Brigit Leuenberger

Eine grosse Delegation Leute fand sich am Donnerstagabend ein, um einen ersten Eindruck vom frisch sanierten Parktheater zu erhalten. Dabei fiel im ersten Moment niemandem eine wirklich nennenswerte Änderung auf. Die typisch roten Backsteine zierten unverändert die Mauern.

Ebenso wenig schien sich sonst irgendetwas verändert zu haben. «Der ganze Theatertrakt wurde totalsaniert, das Entree, das Foyer, die Garderobe, die Künstlergarderoben, Theaterbestuhlung, Bühnentechnik und noch einiges mehr», leitete Stadtbaumeister Claude Barbey die Führung ein.

Dabei könne man nicht von einer Sanierung im eigentlichen Sinn sprechen. «Es handelt sich hier um eine aufwändige denkmalpflegerische Restauration. Dabei wurde alles unternommen, um möglichst originalgetreu zu sein, bei den Materialien und bei den Farbtönen.»

Bis aufs letzte Schräubchen

Und plötzlich fiel es einem doch auf: Wie frisch das Rot der Backsteine ist, wie sauber der abgeschliffene Parkett, die frisch gestrichenen Wände, und wie unverbraucht die Stühle und Sessel wirken. Was eine denkmalpflegerische Restauration bedeutet, erklärte Jürg Vifian so: «Man hat jeden Sessel bis aufs letzte Schräubchen zerlegt, geputzt, erneuert, lackiert und wieder zusammengesetzt», sagte er. Einzig die Polsterung sei ausgewechselt worden, weil die alte den Brandschutzverordnungen nicht mehr entsprochen habe.

«So werden die Stühle zwar sicher nicht noch einmal 60, aber vielleicht doch 30 Jahre halten», glaubt der Vizestadtbaumeister. Selbst die Lichttechnik hat man nicht komplett ersetzt, sondern besondere Lampenbirnen gesucht, die zu den alten Trägern passen. «Wir haben keine einzige Lichtstelle verschoben. Alles ist wie gehabt», betont Jürg Vifian.

Hochmoderne Installation

Dass die Baudirektion so viel Wert darauf legte, das Ursprüngliche beizubehalten, freute insbesondere die Verantwortlichen der Denkmalpflege, wie Jürg Vifian betonte. «Als sie bei uns vorbeikamen, sind sie vor lauter Freude beinahe kopfgestanden.»

Das Parktheater, das 1955 durch Ernst Gisel erbaut wurde, war 2008 unter Schutz gestellt worden, weil es als Vorzeigebau der 50er-Jahre gilt. Die in den letzten Monaten vollzogene Innensanierung war die erste umfassende seit dem Bau.

Um sich ein Bild von der Sanierung vor Ort zu machen, war vom Schweizer Heimatschutz Peter Egli extra aus Zürich angereist. Ebenso befanden sich unter den Gästen Vizestadtpräsident Hubert Bläsi, mehrere Gemeinderäte und Behördemitglieder. Für manche von ihnen war es die erste Führung durchs Parktheater.

Insbesondere die unterirdischen Künstlergarderoben und das Depot für die Theaterbestuhlung kannten viele nicht. «Innert zweier Stunden kann man von der Bankettbestuhlung auf Theaterbestuhlung wechseln», sagte Jürg Vifian im riesigen Kellerraum. Der absenkbare Boden, der je nach Gebrauch auch als Orchestergraben benutzt werden könne, sei für die damalige Zeit eine hochmoderne Installation.

Budget eingehalten

Die Sanierung war mit 1,84 Millionen Franken budgetiert worden. «Die Arbeiten sind nun nahezu abgeschlossen, die Rechnungen jedoch noch nicht alle geschrieben», berichtete Jürg Vifian. Gemäss Schätzungen werde die Endrechnung aber «eine Punktlandung» werden.

Vom Kanton hat Grenchen die Zusicherung von 192 000 Franken erhalten. Diese sind allerdings an spezifische Sanierungsarbeiten gekoppelt, etwa die Malerarbeiten, das Licht und die Bestuhlung. «So wie es aussieht, werden wir diesen Zuschuss jedoch nicht ausschöpfen», so Jürg Vifian.