Seit 25 Jahren mit einmaliger Tanzsprache «en route»

Tanzcompagnie «Flamencos en route» bei der Probe von «caleidoscopio» in der Klosterkirche Königsfelden. Die Choreografie stammt von Brigitta Luisa Merki. (Bild: zg)

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Tanzcompagnie «Flamencos en route» bei der Probe von «caleidoscopio» in der Klosterkirche Königsfelden. Die Choreografie stammt von Brigitta Luisa Merki. (Bild: zg)

Musik, Tanz, Skulpturen und altes Gemäuer in Verbindung mit Licht verschmelzen ab dem 22. Mai in der Klosterkirche in Königsfelden zu einem immer wieder wandelbaren Ganzen. Es ist der Auftakt zum Jubiläumsjahr der Tanzcompagnie «Flamencos en route»

Susanne Hörth

Flamenco, das ist Leidenschaft in ihrer ganzen Form; umgesetzt in Tanz, Musik und Gesang. Und genau diese Leidenschaft lebt Brigitta Luisa Merki schon sehr lange sehr intensiv und genauso aktiv. Es ist eine Leidenschaft, die sie mit grosser Hartnäckigkeit, einem ebenso grossen Können und ausgesuchten Tänzern und Musikern seit vielen Jahren auch in der Schweiz zu verbreiten versteht. Vor 25 Jahren hat sie die Tanzcompagnie «Flamencos en route» ins Leben gerufen.

«Wir waren fünf Frauen, alle mit einer anderen Nationalität. Und es hat funktioniert», blickt die begeisterte Tänzerin und Choreografin in die Anfänge zurück. Für die künstlerische Leitung konnte sie damals ihre Lehrerin, die Tänzerin und Choreografin Susana und deren Ehemann den Komponisten Antonio Robledo gewinnen. 1994 übernahm Brigitta Luisa Merki selbst die künstlerische Leitung. Die enge Bindung zu Susana, mittlerweile 93 Jahre alt und Antonio Robledo, 85-jährig, ist bis heute bestehen geblieben.

Den wachsenden Erfolg der Tanzcompagnie erklärt Merki als eine organisch gewachsene Form der Weiterentwicklung. «Wir gehören heute schweizweit zu den wenigen Compagnien, die ununterbrochen produziert haben.» Dieses unermüdliche Schaffen präsentiert sich mittlerweile mit rund 20 Produktionen. Sie alle konnten jeweils ein grosses Publikum im In- wie auch im Ausland begeistern. 1999 erhielt Brigitta Luisa Merki den Aargauer Kulturpreis und 2004 wurde sie für ihr innovatives Wirken mit dem Hans-Reinhardt-Ring geehrt. Letzterer ist die höchste Auszeichnung im Schweizer Theaterschaffen. Das Atelier der Compagnie befindet sich in Baden.

Raum für Inspiration

Seit rund 20 Jahren wohnt Brigitta Luisa Merki in Oberhofen in einem wunderschön umgebauten Bauernhaus. Das von weiter Landschaft umgebene Wohfühlzuhause strahlt Ruhe, Harmonie, aber auch sehr viel Kreativität aus. Es bietet Raum für neue Inspirationen. "Hier bin Zuhause, fühle mich geborgen. Und hier bereite ich mich auch auf neue Produktionen vor. Lasse Ideen entstehen", so Merki. Die Arbeit mit der Tanzcompagnie ist auch immer mit vielen Reisen verbunden. Zudem erteilt die Fricktalerin im Ausland Tanzkurse.

Ihre ländliche Idylle gegen einen Wohnsitz ganz oder in die Nähe einer grossen Metropole zu verlegen, kommt für die Flamenco-Choreografin nicht in den Sinn. "Im Gegenteil, je älter ich werde, desto mehr brauche ich die Ruhe hier auf dem Land." Die Hektik, noch mehr der Druck, der beispielsweise in Madrid auf Flamencokünstlern lastet, spürt sie hier nicht. Sie muss sich bei ihren Choreographien nicht auf irgendwelche Modeströme einlassen. Vielmehr baut sie die andalusische Tradition des Flamencos kontinuierlich aus, lässt immer wieder neue Elemente einfliessen, ohne dabei aber die wichtige Ausdruckskraft des Flamencos aus dem Sinn zu verlieren.

«Flamenco ist wie ein Vokabular. gemeinsam mit den Tänzern und Musikern erfinden wir immer wieder neue Sätze, haben eine gemeinsame Grammatik. Damit schaffen wir die Ausgangslage», zeigt die Oberhofnerin einen wichtigen Teil ihrer Arbeit auf. Dass es im Team so gut funktioniert und «Flamencos en route» das Publikum mit den Produktionen berührt und begeistert, hängt unter anderem damit zusammen, dass sie selbst eine grossartige Flamenco-Tänzerin ist. Die Leidenschaft in ihren Tänzen wie auch in all ihren Choreografien liegt nicht zuletzt der eigenen Erfahrung zugrunde.

Jubiläumsjahr

Anlässlich des 25-Jahre-Jubiläum von «Flamencos en route» sind verschiedene Aktivitäten geplant. Auftakt dazu macht ein ganz spezielles Projekt, dessen erster Teil «resonancias»bereits vor zwei Jahren ein sehr grosses Publikum zu begeistern wusste. Die Herausforderung «Tanz und Kunst in Königsfelden» hat Brigitta Luisa Merki mit ihrer Truppe nun ein weiteres Mal angenommen. In der Klosterkirche Königsfelden wird das spartenübergreifende Tanzprojekt vom 22. Mai bis 14. Juni zu erleben sein. Dabei wird das ehrwürdige alte Gemäuer mit Tanz, Musik, dem Einbezug von sechs beweglichen Skulpturen der Bildhauerin Gillian White und einem räumlichen Lichtdesign zu einem Ganzen verschmelzen. Es wird gleich in zweifacher Hinsicht eine Feier in Form von Tanz und Kunst sein. Zum einen ist es der 25. Geburtstag von «Flamencos en route», zum anderen feiert die in Leibstadt wohnhafte Gillian White ihren 70. Geburtstag.

Tanz und Kunst Königsfelden

Der Tanzzyklus Tanz und Kunst Königsfelden wurde von der Fricktaler Choreografin ins Leben gerufen. Es geht darin um die Grundidee einer temporären Verwandlung des Kirchenraumes. Hier geht das Zusammenspiel der Skulpturen von White, den sechs Tänzerinnen und Tänzern und den ebenfalls sechs Musikern auf die gegebene Architektur ein und bildet ein ganzheitliches, in sich selbst immer wieder wandelbares Werk.

Ganz im Sinne vom Namen der Tanzkreation «Caleidoscopio» spielt auch das Licht eine wichtige Rolle. In verschiedenste Töne und Farben getaucht, werden die Besucher das Kirchenschiff, die Tänzer, Musiker und auch die Skulpturen in einer immer wieder neuen künstlerischen Konstellation erleben. Es entsteht ein faszinierendes Gefüge von magischen Bildern, raumfüllenden Klängen und Tönen: spannend, effektvoll, ineinander greifend, eben wie bei einem Blick durchs Kaleidoskop.

«Wir beginnen die Vorstellungen jeweils bewusst um 21 Uhr. Dann ist es draussen noch hell. Nach rund einer Stunde, wenn die Inszenierung zu Ende ist, und die Besucher die Kirche verlassen, ist es dunkel draussen», sagt Brigitta Luisa Merki. Lässt auch hier das Licht, in diesem Fall das natürliche, zu einem Teil einer Gesamtkomposition werden.

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