Openair
Nicht grösser, aber jedes Mal noch besser

Ein Feuerwerk von Schweizermusik, mit einer Prise deutschem Rap und Reggae und natürlich Altbewährtes: Das 13. Openair Etziken ist ohne Zwischenfälle über die Bühne gegangen. Der Wettergott zeigte sich nach etwas Platzregen am Freitag gütig mit den Festivalbesuchern.

Drucken
Teilen
Openair Etziken
4 Bilder
Seven Der Aargauer Soulsänger fands im Wasseramt «uuu lässig».
Jolly & The Flytrap Die Engelberger mit tanzbarem Electricpolka.
Hände hoch

Openair Etziken

Aargauer Zeitung

Astrid Bucher

«Lass dich triibe», singt Elija am Freitagabend in den kühlen Nachthimmel. Dicke Wolkenbänder ziehen sich dem Jura entlang. Das Fussballfeld vor der Hauptbühne ist gerade mal zu einem Achtel besetzt. Junges Publikum in geblümten Gummistiefeln, Miniröcken oder schicken Designerturnschuhen lassen sich vom Matsch nicht beeindrucken. Sie lassen sich von Elija mit Reaggeroots aus Zürich berieseln und stimmen sich auf die erste Nacht auf dem nasskalten Zeltplatz ein. «Heute im Zelt schlafen? Kein Problem. Schliesslich habe ich meine Freundin, die mir warm gibt», sagt der 17-jährige Remo. Später wippen die Jugendlichen heftigst mit den Armen, um «Wurzel 5» zu feiern. Auch das gibt warm. Schliesslich ist es die Abschiedstournee der Berner Rapper.

Auf der Zeltbühne, Altbekannte im neuen Look: «Stuffed Drain» lässt es richtig rocken. Heuer trumpfen sie mit einer atemberaubenden Choreografie. Leadsänger Dennis Ochsenbein betört seine weiblichen Fans mit engsten «Schnäbiklemmer»-Hosen. Man kann schliesslich nicht jedes Jahr im selben Outfit auftreten. Die Deutschen «Blumentopf»-Rapper liessen ihr Publikum weiter schwitzen und der Münchner Reaggae-Schrammer Wally Warning verwandelte das Zelt in eine tropischen Nachtclub.

Multikantonales Publikum

Während das Programm am Freitag noch sehr jung und spärlich vorhanden ist, zeigen sich die Besucher und Besucherinnen vom Samstag bunt durchmischt und von jeder Alterskategorie. Auf dem Parkplatz sichtete man Nummernschilder aus den entferntesten Kantonen: Appenzell, Graubündnen oder Wallis. Der Aargauer Soulsänger «Seven» meinte nur: «Ich habe schon viel gehört vom Open Air Etziken und als ich hier ankam dachte ich nur: Läck händ ihr das schön gmacht. Es isch uuu lässig do bi eu.»

Zum dritten Mal waren die «Lovebugs» im Wasseramt zu Gast. Für sie war es das erste Open Air Konzert dieser Saison unter blauem Himmel. «Etziken, wie macht ihr das?» Die Fans der Basler Liebeskäfer liessen daraufhin bunte Luftballons in den Abendhimmel steigen. Etziken ist eben nicht Moskau und «Lovebugs» durfte auch mehr als nur ein Song spielen.

Jedes Jahr eine andere Ausrede

Während die Sonne hinter dem Jura untergeht, bereiten sich auf der Zeltbühne «Jolly & the Flytraps» auf ihren Auftritt vor. Reto Stampfli, OK-Präsident kann sich vor Freude kaum mehr halten. «Ein lang gehegter Traum ist in Erfüllung gegangen. Jedes Jahr habe ich bei den ‹Jollys› nachgefragt, ob sie nach Etziken kommen - jedes Mal fanden sie eine andere Ausrede.» Ihr Electricpolka verzauberte sogar die härtesten Punker: Mitglieder der Nachwuchsband Bleeding Fish tanzten in vorderster Reihe. Auch Supersiech Dülü Dubach fand Gefallen an den Zentralschweizern, die nur an ausgesuchten Orten Konzerte geben. Warum er kein Konzert gebe? «Ich wurde noch nie angefragt», sagt er.

Schliesslich war Patent Ochsner auf der Hauptbühne am Start und das Fussballfeld rappelvoll. Unter sternenklarem Himmel verzauberten die Berner Mundartgötter einmal mehr ihr Publikum. Das ausverkaufte Festival ist wohl auch ein wenig ihr Verdienst. «Wir hätten zwar noch 200-300 Leute mehr reinlassen können», sagt Stampfli. «Wir wollten aber, dass alle Platz haben und haben es bei 3500 Personen belassen. So muss man nirgends lange anstehen.» Seine Rechnung ging auf. Die Menschenmasse bewegte sich reibungslos über das Festivalgelände. Und überall wo man hinsah, blickte man in zufriedene Gesichter.

Aktuelle Nachrichten