"Es gibt also gute Gründe, um Rückblick zu halten und das Eröffnungsfest gebührend zu feiern. Wir freuen uns auch darauf", hält Affolterns Gemeindepräsidentin Irene Enderli in ihrem Einstiegsreferat anlässlich der Ausstellungsvernissage in der Galerie am Marktplatz, Affoltern, fest. Dabei verhehlt die Präsidentin des Gemeindepräsidentenverbandes Bezirk Affoltern aber auch die Enttäuschung darüber nicht, dass der Kanton Zürich den Eröffnungsakt des Autobahn-Teilstücks durch das Knonauer Amt auf das absolut notwendige Minimum beschränkt. „Schade nur, dass die Verantwortlichen es nicht fertig gebracht haben, die Ämtler Gemeinderäte in Corpore zu diesem für sie zentralen Festakt einzuladen. Nur je eine Zweierdelegation aus den 14 Gemeinden darf dabei sein. Etwas gar schäbig, finden wir, und ein Dämpfer für diejenigen, die nun jahrelang den Kopf für die vielfach unzumutbare Verkehrsplage hinhalten mussten und von den Stimmbürgern kritisiert wurden. Dass in der Einladung für Gäste und Medienvertreter nicht einmal erwähnt wird, dass auch ein paar Sätze der regionalen Politik, allerdings nicht beim offiziellen Festakt, an die Gäste gerichtet werden dürfen, ist wohl nur noch das Pünktchen auf dem i."

Initiative der Regionalbibliothek

Geharnischte Worte, aber in Irene Enderlis Referat überwiegt klar die Freude. Einerseits die Befriedigung darüber, dass das umstrittene und umkämpfte Bauwerk nun, am 13. November 2009, eröffnet werden kann und dann für Entlastung in den verkehrsbelasteten Gemeinden des Bezirks Affoltern sorgen soll, andererseits die Begeisterung für die gelungene, sehenswerte Ausstellung in der Galerie am Marktplatz. „Für die Gemeinden des Knonauer Amtes ist dieser Freitag, der Dreizehnte, ein ganz entscheidender Markstein. Eine lange Geschichte voller Emotionen geht zu Ende, eine neue Ära beginnt. Was die Zukunft uns bringt, können wir nur erahnen. Was die Vergangenheit uns an Erinnerungen hinterlässt, kann man bis am Samstag, 14. November, in der von der Regionalbibliotheksleiterin initiierten und konzipierten Ausstellung in Dokumenten und Modellen nochmals Revue passieren lassen. Ich danke Ursula Grob ganz herzlich für ihr Engagement und die sinnige Gestaltung auf einer Zeitachse, die gegnerische und befürwortende Aktionen einander gegenüberstehend nochmals in unser Bewusstsein ruft."

Mit Akribie wurde das ausgestellte Material - jedes Dokument ein Zeitzeuge - aus verschiedenen Quellen zusammen getragen: Das Material der N4-Gegner, das in der Regionalbibliothek aufbewahrt wird, die Exponate der N4-Befürworter - sie lagern im Sammlungszentrum des Landesmuseums - und die verschiedenen weiteren Unterlagen von Privaten geben einen zusammenhängenden, runden Überblick über die Geschichte und das Ringen pro und contra N4/A4.

Aktive Unterstützung der „Autobahnfreien"

Freude über die gelungene Ausstellung schwingen auch in den von Hans Rudolf Haegi, Initiant, Mitgründer und Präsident der Arbeitsgruppe autobahnfreies Knonauer Amt, geäusserten Gedanken mit. Vor genau 33 ½ Jahren startete die Arbeitsgruppe mit einem Brief an Regierungsrat Jakob Stucki und einer politischen Abhandlung im Anzeiger ihre Bemühungen, das Knonaueramt autobahnfrei zu halten. „Die A4 ist auch ein Lehrstück in Demokratie, titelte die NZZ am letzten Montag, und genau, das ist sie", bestätigt Hans Rudolf Haegi. „Es erfüllt uns mit Freude, Genugtuung und auch ein wenig Stolz, dass unsere umfassende Arbeit Anerkennung gefunden hat, was sich gerade durch die Rücksichtnahme der Politiker, vorab in Bern, bezüglich der Linienführung ausdrückt." Und er freut sich, dass die seinerzeitige Logo-Idee der Arbeitsgruppe, der Schmetterling, heute als Logo der Standortförderung Knonauer Amt dient: „Er hat sich zwar um 90° nach rechts gedreht, was aber keine politische Aussage ist!"

