Hinter den Kulissen

Ohne die Menschen im Hintergrund gibt es keinen Kunstgenuss

Das Basler Kunstmuseum

Das Basler Kunstmuseum

Sicherheitschef Stefan Haldemann, die Koordinatorin des Neubaus, Silvia Pfaffhauser, der Art Handler Stefano Schaller und der Aufseher Fernando Fontanilles geben Einblick in ihren Alltag im Betrieb.

Stefan Haldemann, Sicherheitschef: «Jeder Winkel wird überwacht»

Mein Team und ich, wir sind für sämtliche Sicherheitsfragen des Kunstmuseums zuständig. Gemeinsam überprüfen wir mit Stolz und rund um die Uhr jeden Winkel der insgesamt drei Gebäude und unzähligen Etagen.

Wenn ich morgens zur Arbeit komme, wird zuerst einmal die Nacht ausgewertet. Hat es Vorkommnisse gegeben, Alarme oder technische Defekte? Müssen wir etwas unternehmen, jemanden aufbieten oder verstärkte Kontrollen durchführen? Die hochsensiblen Anlagen im Haus sehen oder fühlen alles, was nicht der Norm entspricht. Sie sind ein wichtiger Teil unserer Arbeit und unterstützen uns massgeblich.

Zum Glück können wir sagen, dass bisher noch nichts Gravierendes geschehen ist. Das ist zum grössten Teil meinem Team und den externen Partnern zu verdanken. Sie sind es, die über diese stürmische Zeit des Um- und Neubaus hinweg den Überblick behalten haben.

Jeder Alarm, und sei es auch nur ein Fehlalarm, löst in unserer Sicherheitsloge eine Kette von Reaktionen aus. Nicht nur, dass die Polizei zu jeder Uhrzeit den Alarmort innert Minuten umstellt, auch die Suche nach der Ursache und die folgende Nachbearbeitung gehören in diese Aufgabenkette. Dabei kann die Ursache oft nur in einem kleinen Fehler stecken. Diesen zu finden und zu beheben gehört zu unseren täglichen Aufgaben.

Mit dem Neubau haben wir es mit noch sensibleren Anlagen zu tun. In diese müssen wir uns zunächst einarbeiten, sie studieren und das Handling erlernen.
Das Eröffnungswochenende wird ein erster Härtetest und stellt eine echte Herkulesaufgabe dar, zumal bisher noch kaum ausreichend Zeit für Personalschulungen bestand. Viele Tausende Menschen werden unser Haus besuchen. Es lohnt sich ja auch, denn die Kunst wird in einem ganz neuen Licht erstrahlen. Für uns bedeutet dies, die Augen noch mehr offenzuhalten als sonst. Wenn so viele Besucher durch den Haupteingang strömen, um sich neugierig den Eindrücken des Hauses hinzugeben, sind wir vor allem auf die Prävention bedacht: Kein Gedränge in den Gängen aufkommen lassen, die Besucher höflich daraufhinweisen, sich nicht zu nahe bei den Kunstwerken aufzuhalten.

Ich bin guten Mutes, dass diese Feierlichkeiten für alle zu einem unvergesslichen Event werden von dem wir noch lange reden werden. Aufgezeichnet von Anja Wernicke

Silvia Pfaffhauser, Koordinatorin: «Ich leiste Übersetzungsarbeit»

Gleich am ersten Arbeitstag liess ich mir von einem Arbeitskollegen das gesamte Gebäude zeigen. Von den Galerien bis zu den Lagerräumen. Ich wollte mir einen Überblick über das Hauptgebäude des Kunstmuseums verschaffen.

Ich wurde 2012 als Projektkoordinatorin für den Erweiterungsbau und den Umbau des Hauptgebäudes angestellt und bin sozusagen der Go-Between zwischen allen Abteilungen, die hier involviert sind. Ich leiste eine Art Übersetzungsarbeit, vermittle zwischen den Anliegen der Projektplanung, den Architekten und den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Museums – den zukünftigen Nutzern dieser Räume, von den Reinigungskräften bis zur Direktion. Ich ging zum Beispiel mit den Plänen der Architekten zu den Art Handlern – den Museumstechnikern – und wollte wissen: Was ist für euch die ideale Wand? Dann ging ich mit ihren Vorschlägen zurück zu den Architekten.

