Von Jürg Krebs

Schummrig ist es in den vier wenige Quadratmeter grossen Räumen unter der Erde. Feucht auch und kühl. Die meterdicken Betonmauern erzeugen ein beklemmendes Gefühl. Und doch sind einige Interessierte am gestrigen Nationalfeiertag gekommen, um in Dietikon den Bunker Bertastrasse aus dem Zweiten Weltkrieg einmal hautnah erleben zu können; fühlen, wie es sein könnte, in Erwartung des Feindes in einem Gefechtsstand am Maschinengewehr zu stehen - und zu warten.

Die Erinnerung an jene Tage ist gerade so aktuell wie seit Jahren nicht mehr: Die Schweiz gedenkt des Kriegsausbruchs vor 70 Jahren, der Generalmobilmachung im Land und - dank dem Schweizer Fernsehen und ihrer Sendung «Alpenfestung - Leben im Réduit» - des Wehrwillens und der Anbauschlacht.

Der Zweite Weltkrieg ist in Dietikon durchaus noch greifbar, zumindest was davon übrig ist. Aber man muss wissen, wo suchen. Wie der unter Bäumen versteckte Bunker Bertastrasse hinter dem Schulhaus Zentral gibt es im Bezirkshauptort noch ein paar andere bauliche Relikte aus jener Zeit. Weil das, was greifbar ist, auch gezeigt werden soll, brütet die Kommission für Heimatkunde im Ortsmuseum über der Idee eines eigentlichen Bunkerweges, einer Tour durch die verbliebenen Bunkeranlagen im Ort. Nicht um jene Zeit zu verherrlichen, wie Kommissionsmitglied Dora Müller am Rande der gestrigen Besichtigung sagt, sondern um eine einschneidende Zeit im Gedächtnis zu behalten.

Diese umfassen eine Soldatenpuppe an der Schiessscharte, das Maschinengewehr im Anschlag, ein LMG 25. Im Kerzenschein werden die Besucher Gruppenweise durch den kleinen Bunker geleitet. Klaus Guhl, neben Arthur Müller und Walter Zürcher einer der Führer am gestrigen Tag, erklärt ihnen Sinn und Zweck und die Bedeutung der Örtlichkeit als Teil der Festung Dietikon.

Die Festung Dietikon wurde 1939/40 in aller Eile aus dem Boden gestampft. General Guisan besichtigte sie zweimal höchstpersönlich. Die Anlage im Stadtzentrum zwischen Zentralschulhaus und Kirchplatz umfasste zu Kriegszeiten insgesamt sieben Bunker und 900 Meter Festungsmauer. Unter der Führung von Oberst Alfred Roduner (1885 bis 1969) standen 500 Mann Besatzung. 27 Maschinengewehre waren in Stellung gebracht. Insgesamt waren bei einer Bevölkerung von 6200 Einwohnern jedoch 5200 Soldaten in Dietikon stationiert - eine grosse Bürde für die Gemeinschaft.
Die Festung Dietikon war Teil der so genannten Limmatstellung und diese wiederum Teil einer Verteidigungslinie, die sich von Basel bis nach Sargans durchs Mittelland schlängelte und ein bedeutendes Zahnrad in der Maschinerie der Schweizer Landesverteidigung war - bevor sich die Armee Mitte 1940 ins Réduit, die Alpenfestung, zurückzog. Nach dem Krieg wurden die Dietiker Stellungen teilweise geschleift. Nicht vollständig jedoch. Die Dietiker waren findig und konnten den Bund dazu überreden, einen Teil des Geldes, statt in den Rückbau der Verteidigungsanlage zu stecken, für den Aufbau der Badi zu verwenden.

Die Besucher staunen, fragen, sind an Details interessiert. Eine Besucherin erinnert sich: «Als Kind habe ich die vielen Soldaten zwar wahrgenommen, wusste aber nicht, warum sie in Dietikon sind.» Ein anderer Besucher, ein Aktivdienstler, sinniert über die Wirksamkeit der hau ruck erstellten Anlage, hätte Hitlers modernste Armee tatsächlich angegriffen. Und Arthur Müller meint: «Es stimmt in etwa, was man in der Réduit-Sendung sieht.»

Weitere Anlagen befinden sich noch heute in Dietikon selbst, aber auch darum herum. Wenn möglich sollen sie für Besichtigungen authentisch hergerichtet werden, wie Walter Zürcher sagt. Als Nächstes ist jene beim Schulhaus Wolfsmatt dran. Und so könnte bis in einem Jahr oder etwas mehr eben ein ganzer Bunkerweg abgeschritten werden, Erläuterungen der Heimatkundler inklusive.