Carlos Santana

«Schweizer sind ursprünglich und echt»

Carlos Santana ist ein Romantiker: Im Juli machte er Cindy Blackman auf der Bühne einen Antrag. Foto: ZVG

Carlos Santana ist ein Romantiker: Im Juli machte er Cindy Blackman auf der Bühne einen Antrag. Foto: ZVG

Der 63-Jährige Musiker Carlos Santana über seine Gitarrensoli, seine neue CD und sein Konzert in Zürich.

Kürzlich wurden Sie von Joe Cocker als einer der letzten echten Hippies im Musikbusiness bezeichnet. Stimmt das?

Carlos Santana:Oh, er hat total recht: Im Grunde meines Herzens leuchtet immer noch der Regenbogen. Da ich finde, dass wir Überlebenden uns auf die alten Werte der Love-&-Peace-Bewegung besinnen und das verlöschende Feuer neu entfachen sollten, will ich das Gerücht verbreiten, dass Joe, Richie Havens und Joan Baez, wenn ich sie dafür gewinnen kann, nächstes Jahr mit mir in Woodstock ein Konzert geben werden.

Was bedeutet der Ort für Sie?

Es war ein Manifest für Liebe und Frieden. Leider ist John Lennons Vision von einer Welt, in der es im Nahen und Mittleren Osten oder innerhalb der Familien keinen Krieg mehr gibt, 40 Jahre später immer noch nicht Realität geworden.

Sie drücken den Rockklassikern auf Ihrer neuen CD «Guitar Heaven» mit den Gitarrensoli Ihren Stempel auf, gehen aber nicht krampfhaft auf Distanz zu den Originalen.

«Ganz vertraut und dennoch neu» – so lautete das Motto. Hören Sie sich «Back In Black» an: Da weiss man sofort, dass der Song von AC/DC stammt, aber wir spielen ihn mit einer komplett anderen Energie.

Wie viel Arbeit und Improvisation stecken in einem Solo wie auf dem von Cocker gesungenen «Little Wing»?

Zuerst habe ich mir zu Hause eine halbe Stunde lang verschiedene Aufnahmen dieses Hendrix-Songs angehört. Als ich den Kern begriffen zu haben glaubte, ging ich ins Studio und versuchte mir keine grossen Gedanken mehr darüber zu machen. Essenziell ist das Vertrauen, dass die Finger das Richtige machen und das Falsche unterlassen werden, wenn es darauf ankommt.

Wie funktioniert die Kommunikation mit Ihrer Lebensgefährtin Cindy Blackman, die auch Musikerin ist?

Ich habe enormen Respekt vor Cindy, die bei Jazz-Grössen wie Art Blakey und Jack DeJohnette gelernt und ein Leben lang hart gearbeitet hat, um es in die Spitzengruppe der Schlagzeuger-Weltrangliste zu schaffen. Ich plane, mit ihr, Wayne Shorter und Herbie Hancock ein Album aufzunehmen, auf der wir unsere Rollen tauschen. Ich möchte Cindy animieren, mehr melodisch zu denken, und ich werde mich bemühen, mehr in Rhythmen zu denken.

Sie haben ihr vor kurzem auf der Bühne einen Heiratsantrag gemacht. Wie würden Sie Cindy charakterisieren?

Sie ist nicht süss. Cindy ist ein schwarzer Panther, eine Kriegerin, der Bruce Lee des Schlagzeugs! Ich habe das schon erkannt, als ich sie zum ersten Mal live erlebte, und verstand nicht, weshalb ihr Lenny Kravitz in seiner Band Handschellen anlegte und sie in einen Käfig steckte. Meine Musiker dürfen ihr hässliches Gesicht zeigen, wenn sie dafür schöne Töne erzeugen! (Lacht)

Was würden Sie Ihr von Zürich zeigen, falls Sie zu Ihrem Auftritt im Hallenstadion anreist?

Die Schweizer sind ursprünglich und echt, euer Land ist sauber. Die Leute scheinen einen grösseren Sinn fürs Teilen zu haben. All das Schöne auf der Welt könnte man auch auf Amerika übertragen, wenn es nur zu lernen bereit wäre, was Aufrichtigkeit und Würde bedeuten.

Santana Guitar Heaven – The Greatest Guitar Classic Of All The Time. Sony Music. Live: 9. Oktober, HallenstadionZürich

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