Zum Auftakt steht am Freitagabend Frank Castorfs letzte grosse Volksbühnen-Inszenierung auf dem Programm. Der Ex-Volksbühnenintendant zeigt seine rund siebenstündige Version von Goethes "Faust".

"Der Ur-Klassiker des deutschen Kanons wird von Castorf aus den Fesseln gängiger Interpretationen befreit", so Theatertreffen-Chef Richter. "Plötzlich geht es um Kolonialismus, Finanzkapitalismus und Gender-Fragen - all das, was unsere Zeit gerade auf den Prüfstand stellt."

Auffällig an der diesjährigen Auswahl sei, "dass alle Inszenierungen sehr vertraute Geschichten in neuen Versionen erzählen", sagt Theatertreffen-Leiter Daniel Richter. "Bei Karin Henkels 'Beute Frauen Krieg' vom Schauspielhaus Zürich zum Beispiel wird der antike Stoff von Euripides aus komplett weiblicher Perspektive erzählt. Plötzlich erscheint die Erzählung über den trojanischen Krieg nicht mehr als männliche Heldengeschichte, sondern auch als Geschichte über männliche Gewalt und ihre weiblichen Opfer."

Das Theatertreffen endet am 21. Mai mit der Vergabe des Alfred-Kerr-Darstellerpreises für junge Schauspieler.