Design Preis Schweiz

Schweizer Design Jahrgang 2009: solide

Eines der Gewinner-Objekte des diesjährigen Design Preis Schweiz, der in Langenthal verliehen wurde, ist typisch schweizerisch: der Mehrzwecktransporter Aebi VT 450. Ein Signal dafür, wohin Schweizer Design geht?

Von Fränzi Rütti-Saner (Text) und Urs Lindt (Bilder)

«Ein guter Jahrgang», urteilt der Designer Konstantin Grcic, der bereits zum zweiten Mal in der international besetzten Jury des Design Preis Schweiz mitmacht. Meint er damit «ein solider Jahrgang»? Beim Rundgang durch die soeben eröffnete Ausstellung mit den nominierten Objekten in der ehemaligen Ruckstuhl-Halle in Langenthal bekommt man diesen Eindruck. Keine üppigen, verschwenderischen Stücke, doch viel solide, oft sparsam und gut gedachte Designarbeit. Zum Beispiel die extrem flach zusammenlegbaren Brillen sowie das raum- und materialsparende Bettgestell oder Ausstellungsregal.

Mehr Eingaben als im vergangenen Jahr gelangten 2009 an die Nominationsgremien, diese schlugen aber zehn Prozent weniger Objekte der Jury vor. Je 50 Prozent wurden in den Kategorien Market und Newcomer juriert. Es fällt auf, dass etliche junge Schweizer Designer der Kategorie Newcomer im Ausland arbeiten, sich vielfach gar schon einen Namen gemacht haben.

Sehr gut vertreten in diesem Jahr ist die Kategorie Textil, auffallend auch in der Ausstellung mit vielen jungen Modedesigns oder Neuschöpfungen von Materialien. Auch im Bereich Communication Design ist einiges zu entdecken, doch eignet sich dieser Bereich zur Ausstellung nur bedingt, da diese Designs meist mittels Mac-Station vermittelt werden müssen. Für den «guten Geist» des Design Preises Schweiz, Kuratorin Heidi Wegener, ist diese Ausgabe die letzte nach acht Jahren kontinuierlicher Arbeit. Sie ist sehr zufrieden mit dem Jahrgang 2009 und meinte: «Ein schönes Abschiedsgeschenk».

Nach der Vernissage im depot for design am Freitagabend versammelte sich die Design-Gilde in der stilvoll dekorierten Langenthaler Markthalle, wo üblicherweise Kälber verkauft werden, zur eigentlichen Preisverleihung. «Kultur-Platz»-Moderatorin Nicole Salathé führte charmant durch den Abend und stellte die jeweiligen Kategoriensieger vor.

In der Kategorie Market, die mit 35 000 Franken dotiert ist, konnte Paolo Fancelli mit dem Mehrzwecktransporter Aebi VT 450 den ersten Preis erzielen. «Die Kabinengestaltung beeindruckt vor allem durch ihre Angemessenheit und ihre funktional begründete Direktheit», urteilte die Jury. Den Preis der Kategorie Newcomer wurde Colin Schaelli für das Regalsystem V30 Freitag Skid, mit ebenfalls 35 000 Franken, zugesprochen. «Das Regal überzeugt durch seine Materialökonomie», so der Jurybericht. Der Textile Design Award Swiss Textiles & Zumsteg Foundation ging an zwei Objekte und ihre Schöpfer, die mit je 50 000 Franken ausgezeichnet wurden: An Martin Leuthold für den Stoff Secret Garden, der «durch technische Perfektion seinen spektakulären Zauber erzielt», und an das Team der Schoeller Technologies AG für die Entwicklung der Faser Coldblack, die eine zweifache Schutzfunktion ausübt. Den Rado Product Design Award erhielten Thomas Schaad und das No Picnic Team für das portable DJ-Set «Peacemaker». «Eine logische Konsequenz aus der Erfindung des MP3-Players», so die Jury. Die Auszeichnung für eine kontinuierliche schweizerische Designleistung, der so genannte Merit, wurde Albert Kriemler, Designer und Mitinhaber der St. Galler Modefirma Akris, zugesprochen.

Ausstellung: depot for design, Mühleweg 14, Langenthal. 7. November - 20. Dezember. Öffnungszeiten: Mi-So, 15-19 Uhr.

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