wir reagieren. Schliesslich werden wir subventioniert, um Theater für alle zu ermöglichen.

Gibt es eine Flatrate wie beispielsweise in der Gessnerallee in Zürich.

Nein, das schaffen wir nicht. Ich bin ja dazu aufgefordert, einen Gewinn zu erwirtschaften. Neu gibt es bei uns ein Kontingent von Plätzen für 30 Franken.

Zudem gibt es eine kleine personelle Änderung.

Ja, ich teile ab kommender Saison die Leitung des Schauspiels mit der bisherigen Dramaturgin Almut Wagner. Das war letztendlich schon die Praxis. Und ich dachte, nach zwei Jahren ist es fair, zu sagen, dass wir das Ganze eigentlich zusammen machen.

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