Fränzi Rütti-Saner

Wer heute noch einiges an Kapital besitzt, könnte dieses - statt es zu einer Bank zu bringen - in ein wertvolles Musikinstrument investieren. «Da kann er sicher sein, dass sich das Kapital nicht in Luft auflöst», sagt der Langenthaler Luzius Wernly und lacht. Er muss es wissen, denn seit 14 Jahren betreibt er die Maggini-Stiftung, die sich mit dem Ausleihen von wertvollsten Streichinstrumenten an Musiker befasst. Begonnen habe er 1990 mit vier Instrumenten. «Heute vermieten wir 486 Violinen, Bratschen und Celli auf der ganzen Welt», so Wernly.

Und immer öfter komme es heute vor, dass sich Banken, Versicherungen oder reiche Unternehmer dafür interessierten, wertvolle Musikinstrumente als Investition anzuschaffen. Er spüre eine steigende Tendenz, sagt Wernly, denn er könne sich nicht über wenig Arbeit beklagen. Sein Sachverstand und seine Institution seien weltweit gefragt.

Luzius Wernly suchte schon früh nach Gemeinsamkeiten von Musik und Geld. Stark an Musik interessiert, absolvierte er nach der Schule doch zunächst eine kaufmännische Lehre in einer Bank. Doch danach gings zum Cellostudium nach Bern und Stuttgart und er war Mitglied beim Bachorchester München. 1975 zog es ihn mit seiner Familie wieder in die Schweiz, wo er zunächst im Kanton Uri als Musiklehrer arbeitete und wirkte. Ab 1980 unterrichtete er in Basel und im Jahr 1990 konnten seine Frau und er das Haus der Schwiegereltern in Langenthal übernehmen wo er die Maggini-Stiftung (s. Kontext) gründete.

Glück mit dem Segelman-Trust

Mit der Zeit hatte sich Wernly ein umfassendes, musikhistorisches Wissen über Streichinstrumente angeeignet und er wurde in ganz Europa als Sachverständiger beigezogen. So auch in den Neunziger Jahren bei einem Rechtsstreit in London. Damals stand Wernlys Stiftung noch in den Anfängen. «Doch nach diesem Prozess wurde mir aus Dankbarkeit die umfangreiche Streichinstrumente-Sammlung des Segelmans Trust zur Verwaltung und Verwendung überlassen.» Heute verwaltet die Maggini-Stiftung 486 Streichinstrumente, rund 200 davon sind derzeit ausgeliehen.

Im Allerheiligsten

Ein Rundgang durch das Jugendstilhaus in einem ruhigen Langenthaler Wohnquartier bringt erstaunliche Schätze hervor. Wernly ist nicht nur ein besessener Sammler von Streichinstrumenten, er besitzt mit seiner Stiftung noch eine äusserst umfassende Musikalien- und Musikbücher-Bibliothek, dazu unzählige Autographen und zahlreiche Stiche und Bilder von Musikern und Interpreten, sowie eine 44 000 Stück umfassende Sammlung von alten Postkarten.

Beim Rundgang macht Wernly macht Halt vor einem besonderen Zimmer. Er gibt vor der Türe einen Code ein und man betritt sozusagen das Allerheiligste der Maggini-Stiftung: den Raum mit den Streichinstrumenten. Zahlreiche wertvollste Violinen, Bratschen und Celli sind da fein säuberlich aufgereiht - Wernly kennt jedes einzelne Instrument, als wären es seine Kinder. «Wer sich bei uns ein Instrument ausleihen will, muss persönlich nach Langenthal anreisen», berichtet er über das Ausleih-Prozedere, denn er wolle wissen, mit wem er es zu tun habe. Schliesslich hat jedes einzelne Instrument einen Wert von mehreren hunderttausend bis zu mehreren Millionen Franken. Er zeigt auf zwei Stradivaris im Gestell. Eine davon bringe er morgen höchstpersönlich einem Musiker nach Berlin.

James Bond-Aktionen

«Die Stiftung schliesst pro Instrument zwei Verträge ab», erläutert Wernly die rechtliche Seite. «Einen Mietvertrag mit dem Besitzer des Instruments, einen Leihvertrag mit dem Musiker. Jedes Vertragswerk ist gemäss internationalem Recht ausgestaltet, denn wir sind ja auf der ganzen Welt tätig». Je nach Wert des Instruments zahlt der Musiker eine monatliche Miete. «Die Beträge können von 100 bis 5000 Franken gehen».

Bei der Auswahl des jeweiligen Instrumentes an einen Musiker hat der Stiftungs-Gründer auch ein Wort mitzureden. «Selbstverständlich schlage ich dem Interpreten die Instrumente vor, die ich als die Passenden ausgesucht habe. Dazu verschaffe ich mir einen Überblick über Einsatz und Verwendung des Instruments. Es gibt Violinen, die eignen sich als Soloinstrumente, andere nicht. Will der Musiker eine CD aufnehmen? Wo spielt er, was spielt er? Solche Kriterien haben Einfluss auf die Instrumentenwahl.»

Bei den gewaltigen Summen, die diese Instrumente wert sind, ist Sicherheit natürlich sehr wichtig. Wernly verlässt sich neben allen technischen Vorsichtsmassnahmen bei seinem Geschäft auch auf seine gute Menschenkenntnis. «Ich weiss immer, wem ich die Instrumente überlasse, denn ich informiere mich ganz genau darüber, wer die jeweiligen Musiker sind.»

Und doch hat der Langenthaler auch schon die eine oder andere abenteuerliche Rückhol-Aktion (auch schon unter Inanspruchnahme der Polizei) durchführen müssen. «Da bin ich mir auch schon wie James Bond vorgekommen».

Morgen Freitag 24.4. besucht TV-Moderator Nik Hartmann mit «SF bi de Lüt» die Maggini-Stiftung ebenfalls. Die Sendung beginnt um 20.05 Uhr auf SF 1.