Erfolgsautorin
Paula Hawkins knüpft mit beklemmendem Psycho-Kammerspiel an Erfolg von «Girl on a Train» an

Die englische Bestseller-Autorin erzählt in ihrem neuen Thriller «Wer das Feuer entfacht» von fünf lebenden und zwei toten Figuren.

Arno Renggli
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PAULA HAWKINS BUCHMESSE FRANKFURT PUBLICATIONxNOTxINxUSA

PAULA HAWKINS BUCHMESSE FRANKFURT PUBLICATIONxNOTxINxUSA

Martin Hoffmann / imago stock&people

Mit «Girl On A Train» landete die Londonerin Paula Hawkins 2015 gleich mit ihrem ersten Thriller einen Welterfolg, der später auch prominent verfilmt wurde. Dass zwei Jahre danach der Nachfolger «Into The Water» ebenfalls auf Interesse stiess, überraschte kaum. Wenn es auch nicht ganz so gross war. Und jetzt? Gibt es ihren dritten Thriller – auf Deutsch erstmals ohne englische Wörter im Titel: «Wer das Feuer entfacht».

Damit gemeint sind fünf (noch) lebende Hauptfiguren. Und sicher damit zu tun haben zwei Tote. Viel grösser wird das Personal nicht, alles dreht sich um Verflechtungen zwischen diesen sieben Menschen, ihren persönlichen Tragödien, ihrem Verschulden und ihren möglicherweise mörderischen Taten.

Damaliger Tod eines Kindes wirft Schatten bis heute

Ausgangspunkt ist die Leiche eines jungen Mannes, der auf seinem Londoner Hausboot gefunden wird. Wenige Wochen zuvor kam seine Mutter bei einem Treppensturz ums Leben. Wer hat wie damit zu tun?

Wer das Feuer entfacht. Blanvalet.

Wer das Feuer entfacht. Blanvalet.

Da ist Carla, Schwester bzw. Tante der beiden Toten. Ihre persönliche Tragödie ist der Verlust ihres Kindes vor vielen Jahren, bei dem ihre Schwester eine fatale Rolle spielte. Auch Carlas Mann, ein erfolgreicher Autor, leidet bis heute darunter. Zudem hat er eine fatale Verbindung zur sozialen Aussenseiterin, die zufälligerweise (?) die Leiche des jungen Mannes gefunden hat. Und die ihre eigene Leidensgeschichte hat.

Ins Geschehen involviert wird auch eine junge Frau, die als kleines Mädchen von einem Auto angefahren worden ist und physisch wie psychisch immer noch unter den Schäden leidet. Sie hatte eine Affäre mit dem jungen Mann und gerät ins Visier der Polizei. Kann ihr eine nette ältere Dame helfen, die als ehemalige Nachbarin der angeblich verunfallten Frau viel mitbekommen hat?

Diese fünf Figuren interagieren miteinander, sich gegenseitig belauernd, beeinflussend, mitunter bedrohend. Daraus ergibt sich ein psychologisches Kammerspiel, das allmählich enthüllt, was rund um die Todesfälle wirklich geschehen ist.

Bis zum Ende hart und fast trostlos

Natürlich kann einer Häufung von dramatischen Ereignissen und Schicksalsschlägen auf so wenigen Personen immer etwas Zufälliges anhaften. Die Zusammenhänge indes schildert Paula Hawkins plausibel und vor allem sehr spannend. Wie schon beim Erstling zeigt sie grosses thrillertechnisches Können.

Die Story bleibt bis zum Ende zappenduster, die Tragik der Figuren, die bei manchen noch durch Einsamkeit und Aussenseitertum verstärkt wird sowie ihre psychischen Abgründe lassen einen praktisch ohne Trost zurück. Aber das kann passieren, wenn man so gnadenlos genau in die Figuren hineinschaut wie Paula Hawkins.

Wer das Feuer entfacht. Blanvalet, 400 S.

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