Ausstellung

Salts in Birsfelden: Erlebnisse mit Erforschungscharakter

Der Ausstellungsraum Salts bekommt nach zehn Jahren eine neue Ausrichtung. Und vorübergehend einen Hund als Kurator.

Betritt man den Wassertank im Garten des Ausstellungsraums Salts, sieht man als erstes eine tierische Rücken­ansicht. Von vorne betrachtet entpuppt sich die Skulptur als ein Mischwesen: Ein menschliches Gesicht scheint im Hundekörper gefangen. Das passt, denn die Gruppenausstellung «Based on a True Story» wurde von Boh, dem Hund der Amerikanerin Cassidy Toner, mitkuratiert.

«Irgendwann fing der Mensch an, Hunde wie Ton zu modellieren. Man dehnte sie aus, liess sie schrumpfen, drückte ihnen die Nasen ein und bemalte sie mit Flecken,» erklärt Kuratorin Toner den kultur­geschichtlichen Wandel. Neben diesem Kunstwerk von Tobias Spichtig, werden unter anderem auch gefüllte Hundekotbeutel von Valentina Minnig und fotografische Makroaufnahmen aus dem Blickwinkel eines Tieres von Raphael Linsi gezeigt.

Der runde Holzbau ist nur eine der Ausstellungsflächen, die Salts an der Grenze zu Basel in Birsfelden bietet. Beim Hauptgebäude handelt es sich um eine ehemalige Metzgerei die Samuel Leuenberger geerbt hat und zunächst auch bewohnte. 2009 eröffnete er einen Projektraum in Form eines privaten Salons. Kunst entstand im Kontext des Alltags, öffentliche Veranstaltungen vermischten sich mit dem Privaten. Zwei Jahre später wurde der Salts Kunst­verein gegründet.

Metzgerei, Garage, Pavillon und Box als Räume

Auch wenn Samuel Leuenberger aus der ehemaligen Metzgerei weggezogen ist, ist der Raum für Kunstschaffende noch heute eine willkommene Bleibe. Mit den Jahren hinzugekommen ist die umgebaute Garage, ein bunter Pavillon aus dem Werk der venezolanischen Künstlerin Sol Calero und eine weisse Box, die ebenfalls mit Kunst bespielt werden.

«Oberste Priorität hat die Qualität des Kunstwerks», erklärt Leuenberger, der von Anfang an selbst kuratiert hat. Von 2014 bis 2019 prägte Elise Lammer als Co-Kuratorin im Salts das Ausstellungsformat mit. «Meist trifft hier eine nationale auf eine internationale künstlerische Position. Wir zeigen Kunstschaffende, die sich thematisch ergänzen und sich vor dem grossen Durchbruch befinden. So sind wir als Raum bei einem sehr wichtigen Moment dabei,» betont der gebürtige Basler.

Leuenbergers Professiona­lität basiert auf vielen kuratorischen Erfahrungen an international renommierten Kunst­institutionen. Als Dozent an der Zürcher Hochschule der Künste, verantwortlicher Kurator des Art Basel Parcours und Mitglied der Kommission des Kunstkredits Basel-Stadt hat er sowohl die junge als auch die etablierte Kunstszene geprägt.

Salts fungiert als eine Vernetzungsplattform, die international Netze spinnt und regelmässig mit anderen Ausstellungsräumen und Kuratorinnen aus der ganzen Welt kollaboriert. Trotz dem bewährtem Konzept möchte Salts neue Wege beschreiten, denn «es ist wichtig, dass wir die Plattform immer wieder neu definieren und man den gewohnten Rhythmus sprengt», erläutert Kurator Leuenberger. Nach sehr aufwendig produzierten Ausstellungen in den vergangenen zehn Jahren wechselt mit dem neuen Co-­Kurator Benedikt Wyss der Fokus. Kunst soll mit zwei neuen Projekten verstärkt zu einem Begegnungs- und Austauschort werden.

Aufgefallen ist Benedikt Wyss mit Projekten wie dem «Social Muscle Club» oder «Draisinenrennen», wo er unterschiedlichste Akteure in spartenübergreifenden Kunstevents zusammenzubringen wusste: «Begegnung ist vor allem dann spannend, wenn verschiedene Filterblasen aufeinander treffen. Nur im eigenen Kreis zu bleiben, finde ich langweilig,» erläutert Wyss seine Motivation.

City Salts, Country Salts, ein Camp und ein Game

Der bisherige Ausstellungsraum in Birsfelden wird in City Salts umbenannt. Hinzu kommt das Country Salts, wo themenspezifische Gruppenausstellungen und Workshops in Bezug zu ­Natur und Ökologie in Baselbiet organisiert werden. Der erste Event im Country Salts ist das in Bennwil stattfindende drei­tägige «Camp Solong» (ab 28.August; Anmeldung via Homepage), welches den Community-­Charakter gezielt in den Vordergrund rückt. «Unsere Gäste erforschen gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern alternative Lebensformen in spielerischer Verbundenheit mit der Natur», beschreibt Benedikt Wyss das Ziel des Zusammenkommens.

Das zweite Vorhaben ist während der Coronakrise entstanden und soll sich als «Cyber Salts» vom bestehenden virtuellen Kunstvermittlungsangebot abheben. Die Besucher kommunizieren im virtuellen Ausstellungsraum miteinander. «Das technisch Aufwendigste an diesem Projekt ist, ein bedeut­sames Kunsterlebnis mit komplexen sozialen Interaktionen zu bieten, in das man sich ohne Downloads jederzeit einloggen kann,» erklärt Wyss die Idee.

Salts entwickelt das Game mit einem Basler 3D-Designer und einer Stuttgarter Digitalagentur, die letztlich auch für die praktische Umsetzung verantwortlich ist. Hürden blickt Benedikt Wyss positiv entgegen: «Cyber Salts ist eine grosse Herausforderung. Noch arbeiten alle ehrenamtlich, Sitzungen finden abends in der Freizeit statt. Das wiederum funktioniert nur, weil alle so überzeugt sind von der Wichtigkeit dieses Projekts.»

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