In der Planungsphase wurden Teile eines Ausstellungsraumes aufgebaut, im Massstab 1:1, manchmal auch kleiner. Diese sogenannten Mock-ups waren für meine Arbeit hilfreich. So lassen sich schon im Vorfeld viele Komplikationen auszuschliessen und man quasi vor Ort über die Wünsche und Vorschläge der Nutzer diskutieren. Ich zeigte den Mitarbeitern zum Beispiel Muster der Bodenbeläge und fragte nach möglichen Problemen – beim Putzen oder Einrichten.

Kommunikation und diplomatisches Geschick sind wohl das Wichtigste in meinem Job. Man muss gut zuhören können und erkennen, dass bei den unterschiedlichen Parteien ein Informationsbedarf besteht. Ob nun ein Entscheid ansteht der nicht. Alle Beteiligten sollen spüren, dass sie und ihre Bedürfnisse ernst genommen werden. Natürlich kommt es hin und wieder zu Spannungen. Wo nicht? Räumliches Vorstellungsvermögen und eine gewisse Idee von technischen Abhängigkeiten sind ebenfalls wichtig. Ich bin Architektin und habe vor dem Studium an der ETH eine Lehre als Hochbauzeichnerin gemacht, das sind gute Voraussetzungen für diese Arbeit. Man erfüllt eine Generalistenfunktion.

In einer gewissen Weise ist dieses Projekt eine Gemeinschaftsarbeit. Alle haben sich auf ihre Art eingebracht, haben Vorschläge gemacht – und nun steht das Gebäude fertig da. Bald ist meine Arbeit hier getan. Schade, denn auch das Arbeitsklima ist sehr gut, und ich konnte hier manche Freundschaft schliessen. Aufgezeichnet von Simon König

Stefano Schaller, Art Handler: «Wow, das sind meine Bilder!»

Meine Arbeit – ein Sechser im Lotto! Selten hat man das Glück, so einen Job zu bekommen. Als Art Handler habe ich es mit Menschen und Werken zu tun. Die Tage sind abwechslungsreich, nie langweilig. Wenn ein Bild, das ausgeliehen werden soll, für den Transport vorbereitet wird, machen ein Restaurator und ich das gemeinsam. Er kennt das Werk in- und auswendig und kann mir Probleme und Schwachstellen zeigen.

Bei einer neuen Ausstellung hängen wir die Bilder nach den Wünschen der Kuratoren. Muss für einen «Helgen» ein anderer Rahmen her, gehe ich mit dem Kurator und dem Restaurator ins Rahmenlager, und wir schauen, was passt. Manchmal haben die Kuratoren Sonderwünsche. Etwa, dass man die Vorder- und Rückseite eines Bildes sieht. Solche Spezialausführungen mache ich sehr gerne, gerade wenn es Schreinerarbeiten sind. Ich komme ja aus dieser Ecke. Bor ich 2001 ins Kunstmuseum kam, habe ich in einer kleinen Schreinerei im Kleinbasel gearbeitet. Jedes Holz ist anders, einmal vielleicht etwas morsch oder sonst irgendwie empfindlich. Darum ist der Bezug zum Holz beim Hängen wichtig.

Das System, wie die Bilder gehängt werden, ist noch immer dasselbe, unübertreffbar in seiner Art. Mein Vorgänger hat es mir beigebracht, da konnte ich viel abschauen. Ich bin froh, dass wir im Neubau dicke, verputzte Gipswände haben. Das kennen wir aus dem Kunstmuseum Basel | Gegenwart. Wir wissen da, womit wir es zu tun haben und können solche Wände gut ausbessern. In einer Planungsversion sahen die Architekten Betonwänden vor. Das haben sie zum Glück nicht durchgezogen – auch wir Sachverständige durften uns bei diesen Entscheidungsprozessen einbringen. Man stelle sich vor, Betonwände! Da muss man bohren und dübeln und nach ein paar Jahren wären die Wände wie ein Emmentaler.

