Stieg Larsson
Stieg Larssons Partnerin: «Es gibt einen vierten ‹Millennium›-Teil»

Stieg Larssons Lebenspartnerin Eva Gabrielsson enthüllt im Gespräch mit der Mittelland Zeitung, dass sie aktiv an der Entstehung der Erfolgsbücher «Millennium» beteiligt war.

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André Anwar, sTockholm

Frau Gabrielsson, nachdem Sie sehr lange geschwiegen haben, kündigen Sie jetzt ein Buch an. Stimmt es, dass Sie eine Biografie über Stieg Larsson verfasst haben?
Eva Gabrielsson: Nein, in «Das Jahr nach Stieg» geht es darum, wie es für mich war, als Stieg starb. Wie man durch einen solchen Verlust, einen solchen Schock jemand völlig anderes wird. Aber natürlich geht es in gesonderten Kapiteln auch um die Entstehung der Krimis und den Erbstreit mit Stiegs Familie.

Es wurde heftig spekuliert, ob Sie die Bücher zusammen mit Larsson geschrieben haben. Sind Sie Co-Autorin?
Gabrielsson: Über meine Rolle gibt es keine eindeutige Antwort. Eigentlich möchte ich gar nichts dazu sagen. Weil jede Antwort gewiss wieder falsch ausgelegt wird. In einem Kapitel meines Buches geht es um die Entstehung der «Millennium»-Bücher.

Bisher hiess es, Sie hätten nur Korrektur gelesen und mit ihm diskutiert. Brauchen Sie dafür ein Buchkapitel?
Gabrielsson: Ich habe nicht nur Korrektur gelesen, das ist ein Missverständnis. Stieg und ich haben 32 Jahre zusammengelebt. Wir unterschieden nie zwischen «Stieg» und «Eva», das war in allen Lebensbereichen einfach nur ein «Wir», das alles umfasste: unseren Sprachgebrauch, unsere Werte, unsere Beobachtungen, alles.

Also auch die Arbeit an den Krimis?
Gabrielsson: Ich war aktiv beteiligt. Wenn ich heute in den Büchern lese, kann ich manchmal nur schwer unterscheiden, was ausschliesslich von Stieg war und was ausschliesslich von mir, das betrifft den Stil und den Inhalt. Es war eindeutig Stiegs Buch, aber es ging uns nie darum, wer von uns beiden was beigetragen hat. Das war nicht wichtig. Wir hatten ja keinen Schimmer, wie erfolgreich die Bücher sein würden.

Stieg Larssons Vater sagt, wenn Sie Mitverfasserin gewesen wären, hätte Ihr Name in dicken Buchstaben auf dem Umschlag gestanden. Warum traten Sie nicht als Co-Autorin auf?
Gabrielsson: Der einzige Grund, warum ich nicht mit auf dem Buchumschlag stehe, ist, dass Stieg und ich unsere Namen prinzipiell nicht zusammen genannt sehen wollten. Es war zu riskant. Wir hielten uns akribisch an die Trennung. Deshalb war auch nicht an Heirat zu denken, nie und nimmer! Nur mein Name stand an der Wohnungstür, alle Rechnungen gingen an mich. Stiegs Leben wurde von Rechtsextremen bedroht. Er stand auf bestimmten Rache-Listen ganz weit oben, weil er die (schwedischen) Nazi-Organisationen und deren Strukturen im Detail beschrieb.

Gab es konkrete Angriffe?
Gabrielsson: Nein, aber das war Zufall. Mehrere Male waren die in unserem Haus, aber sie wussten nicht, wo Stieg genau wohnte, bei dem knappen Dutzend Mietwohnungen. Mich gab es nicht im Zusammenhang mit ihm. Rechtsextreme nahmen damals an, dass Stieg homosexuell war. Immer wieder hatten sie unterschiedliche Männer als seine Partner in Verdacht. Wer weiss, hätten wir nicht so viele Vorsichtsmassnahmen getroffen, gäbe es heute die drei Bücher gar nicht. Die Nazi-Szene war sehr militant in Schweden, es gab einige Morde.

Hätten Sie die Kapazität, in einer anderen Situation, die «Millennium»-Serie fortzuschreiben? Viele Fans würden sich sicher sehr freuen.
Gabrielsson: Die Kapazität hätte ich mit Sicherheit, aber ob ich will, ist eine andere Frage. Noch einmal so viel Zeit in etwas investieren, bei dem andere Personen einem alles wegnehmen? Die Frage steht nicht zur Debatte, das sind unnötige Spekulationen.

Bisher sind drei Krimis erschienen, alle sind weltweit Bestseller geworden. Es heisst, es gebe einen vierten Teil, den Sie versteckt halten.
Gabrielsson: Ja, es gibt tatsächlich einen vierten Teil mit Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist. Er ist in Stiegs verschwundenem Macbook gespeichert. Es gibt darüber eine rechtliche Auseinandersetzung. Wo der Laptop jetzt ist, weiss ich nicht. Dieser vierte Teil ist nicht ganz fertig.

Haben Sie eine Vermutung, wo dieses Macbook sein könnte?
Gabrielsson: Es gab eine grosse Auseinandersetzung darüber. Ich kann nur sagen, ich weiss nicht, wo er ist.

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