Die ersten Träume an dieser vierten Ausgabe der Fantasy Basel zerplatzen schon kurz nach dem Einlass. Und zwar in der Waffenkammer, ausgerechnet. Dort steht ein kleiner Elf, spitze Ohren, hellgelbe Augen. «Das Messer kannst du behalten, aber die Wurfsterne müssen hierbleiben», sagt der Mann vom Sicherheitsdienst. «Aber warum denn?» wimmert der Elf. «Die seh’n zu echt aus», sagt der Mann bedauernd und lässt gleichzeitig einen riesigen Kämpfer mit Laserkanone passieren.

Die Szene ist sinnbildlich für den Übertritt in eine Szene, die auch hierzulande regen Zuwachs erfährt. An der Waffenkontrolle werden die Traumtänzer zum letzten Mal mit den Regeln des Diesseits belästigt, bevor sich für sie die Tore zur grössten Schweizer Fantasy-Convention öffnen. Aber weil auch dort scharfe Kanten, Spitzen, Schwerter und Schusswaffen das bleiben, was sie sind, Gefahrenquellen nämlich, hat die Messe 2018 die Sicherheitsauflagen erhöht.

Fantasy Basel: Tausende Cosplayer erobern die Messehallen

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Der Zeitgeist will Sicherheit. Rein kommt, wessen Requisiten eindeutig erfunden sind. Originalgetreue Replikas echter Waffen bleiben draussen.

Also trottet der Elf von dannen. Lange wird er nicht traurig sein, denn was sich hier darbietet, verzückt auch mit leerem Wurfsternhalfter. Was für ein Spektakel! Den besten Überblick verschafft man sich oben an der Rolltreppe, hier werden Stufe für Stufe die wildesten Kostüm-Cocktails wie auf dem Silbertablett in die Hallen serviert.

Hand in Hand mit Frodo

Da schwebt zum Beispiel schon ein riesenhafter Hulk heran, Hand in Hand mit Frodo, dem Hobbit. Und im Akkord folgen Elben, Zwerge, schwarze Witwen, das LARP-Kabinett in seiner ganzen Pracht. LARP steht für Live Action Role Play, und so eine Rolle mimt auch der grässliche Zombie, dessen schleppende Ketten von vier freundlichen Pikachus getragen werden, damit sie sich nicht in der Mechanik der Rolltreppe verheddern. Der Zombie bedankt sich artig, die Pikachus kichern. Eine Szene zum Steinerweichen.

Glück hat, wer auf Stelzen geht wie besagter Hulk oder auch Ent Baumbart, der den Fangorn Wald als J.R.R. Tolkiens Kosmos offenbar verliess, um nun behäbig über die drängelnde Masse zu spitzeln und sie zu sehen: Carla Juri, einer der geladenen Stars dieser Convention. Die Tessiner Schauspielerin hat mit ihrer Rolle in «Blade Runner» 2049 den Sprung auf die ganz grosse Bühne geschafft und wird nun in Basel von den Sci-Fi-Fans ins Kreuzverhör genommen. Wie wars denn, an der Seite von Ryan Gosling zu drehen, und wie tickt Regisseur Ridley Scott?

«Nun, bei der Arbeit wird man schnell zur Familie», sagt Juri, «das ist in Hollywood nicht anders als in Europa. Was ganz neu war für mich, das war die gewaltige Dimension der Sets, das war schon gigantisch». Auch das Genre war Neuland für Juri, «aber das fantastische am Sci-Fi ist unter anderem die Ausstattung. Die Kostüme, die Kulisse, die Arbeit mit Prothesen oder anderen surrealen Requisiten. Das hat mir sehr gefallen.» Verzücktes Raunen unter den Fans, einer macht sich Notizen.

Wie ist das eigentlich für jemanden wie Juri, die uns Zuschauerinnen mit ihrem Spiel ganze Welten aufspannt, kann sie selber noch staunen? Weiss Carla Juri noch wie sich das anfühlt, oder sieht sie im Kino immer auch Kameras, Beleuchter, Tontechniker, den ganzen verflixten Apparat und damit in die Künstlichkeit hinter der Traumwelt, kurz, den Maschinenraum der Magie hinein?

«Ich gehe ganz in der Story auf»

«Wenn mich die Geschichte packt, sehe ich nichts von all dem», sagt Juri, «dann gehe ich ganz in der Story auf.» Wenn nicht einmal die sogenannte Déformation professionnelle die Akteure das Illusionieren verlernt, wer oder was soll die Fantasie dann noch kleinkriegen? Die Fans jedenfalls sind zufrieden und auch Carla Juri scheint eine gute Zeit zu haben. Sie ist während der ganzen drei Tage an der Convention präsent.

50 000 Besucherinnen und Besucher erwarten die Veranstalter an diesen Festspielen, wegen des schlechten Wetters dürften es ein paar weniger werden. Im Regen vor den Hallen verziehen Passanten ob der leicht bekleideten Cos-Player schon mal das Gesicht. Sollen Sie. Jeder blöde Kommentar im Diesseits bedeutet drüben in Fantasien drei Komplimente.