«Intensives Spiel» und «flammendes Theater»: Das «Theater Junges M» verspricht für die aktuelle Aufführung von Shakespeares «Hamlet» viel. Es ist nicht das erste Mal, dass sich die dem Neuen Theater Dornach angehörige Gruppe an einen Klassiker wagt: Schon Werke von Nietzsche, Beckett oder Schiller wurden von Regisseurin Sandra Löwe mit Jugendlichen inszeniert. Kann das Jugendtheater diesen Erwartungen überhaupt gerecht werden?

Es kann, und das nicht zuletzt dank eines nach wie vor überzeugenden Stücks: Die Tötungsserie, die die Hauptfigur Hamlet aus Rache am Mord an seinem Vater startet, ist auch mehr als 400 Jahre nach ihrer Uraufführung noch spannend. Auch in dieser Inszenierung wird gnadenlos gemordet, und das ist gut so:

Nach eineinhalb Stunden poetischer Intrigen schafft die tragische Wende den nötigen Ausgleich. Bis zum grossen Gemetzel scheint der Inhalt der in ihrer Satzstruktur veralteten Sätze nämlich sowohl Publikum als auch Spielern zunehmend zu entgleiten.

Kraftvoll, aber gewöhnlich

Das, obwohl die einzelnen Darsteller mit ihrer klaren Artikulation und dem kraftvollen Spiel überzeugen: Insbesondere die zwei Hauptdarsteller Denis Wagner und Tobias Schaller, die für je eine Hälfte des Abends als Hamlet auf der Bühne stehen, spielen nuanciert. Auf beide trifft die Bezeichnung Laienschauspieler nicht zu:

Schaller hat eine Ausbildung an der Schule für Schauspiel Hamburg abgeschlossen, Wagner steht seit Jahren als Musiker und Schauspieler auf der Bühne verschiedener Basler Theater. Mit Ausstrahlung und Präsenz bilden sie den Kern der charismatischen Truppe.

Trotz dieser Leistung ist der Abend insgesamt etwas langwierig. Die Inszenierung von Sandra Löwe erinnert in ihrer Kombination aus blutrünstiger Handlung und düsterer Ästhetik unweigerlich an Fernsehserien wie «Game of Thrones». Sie bleibt nahe an der Textvorlage und wagt weniger, als das Programmheft ankündet.

So spielt das junge Ensemble ein durch und durch klassisches Stück: Bühne und Kostüme sind schwarz und schlicht, gemordet wird mit einem silbernen Schwert und das Licht wird nur spärlich eingesetzt.

Barockmusik hellt auf

Dabei sind es gerade die ungewöhnlichen Szenen, die interessant sind: Wenn Hamlet mit Zigarette und E-Bass auf die Bühne tritt und mit kraftvoll verzerrter Stimme sein Leid hinausschreit oder die Totengräberin plötzlich auf Schweizerdeutsch vor sich hin murmelt und ein Grab schaufelt, dann wird die Schwere des Werks aufgebrochen und mit Ironie versetzt.

Gelungen ist insbesondere die musikalische Komponente der Inszenierung: Spätestens, als die Darsteller unverhofft zum kleinen Chor werden und ein Lied des Barockkomponisten Henry Purcell singen, wird die Stimmung im Saal schaurig. Leider wird der Gesang nur selten und gar spät eingesetzt. Dem satte zweieinhalb Stunden dauernden Theaterabend hätte ein wenig mehr musikalische Spielerei gutgetan: Dann wäre auch die erste, äusserst textlastige Hälfte etwas abwechslungsreicher geworden.

«Hamlet», noch bis zum 22. April im Neuen Theater Dornach.