Ihr letztes Aktivmitglied, Peter Moillet, ist 94-jährig im März dieses Jahres verstorben. Den Anlass zur Ausstellung über die Basler Künstlergruppe «Kreis 48» bietet nun eine Monografie, die den 13 Künstlern und 3 Künstlerinnen eine Gesamtdarstellung widmet. Damit hält sie ein leises Kapitel der Kunst in Erinnerung: die Basler Kunst der Nachkriegsgeneration.

«Die zärtliche Gleichgültigkeit der Welt»: Der Titel der Ausstellung nimmt gleich vorweg, womit wir nicht zu rechnen haben: Nicht mit einer Kunst, die sich einem Umbruch verpflichtet, und nicht mit einem Künstlerbund, dessen Antrieb im Pamphlet oder Manifest Ausdruck gefunden hätte. Anders als die Gruppe 33, deren politische Motivation eine einigende Sprache und ein nachhaltiges Echo fand, standen die 48er für eine lose, kameradschaftliche Solidarität. Als Kollektiv mit wechselnder Besetzung beanspruchten sie ihren Platz im Ausstellungsprogramm etwa der Kunsthalle wie privater Galerien.

Künstlerisch einte sie das Bekenntnis zur figurativen Malerei sowie die Befragung des Menschenbilds. So sind es denn auch vor allem Porträts, welche in der Gruppenausstellung stumme Blicke, eine stille Intimität, das verhaltene Glück zirkulieren lassen.

Max Kämpf, Karl Glatt oder Gustav Stettler: Die wohl prominentesten unter den Künstlerfreunden haben, wenn auch geschult an der Moderne, am Verhältnis zwischen Maler und Modell, zwischen realer Ansicht und deutender Gestaltung festgehalten. Die Kriegsjahre treiben Stettlers «Stadtmenschen» eine Blässe ins Gesicht. Das flackernde Aufbegehren, das der Basler Expressionismus gekannt hat, weicht bei Johan Anton Rebholz einer Weichzeichnung, die seine Mädchen zu verträumten Wesen macht.

Ein Augenmass für die innere Erscheinung scheint die meisten anzutreiben, deren Werke aus rund fünf Jahrzehnten in Riehen versammelt sind. Überraschungen bietet etwa Valery Heussler. Ihren «Tränensee» und ihre «Treppenlandschaft» hat sie mit einer Kombination aus charmanter Naivität und dunkler, surrealer Vision getränkt.

Am Rand der Kunstgeschichte

Die Ausstellung schöpft Entdeckungen aus, die aus privaten und öffentlichen Sammlungen ans Tageslicht kamen. Dass die kurzfristige Planung nicht auf Schlüsselwerke aus Museumsbesitz setzen konnte, hat Vorteile: «Die zärtliche Gleichgültigkeit der Welt» ist nicht einer Erfolgsgeschichte verpflichtet, die es für die Gruppe eigentlich auch nie gab. Ohne Anspruch an eine umfassende Würdigung kartografiert sie die Mentalität einer Künstlergeneration.

Davon erzählt das grosse Buch, das nun im Christoph-Merian-Verlag vorliegt. Es ist ebenso aus der kunsthistorischen Distanz verfasst wie aus der freundschaftlichen Nähe oder dem familiären Gedächtnis. Georg Kreis spannt eine historische Hintergrundfolie auf und ortet die Künstlergruppe in Basel – der Grenzstadt, die nach 1945 von einer Grundstimmung zwischen Aufbruch und Beharren geprägt war. Andreas Jetzer untermauert die rund 25 Jahre des öffentlichen Wirkens mit Quellen und Fakten.

Ein Essay pro Künstler

Jedem Künstlermitglied ist ein Essay gewidmet, wobei die Herausgeber den Autorinnen und Autoren in Bezug auf Stil und Perspektiven ebenso freien Willen liessen wie die Gruppe damals ihren einzelnen Mitgliedern. Damit haben sie sich verdient gemacht um eine wenig umworbene Künstlergeneration. Wer will, kann jetzt die Spurensicherung weiter treiben. Die Bilder und Plastiken sind noch da – und gewinnen im Altern immer noch neue Freunde.