Buch Bühne Kunst

Salfefeni und Wörter von Schnee: Claudia Storz über seltene Mundart und dem Unterschied zwischen Koffein und Marihuana

Claudia Storz. (Bild: Britta Gut)

Claudia Storz. (Bild: Britta Gut)

Von Mundart zu Literatur inspiriert: In diesem Teil der Aargauer Mundartserie erzählt Claudia Storz von lustigen Begebenheiten mit ihren Grosskindern.

D Lexika sind Fundgruebe. Mer cha ine­ne läse wie imene Telifonbuech und sich Gschichte und Mönsche vorschtelle. Trotzdem hani sicher 20 Lexika weggheit bim Zügle, mer bruucht die Schüngge eigetlich nümm körperlich, nur no digital!

Weles Wort kenn ich ned? (und kennt mer ned emol i Chüttige?) Salfefeni isch für mich s schwierigschte Wort im neue Aargauer Lexikon, (wo i dem Johr digital use cho isch). Es tönt gheimnisvoll und fremd. Mer sägi das Wort bi de Puure im Suhretal, under de Tür, we mer in en fremde Schtall göng. Salfefeni isch sicher alt, chonnt us em Latinische (salve!) und bringt Heil in Schtall!

Wörter und ihri Bedütige. D Linguistik het mi immer fasziniert, so, dass ich mini Dissertation drüber gschribe ha. Mini liebe Familiechind han i au drumm so vermisst währed de Covid-19-Quarantäne, wäg ihrne schöne Wörter!

«I wett mit dir go Amulett sueche uf de Staffelegg», het de sibejöhrig Cayun gseit, «weisch mit em Hammer.»

«Amulett sueche?»

«Jo, weisch a dem Schteibruch, det hämmer scho mol Amulett usegschlage.»

Jetzt chunnts mer in Sinn, du meinsch Ammonite?

«Chumm use, de Schnee isch ganz chnuschprig», het mis Chind grüeft, «me wett en am liebschte ässe!» Und de Antu het gseit: «Im Schtriitegässli liit de Spider Man am Bode.»

«De Spider Man? imene Comic?»

«Nei us Silber, het de Chli gmacht, uf ere Tole druf.»

Mer sind zäme hi und er het mer zeigt, was für schöni Zeichnige es z Aarau uf einzelne Toleteckel het: Muschter mit silbrige Schpinnenetz!

Di Elfjöhrig het zu de Serviertochter gseit: «Händ si Goggi ohni Cannabis drin, ich wirde susch zablig.»

D Serviertochter het ärnscht gschtutzt.

«Sie meint: Chindergoggi, Cola ohni Koffein», han ich erklärt.

«Was isch de Underschied zwüsche Cannabis und Koffein?», het denn die Chli gfrogt.

Won ich a de Uni gsi bin, het mer gseit, d Inuit-Eskimo heged 30 Wörter für Schnee, d Hopi Indianer aber kes einzigs. (Underdesse isch aber die linguis­chtischi These relativiert worde. Mer het de Profässer Benjamin Whorf falsch interpretiert gha. Schön isch Gschicht trotzdem.)

Ich bi dozumol schnäll is Maderanertal gfahre, wos di gröschte Lawine git und

jedi ihre eigene Name het: d Brischtelaui, d Widderlaui und d Äntlechlau, (will si immer als Allerletschti chunnt). Und ich ha alti Lüüt nach Wörter für Schnee gfrogt. Schnee, Pulver, Firn, Harscht, Sulz, Pflüder, Guxete… – Siebe Wörter, ned schlächt. Und was isch Guxete? Uf Urnertüütsch: chläbrige Schneeräge, nasse Pflüder, wo dir im Wind waagrecht entgäge flügt, dich dur d Chleider bis uf d Chnoche ie chältet. D Ängländer händ 30 Wörter für Lache: Smirk, chuckle, giggle… Mier säged: grinse, lächle, gigele – mis Lieblingswort isch gigele!

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