Literatur

Romanautorin Han Suyin im Alter von 95 Jahren gestorben

Han Suyin während einer Lesung im Jahre 1972 in Zürich (Archiv)

Han Suyin während einer Lesung im Jahre 1972 in Zürich (Archiv)

Die chinesische Autorin Han Suyin ist am Freitag an ihrem Wohnort Lausanne im Alter von 95 Jahren verstorben. Ihre Romane und Essays, sowie ihr bewegender Lebensweg haben sie weltberühmt gemacht.

Als Tochter eines chinesischen Ingenieurs und einer belgischen Intellektuellen 1917 in Nordchina geboren, erhielt Rosalie Chow - so ihr Geburtsname - eine europäische Ausbildung und lernte erst mit 15 Jahren Chinesisch. Sie studierte Medizin in China, Belgien und Grossbritannien und arbeitete als Hebamme und Kinderärztin.

Später leitete sie eine Klinik in Singapur. Während ihrer ersten Ehe mit einem in London stationierten chinesischen Diplomaten wandte sich Han Suyin dem Schreiben zu, wobei sie im Laufe ihrer Karriere Werke auf Chinesisch, Englisch und Französisch verfasste.

Ihr Debüt gab Han Suyin mit dem Roman "Manches Jahr bin ich gewandert", der 1943 erschien. Der 1952 publizierte Roman "Alle Herrlichkeit auf Erden" wurde drei Jahre später verfilmt.

Mit dem Regime in Peking gebrochen

Hauptwerk der Autorin ist eine Autobiographie in fünf Bänden: "Der grosse Traum", "Die Blume Erinnerung", "Zwischen zwei Sonnen. Erinnerungen eines Jahrzehnts", "Mein Haus, das hat zwei Türen" und "Die Ernte des Phönix" (1964- 1979). Ausserdem schrieb sie etwa auch eine Biographie über Mao und eine Studie über Tibet.

Han Suyin, die einer der ältesten chinesischen Familien entstammt, fühlte sich der Heimat ihres Vaters sehr verbunden. Sie war ursprünglich eine Anhängerin des Maoismus, gehörte allerdings nie der kommunistischen Partei an und brach nach der blutigen Kulturrevolution (1966-1976) mit dem Regime in Peking.

Nach dem Tode ihres ersten Mannes war sie einige Jahre mit dem britischen Offizier Leon F. Comber verheiratet. Mit ihrem dritten Mann, dem indischen Offizier Vincent Ratnaswamy, liess sich Han Suyin nach Jahrzehnten zahlreicher Ortswechsel in Lausanne nieder.

Gotte von Saint-Pierre-de-Clages

Das Leben im Waadtland inspirierte sie beim Schreiben des Romans "Zauberstadt" (1985). Gerne verglich sie die asiatische Höflichkeit mit jener der Schweizer - und stellte erfreut fest, dass sich die Kontrolleure der SBB bei jedem Passagier, der sein Billett vorweist, freundlich bedanken.

Han Suyin fungierte auch als Gotte des Walliser Weilers Saint-Pierre-de-Clages, einem Ortsteil der Gemeinde Chamoson, der als einziges Schweizer Bücherdorf mit zahlreichen Antiquariaten bekannt ist. Die verstorbene Schriftstellerin wird am Donnerstag in Lausanne beigesetzt.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1