Ein bisschen frech will man doch sein und auch Haltung zeigen. Das Freche: Die Eröffnungspremiere der Saison am Opernhaus Zürich ist eine der skandalträchtigsten Opern des 20. Jahrhunderts: «Die Gezeichneten» von Franz Schreker werden von zwei Granden der Opernwelt interpretiert. Für die Inszenierung zeichnet Starregisseur Barrie Kosky verantwortlich, der im Herbst 2017 mit «Jewgeni Onegin» in Zürich einen Erfolg feierte, am Pult der Philharmonia Zürich wird zum ersten Mal Vladimir Jurowski stehen.

Die Abschlussproduktion der Saison 2018/2019 wird Chefsache sein: Die Inszenierung von Verdis «Nabucco» im Juni 2019 liegt in den Händen von Intendant Andreas Homoki und Generalmusikdirektor Fabio Luisi. Zwischen Eröffnung und Abschluss stehen unter anderem Mozarts «Così fan tutte», Stephen Sondheims mordender Friseur «Sweeney Todd» und Jules Massenets «Manon» auf dem Programm.

Haltung gegen Moskau

Für Mozarts Oper konnte dabei zum ersten Mal am Zürcher Opernhaus Kirill Serebrennikow, einer der weltweit am meisten diskutierten Regisseure, verpflichtet werden. Serebrennikow wird allerdings gegenwärtig unter dem unbestätigten Verdacht der Veruntreuung in Moskau unter Hausarrest gehalten, laut Intendant Andreas Homoki wurde der Gerichtstermin mehrfach verschoben. Ob der Regisseur rechtzeitig wird ausreisen können, um die Zürcher Inszenierung zu leiten, sei fraglich. Das Zürcher Opernhaus verurteilt den Hausarrest als «Einschüchterungsversuch eines unbequemen Künstlers» und hat bewusst keinen Ersatz verpflichtet. Man wolle ein Zeichen setzen, dass man «diesem Regisseur die Stange halte», betonte Intendant Homoki an der gestrigen Medienkonferenz.

«Ballett für alle»

Im Januar 2019 feiert Mezzosopranistin Cecilia Bartoli ihr 30-Jahr-Bühnenjubiläum in Zürich. Um Kinder ins Opernhaus zu holen, gibt es den Klassiker der Familienoper, «Hänsel und Gretel», in einer Neuproduktion. Und die sommerliche Open-Air-Veranstaltung «Oper für alle» wird zum ersten Mal ein «Ballett für alle» sein. Am 22. Juni 2019 wird «Romeo und Julia» in der Choreografie von Christian Spuck auf den Sechseläutenplatz live übertragen. (sda/az)