Der Präsident der Arbeitsgruppe autobahnfreies Knonauer Amt betont dabei auch die aktive Unterstützung von Idee und Arbeit der „Autobahnfreien" durch zahlreiche Künstler, „welche es verstanden haben, unsere wichtigen Aussagen künstlerisch gut umzusetzen und ebenso klar wie unmissverständlich zu kommunizieren". Etliche dieser künstlerischen und fotografischen Arbeiten von H. U. Steger, Maschwanden, Lieni Hofmann, Mettmenstetten, Gerhard Frey, Affoltern a. A., oder dem St. Galler René Gilsi, Röbi Wyss, Luzern, sowie Brigitte Fries und Lis Suter, Zürich, sind denn auch in der bis 14. November dauernden Ausstellung in der Galerie am Marktplatz zu sehen.

„Unendlich lange Geschichte"

Alt-Nationalrat Rolf Hegetschweiler, Ottenbach, lässt in seinen begleitenden Worten zur Ausstellungsvernissage das Ringen um die N4/A4 aus der Sicht der Autobahn-Befürworter Revue passieren: „Mit der Eröffnung der N4 im November 2009 kommt ein Kapitel zu einem guten Abschluss, das mich in meiner politischen Laufbahn genau 30 Jahre lang begleitet und intensiv beschäftigt hat." Der Vizepräsident des Vereins Ja zu N4 durchs Knonaueramt spricht von einer unendlich langen Geschichte sowie von einer kämpferischen, interessanten Zeit: „Ich wurde 1979 in den Kantonsrat gewählt, das Teilstück Cham-Knonau war bereits einige Jahre fertig gestellt und weil damals angenommen wurde, der restliche Teil bis Birmensdorf werde in einigen Jahren auch fertig gestellt sein, verzichtete man damals mit Rücksicht auf die Ämtler Dörfer auf den Anschluss an die Kantonsstrasse und damit auf die Inbetriebnahme.

Genau 30 Jahre hat es nun gedauert, bis es soweit ist, und die Befriedigung ist gross, dass das Ganze nun zu einem guten Ergebnis führte und dass Gegner und Befürworter zwar hart kämpften, aber doch anständig miteinander umgehen konnten."

Für Hegetschweiler ist klar, dass „mit der Eröffnung ein Projekt zum Abschluss kommt, das von Anfang an zum Ziel hatte, die Dörfer des Knonaueramts vom unvermeidlichen Mehrverkehr zu entlasten. Das wird nach dem 13. November weitgehend nicht mehr der Fall sein und ich bin überzeugt, dass dann auch in der Nähe der Kantonsstrasse wieder gewohnt werden kann. Etwas, das in den vergangenen 20 Jahren immer mehr zu einer Zumutung wurde." Eine realistische Alternative zur Fertigstellung der N4 durch das Knonaueramt habe es nie gegeben, stellt er fest.

Freude herrscht - mit Vorbehalten

Verschwiegen wird trotz überwiegend grosser Befriedigung, dass die N4 nun dem Verkehr übergeben werden kann, rundum nicht, dass weiter ungelöste Situationen bestehen. Irene Enderli: „Es kann nicht beschönigt werden, dass nicht alle Probleme mit der Eröffnung der A4 gelöst sind." Sie erwähnt insbesondere die Zufahrt aus dem Kanton Aargau mit Umfahrungsstrassen von Obfelden und Ottenbach, bei denen heute noch nicht einmal alle Planungsarbeiten abgeschlossen sind, ebenso die flankierenden Massnahmen in den Dörfern, die erst nach der Autobahneröffnung verwirklicht werden, und den Siedlungsdruck auf die Region. Rolf Hegetschweiler dazu: „Leider hat es der Kanton Zürich sträflich vernachlässigt, bis zur bevorstehenden Eröffnung auch die flankierenden Massnahmen im Bezirk zeitgerecht zu planen und zu realisieren."

Genauso warnt Hans Rudolf Haegi davor, kommende Verkehrsprobleme ausblenden. „Die ‚Welt‘ und die Menschen neben der A4 gilt es vor allem zu beachten. Das wird genug zu schreiben geben in kommenden Jahren", ist er überzeugt.