«Preis ist Ansporn für künftige Projekte»

Die Kulturkommission Herzogenbuchsee verleiht dem Kunsthistoriker Walter Gfeller den diesjährigen Kulturpreis. Diese Anerkennung erhält er für sein jahrelanges Wirken in der Gemeinde und besonders für den soeben fertig gestellten Kunstführer. Gfellers Freude über die Ehrung ist gross.

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Berner Rundschau

Karin Iseli-Trösch

Seit fast 40 Jahren lebt der Kunsthistoriker Walter Gfeller in Herzogenbuchsee. Beinahe gleich lange engagiert er sich in der Gemeinde in Sachen Kultur und Kulturhistorik. «Herzogenbuchsee ist mir zur Heimat geworden. Hier fühle ich mich gut aufgehoben. Die Gegend, die Landschaft und die Weite rund um das Dorf faszinieren mich. Zudem hat Herzogenbuchsee ein sehr schönes Dorfbild mit vielen charakteristischen und aussergewöhnlichen Bauten von regionaler Bedeutung», sagt Gfeller.

Gut gelungene Modernisierung

Besonders das Kornhaus, das Gemeindehaus, die «Sonne» und das «Kreuz» haben es ihm aus baulicher Sicht angetan. Doch nicht nur die alten Gebäude stossen auf Gfellers Wohlwollen. Seiner Meinung nach ist in Herzogenbuchsee die Mischung aus alten und neuen Bauten zumeist gut gelungen. Die Begeisterung für das Dorf hat den gebürtigen Zweisimmer auf die Idee gebracht, einen Kunstführer über das Städtchen zu machen.

«Die Gemeinde und ihre Bausubstanz geben genug her, um eine solche Broschüre zu füllen. Zudem sah ich mich dank meinen Ausbildungen und meiner Erfahrung in der Lage, einen Kunstführer zu erstellen», so Walter Gfeller. Vor sechs Jahren hat der Kunsthistoriker der Gemeindebehörde seinen Vorschlag unterbreitet und ist dabei auf offene Ohren gestossen.

Obwohl der bald 65-jährige Gfeller viel von der Materie versteht, ist das Verfassen des Kunstführers für ihn zu einem «besonderen Lehrgang» geworden, wie er sagt. «Ich habe noch intensiver gelernt, mich ganz klar und in Kurzform auszudrücken. Mir war es zudem ein grosses Anliegen, eine Broschüre zu erstellen, die für alle gut verständlich ist.»

Speziell in dieser Hinsicht sei er sehr froh gewesen um die Feedbacks von Heidi Bircher und Marcel Stalder, beides Mitglieder der Kulturkommission. Nun ist er fertig, der Kunstführer über Herzogenbuchsee, der von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte herausgegeben wird.

Ehre für viel Arbeit

Als Anerkennung für diese und bereits vergangene Arbeiten zugunsten von Kultur und Kunsthistorik verleiht ihm die Kulturkommission Herzogenbuchsee den Kulturpreis 2009. Eine Ehre, die Gfeller zu würdigen weiss: «Meine Freude über diesen Preis ist gross. Es ist nicht nur eine Belohnung für vergangenes Schaffen, sondern auch Ansporn für künftige Projekte, die in mir schlummern.»

Gemessen an der Zeit und Kraft, die er in das Projekt investiert habe, hätte er den Preis eigentlich bereits in den 1980er-Jahren verdient, als er als Museumsleiter und Archivar im Kornhaus tätig gewesen sei oder als er 1986 den Festumzug zum Jubiläum «1100 Jahre Herzogenbuchsee» organisiert habe.

Bald ein umfassendes Geschichtsbuch?

Was sind das für Projekte, die heute in Gfeller schlummern? «Nun ja, es gibt noch viele zeitliche Epochen, die in Herzogenbuchsee bis heute nicht aufgearbeitet wurden. Es würde mich deshalb reizen, ein umfassendes Geschichtsbuch über die Gemeinde zu erstellen», verrät Walter Gfeller. Es soll aber keines jener trockenen Geschichtsbücher werden, die bald einmal in einem Regal verstauben.

Durch Zitate von Zeitzeugen will er dem Buch etwas mehr an Würze verleihen. «Die Leute, die mir etwa von der Industrialisierung nach 1945 erzählen können, werden aber auch nicht jünger. Deshalb möchte ich das Projekt gerne so bald als möglich in Angriff nehmen», sagt der Kunsthistoriker.

In Wiege gelegte Liebe zur Geschichte

Gfeller kann nicht sagen, was ihn an Geschichte so sehr fasziniert. «Wahrscheinlich bin ich mit dieser Liebe zur Welt gekommen», meint er - und schmunzelt dazu. Neben seiner Familie, der Natur und der Kulturhistorik seien ihm noch zwei Dinge besonders wichtig: Zeichnen und Gestalten sowie Musik. Als Waldhornist ist er jährlich an mindestens 30 Konzerten aktiv mit dabei.

Der vielseitig begabte Mann ist immer auf Trab. Würde ihm in Herzogenbuchsee als Historiker eines Tages die Arbeit ausgehen, wüsste er sich ebenfalls zu helfen: «Mich würde es sehr reizen, über die Gemeinden Aarwangen, Melchnau und Bleienbach einen Kunstführer im Stil von jenem von Herzogenbuchsee zu machen.»

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