Andrea Marthaler

Das Handy bleibt in der Tasche, die Zigarette am besten gleich zu Hause. Wenn im nächsten Jahr das Schloss Liebegg in seine Gründungszeit zurückreist, muss vieles aus der heutigen Zeit weichen. Statt Glace gibt es für Schleckmäuler Süssigkeiten mit Honig und auch Cola wird auf dem Festgelände nirgends zu finden sein.

Die Organisatorin Sabine Grossrieder will alles möglichst authentisch haben. Bereits 2007 führte sie das mittelalterliche Burgspektakel auf Schloss Regensberg durch. Mit ihren damals gewonnenen Erfahrungen möchte sie auf Schloss Liebegg ein weiteres Mittelalterfest durchführen. Sie erwartet an den drei Tagen über 10 000 Besucher. Magnus Würth, Präsident des Vereins Schloss Liebegg, freut sich auf das Fest: «Das Schloss ist geeignet für so einen Anlass.»

Gericht, Bettler und Aussätzige

Das mittelalterliche Fest auf Schloss Liebegg soll alle Bereiche des Lebens im Mittelalter abdecken. Neben kulinarischen Angeboten und einem Markt zeigen Handwerker ursprüngliche Verfahren wie die Ziegelherstellung oder den Steinabbau. In den Gassen werden Theatergruppen spontane Inszenierungen aufführen, Gaukler unterhalten die Besucher und Minnesänger singen Lieder aus längst vergangener Zeit. Vor den Toren des Schlosses stellt die Company of Saynt George ihr Heerlager auf und gibt einen Einblick in den mittelalterlichen Alltag.

Festbesucher werden direkt in die mittelalterlichen Bräuche einbezogen. So bezahlen sie beim Betreten des Geländes einen Wegzoll, der den Eintritt ersetzt. Laustanten suchen auf den Köpfen von Kindern nach Läusen und Wahrsagerinnen lesen in den Händen die Zukunft. Auch die dunklen Seiten des Mittelalters gehen nicht vergessen. Das Gericht, Wettkämpfe und ein nachgebautes Katapult sind ebenso Teil des Festes wie Bettler und Aussätzige.

Für eine Einbettung in die Geschichte sorgt eine Ausstellung der Uni Bern mit Fundgegenständen wie falsch zusammengewachsenen Knochen oder Zähnen mit zwei Zentimeter dickem Zahnbelag.