2008 regte Franz Hohler an, Urs Widmer für den Nobelpreis vorzuschlagen. Der Deutschschweizer PEN-Club hat das dann auch offiziell getan. "Verdient hätte er ihn, ebenso wie Dürrenmatt und Frisch", sagte der Schriftsteller und Kabarettist am Donnerstag nach Bekanntwerden von Widmers Tod.

"Urs Widmer war einer unserer grossen Fabulierer. Er hat die Wirklichkeit ständig umgebaut und als Kulisse für seine Geschichten zurechtgerückt, die so oft ins Surreale übergingen und uns sachte den Boden unter den Füssen weggezogen haben", charakterisierte Hohler gegenüber der Widmers Schaffen.

"Hinter unserer ersten Welt liess er eine zweite Welt entstehen, die Welt der Phantasie, und die reichte bis an den Rand des Universums."

Die Nordwestschweiz bat einige Schrifsteller zu kurzen Statements zu Urs Widmer.

Martin R. Dean, Schriftsteller, Basel:

"Das letzte, was ich von ihm las, seine Lebenserinnerungen, verwandelt sich mit dieser bestürzenden Nachricht von seinem Tod in ein Vermächtnis. Was ich an Urs Widmer besonders schätzte, war die Fallhöhe zwischen seinem Humor und der Tragik des Lebens, die er mit jenem bewältigte. Am stärksten aber ist mir sein Theaterstück „Top Dogs" in Erinnerung geblieben. Es zeigt Menschen, die unter der rigorosen Fuchtel des Renditedenkens zu Monstern werden. Ein starkes Stück Kapitalismuskritik, bis heute unübertroffen."

Alain Claude Sulzer, Schriftsteller, Basel und Berlin:

"Urs Widmer war einer der Autoren, auf den ich als Leser immer wieder mit freudiger Erregung zurückkam, weil er Bücher schrieb, die auch ich gern geschrieben hätte, wenngleich ich sie ganz anders geschrieben hätte als er. Den «blauen Syphon» etwa. Die «Provinz», aus der wir kommen - er wie ich haben einen Teil unserer Kindheit in Riehen verbracht -, verlor bei ihm an Schwere und wurde Welt. Er könne nicht scannen, nur schreddern, sagte er einmal zu mir. Ob er das metaphorisch meinte?"

Thomas Meyer, Schriftsteller, Zürich:

"Urs Widmers Name begegnete mir früh, er prangte auf den Diogenes-Büchern, die ich als Jugendlicher las und die zu jenen Büchern gehörten, die ich selbst aussuchte und die mir kein Lehrplan vorschrieb (obwohl er müsste). In besonders lebhafter und schöner Erinnerung habe ich »Im Kongo«. Andere waren mir weniger zugänglich, ich war zu jung. Mit Urs Widmer verliert die Schweiz jemanden, der viel über sie wusste. Gut, hat er es aufgeschrieben. Danke."

Silvia Tschui Schriftstellerin, Kilchberg:

Die «Welt», schrieb Urs Widmer einst, «war einmal schön». Daran war müsse man als Schriftsteller erinnern. Und tatsächlich war die Welt eine schöne, als man sich im Publikum bei «Top Dogs» an den gelachten Tränen verschluckte. Als uns ein kluger Mann gleichzeitig amüsierte und ins Gewissen redete. Und obwohl, wie Urs Widmer schrieb, der «Tod der Skandal allen Lebens bleibt», ist die Welt immer noch schön. Weil Menschen wie Urs Widmer sie uns zeigen. Weil man Stimmen wie die von Urs Widmer trotz dieses unfassbaren Skandals immer noch nachlesen kann. Danke, Urs Widmer. (nch/sda)