Betrug

Prozess gegen Giacometti-Fälscher in Stuttgart

Einige der sichergestellten Skulpturen (Archiv)

Einige der sichergestellten Skulpturen (Archiv)

Jahrelang soll eine Bande gefälschte Giacomettis für Millionensummen verkauft haben. Am Montag begann in Stuttgart der Prozess gegen vier Männer und eine Frau. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Betrug und Urkundenfälschung vor.

Dem Gericht steht damit ein neues Mammut-Verfahren ins Haus: Es sind derzeit 45 Verhandlungstage bis Ende Juni 2011 angesetzt. Allein die Verlesung der Anklage dauerte rund drei Stunden.

Als Drahtzieher gilt ein Mainzer Kunsthändler, der schon Anfang des Jahres in einem ersten Prozess wegen Bandenbetrugs mit Fälschungen des Künstlers Alberto Giacometti zu fast drei Jahren Haft verurteilt worden war. In der neuen Anklage wird er als "im Hintergrund wirkender Stratege" bezeichnet.

Dem heute 62-Jährigen und seinen mutmasslichen Komplizen wird vorgeworfen, seit 2003 eine Vielzahl von gefälschten und wertlosen Giacomettis für insgesamt neun Millionen Euro verkauft zu haben.

Auch "Reichsgraf" verhaftet

Im August 2009 war in Mainz ein geheimes Lager mit rund 1000 gefälschten Bronzen des Bündner Bildhauers ausgehoben worden. Zwei Angeklagte waren Inhaber eines Auktionshauses in Wiesbaden, über das ein Teil der Skulpturen vertrieben worden sein soll.

In Frankfurt wurde ein 59-Jähriger festgenommen, der Fälschungen an Interessenten im In- und Ausland zu Preisen in zweistelliger Millionenhöhe angeboten haben soll. Dabei soll er sich stets als "Reichsgraf von Waldstein" und Freund von Diego Giacometti (1902-1985), des Bruders von Alberto Giacometti, ausgegeben haben.

Diegos angebliche "Rache"

Seinen Kunden erzählte er, die Skulpturen stammten aus einem von den Erben Giacomettis geheim gehaltenen Fundus. Zum Beweis der Echtheit der Skulpturen und der fantasievollen Legende zur Herkunft legte er den Kunstfreunden ebenfalls gefälschte Echtheitszertifikate sowie das Buch "Diegos Rache" vor.

Ersponnen haben soll die Legende der Mainzer Kunsthändler. Die Skulpturen trugen die für Giacometti typischen Signaturen und ebenfalls gefälschten Stempel seiner Giesswerkstätten. Das Ganze flog auf, als die Bande versuchte, 17 Skulpturen an einen verdeckten Ermittler zu verkaufen.

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