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Scorpions: «Pension gibt es für einen Rocker nicht»

Nach 45 Jahren ist Schluss: Die deutsche Rockband Scorpions veröffentlicht ihr letztes Album und geht auf Abschiedstournee. Sänger Klaus Meine (61) über Aufhören mit Stil und ein Leben nach den Scorpions.

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«Pension gibt es für einen Rocker nicht»

«Pension gibt es für einen Rocker nicht»

Maria Künzli

Herr Meine, die Scorpions gehen bald auf Abschiedstournee. Wann kommt das Comeback?
Klaus Meine: Das hätte vor zehn Jahren kommen müssen. Jetzt ist es zu spät. Wir wollen diese Geschichte mit Style und Klasse beenden.

Ist Ihnen die Entscheidung aufzuhören schwer gefallen?
Meine: Es ist ein Entschluss, der gewachsen ist. Und wir haben gerechnet: 2010 ein neues Album, drei Jahre lang Konzerte geben... Puh! Wir sind eine Hardrockband und wollen nicht drei Gänge runterschalten müssen. Deshalb hören wir auf, solange wir noch fit sind.

Wie tönt das letzte Album?
Meine: Musik, die frisch nach vorne losrockt – und auch ein paar Balladen. Ich glaube, dass auch der eine oder andere zukünftige Klassiker dabei ist.

Was werden Sie nach der dreijährigen Tournee als Erstes tun?
Meine: Tief Luft holen. Nein, es gibt noch keine konkreten Pläne. Die Scorpions hatten in meinem Leben immer Priorität, und jetzt gilt es erst mal, das letzte Album an den Start zu bringen.

Werden Sie sich ganz aus dem Musikgeschäft zurückziehen?
Meine: Auf den Golfplätzen dieser Welt wird man mich jedenfalls nie sehen (lacht). Ich werde sicher weiterhin als Songwriter tätig sein.

Sie wollen nicht mit Pantoffeln und Chips zu Hause auf dem Sofa sitzen und ihre Pension geniessen?
Meine: Pension ist ein Begriff, der im Vokabular eines Rock-’n’-Rollers nicht existiert.

Können Sie sich nach über 40 Jahren überhaupt ein Leben ohne die Scorpions vorstellen?
Meine: Im Moment fällt mir das ehrlich gesagt schwer. Es fühlt sich noch nicht nach Abschied an. Wenn wir in drei Jahren wirklich das End of the Road erreicht haben werden, wird es sicherlich sehr emotional sein.

Kann Rockmusik die Welt verändern?
Meine: Das hat «Wind of Change» gezeigt. Ich will es nicht überbewerten, denke aber, dass Rockmusik eine grosse Rolle gespielt hat am Ende des Kalten Krieges. Die Welt veränderte sich damals vor unseren Augen, als wir 1988 in Leningrad und 1989 in Moskau gespielt haben. Unsere Musik gab vielen jungen Leuten Hoffnung.

Werden Sie sich «Wind of Change» nach dem Ende von Scorpions je wieder anhören?
Meine: Ich werde wohl nicht drum herumkommen – der Song läuft ja dauernd im Radio (lacht).

CD Scorpions: Sting in the Tail. Sony 2010

Konzert in der Schweiz: 15. Mai, Long’I’Rock Open Air, Longirod VD.

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