Nervös bin ich bei der Arbeit nicht, aber konzentriert. Ich habe es noch nie erlebt, dass ein Bild schlimmen Schaden genommen hätte. Aber das Bewegen, das Hinstellen, Transportieren, Aufhängen ist heikel. Vor allem leiden die Rahmen.

Wenn ich am Morgen hierherkomme und die Zeit es erlaubt, gehe ich durch die Galerien. Dann ist es still und ich halte inne. Wow, das sind meine Bilder! Die Bilder der Romantik wie die von Caspar Wolf, gefallen mir, auch die alten Holländer. Diese filigrane Arbeit finde ich genial! Oder «Nafea» von Gauguin, die hier hing: irrsinnig. Aufgezeichnet von Simon König

Fernando Fontanilles, Aufseher: «Theater des täglichen Lebens»

Um halb zehn Uhr morgens komme ich ins Museum und ziehe als erstes meine Uniform an: schwarzes Jackett, taubengraues Hemd. Anschliessend haben wir Briefing, da werden spezielle Aufgaben verteilt. Kommt heute jemand von der Presse, gibt es einen speziellen Besucher, der vielleicht mit einem Kurator durch die Ausstellung geht oder grössere Gruppen? Danach geht jeder Aufseher in seine Galerie, das heisst in den Bereich, dener beaufsichtigt. Das wechselt von Tag zu Tag. Je nach Galerie muss man das Licht anstellen oder die Storen öffnen. Dann kontrolliert man, ob alles am rechten Ort ist, schaut auf die Exponate.

Wenn man feststellt, dass irgendwas nicht funktioniert, leitet man es weiter an die entsprechende Stelle. Per Funk sind wir immer mit den Sicherheitsleuten verbunden, die jederzeit im Haus sind. Wenn wir Schwierigkeiten mit einem Besucher haben, kommen sie zu Hilfe. Das können zum Beispiel gesundheitliche Probleme sein wie Kreislaufschwäche; einen Treppensturz gab es auch schon mal. Oder Besucher, die einfach schwierig sind, die sich nicht ordentlich verhalten. Es kommt vor, dass Besucher die Bilder oder andere Exponate anfassen. Aber einen Angriff, ein Attentat auf ein Bild, habe ich in den 15 Jahren, die ich nun als Aufseher arbeite, noch nie erlebt.

In dem diesem Job ist es von Vorteil, wenn man Freude hat, das alltägliche Theater des Lebens zu beobachten. Es kommen ja sehr unterschiedliche Menschen. Auch Empathie hilft. Wenn man sich furchtbar aufregt über die individuellen Macken, ist es wahrscheinlich schwierig. Du brauchst Geduld, du musst gut mit dir allein sein können, Du brauchst eine gewisse Ausgeglichenheit und Mitte in dir. Denn die Tage sind lang und man darf ja nicht lesen.

Das Wichtigste ist präsent zu sein, ohne aufdringlich zu wirken. Der Besucher muss spüren, dass du da bist, sich aber nicht beobachtet fühlen. Man muss Grenzen aufzeigen können, ohne dass sich der Besucher ertappt fühlt. Manchmal geht es auch schief. Es gibt Situationen, in denen man das Gefühl bekommt, der Besucher suche fast die Konfrontation. Dann muss man entschärfen. Aktuell gibt es so einen Raum, auf dem die Künstlerin selbst eine Zeit lang gelebt hat. Das sind Stufen mit Kissen drauf. Und die Leute möchten sich natürlich hinlegen oder setzen. Das ist normal. Manchmal hat es Sachen am Boden und die Leute stehen drauf. Sie können es ja nicht wissen. Da muss man ein Auge drauf haben. Aufgezeichnet von Anja Wernicke

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