Das Urteil ist bereits seit 2012 rechtskräftig, doch gaben die Behörden damals nicht bekannt, wie viel der Prozess gekostet hatte. Nun steht fest, dass die Anwaltskosten 1,47 Millionen Franken betrugen. Das Bundesamt für Kultur (BAK) bestätigte am Freitag einen Bericht des «Tages-Anzeigers».

Der Prozess wird in einem vor kurzem veröffentlichten Bericht des Finanzdepartements über Expertenmandate erwähnt: Eine Zunahme der Kosten für Beratungsdienstleistungen begründet das BAK dort unter anderem mit "Aufwendungen für Anwaltskosten im Zusammenhang mit einem Raubkunstprozess in den USA".

Eigentumsrechte verteidigen

In den USA trägt in der Regel jede Partei ihre Kosten selber. Aus Sicht des Bundes sind die Kosten in diesem Fall angesichts der Bedeutung des Prozesses gerechtfertigt: Der Prozess habe Präzedenzcharakter gehabt, sagte Yves Fischer, der stellvertretende Direktor des Bundesamtes für Kultur, auf Anfrage.

Er betont, dass die Schweiz Hand biete zu Lösungen oder zur Rückgabe von Kunstwerken, wenn erwiesenermassen moralisches Unrecht geschehen sei. Wo dies nicht der Fall sei, müsse der Bund aber seine Eigentumsrechte verteidigen, unabhängig von den Kostenfolgen.
Geschenk an die Eidgenossenschaft

Im Prozess ging es um die Tusche-Zeichnung "Ansicht von Les Saintes-Maries-de-la-Mer". Die jüdische Kunstsammlerin Margerete Mauthner verkaufte diese 1933 dem Schweizer Sammler und Mäzen Oskar Reinhart. Dieser wiederum schenkte das Bild 1958 mitsamt der Sammlung "Am Römerholz" in Winterthur der Eidgenossenschaft.

Mauthners Enkel forderte die Herausgabe des Bildes. Er machte geltend, Reinhart habe die Notlage der jüdischen Sammlerin ausgenutzt, die Geld für die Emigration benötigt habe. Der Bundesrat entschied, die Forderung abzulehnen. Die Abklärungen hätten ergeben, dass es sich um keine Raubkunst im Sinne der "Washingtoner Richtlinien" handle, argumentierte er.

Keine Raubkunst

Die Eidgenossenschaft stellte sich auf den Standpunkt, der Verkauf habe im Rahmen der ordentlichen Geschäftsbeziehungen zwischen Mauthner und Reinhart stattgefunden. Reinhart habe einen marktüblichen Preis bezahlt. Die New Yorker Gerichte erklärten sich für nicht zuständig. Das Bild, dessen Wert auf mehrere Millionen Franken geschätzt wird, hängt deshalb weiterhin in Winterthur.

Yves Fischer geht nicht davon aus, dass der Kläger nun bei einem Gericht in der Schweiz klagen will. Die US-Gerichte hätten in den Rechtsschriften auch materiell Stellung genommen, und zwar im Sinne der Eidgenossenschaft. Da US-Gerichte als "restitutionsfreudig" gälten, stünden die Chancen für den Kläger vor anderen Gerichten wohl nicht besser. (sda)