Der Filmproduzentenverband SFP und die Gruppe Autoren, Regisseure, Produzenten GARP setzten kurzfristig eine Medienkonferenz an, um die Gründe für ihre Aufsichtsbeschwerde gegen die selektive Filmförderung des Bundesamts für Kultur (BAK) zu erläutern.

Der Rechtsberater der Beschwerdeführer, Willy Egloff, sprach von einem "widerlicher Umgang" mit rechtlichen Vorschriften durch die BAK-Sektion Film. Hauptbeschwerdepunkt ist die Verletzung der Ausstandsregel: An einer dreitägigen Sitzung hatte die 5-köpfige Kommission zwei ihrer Mitglieder Fördergelder zugesprochen.

BAK-Chef Jean-Frédéric Jauslin erklärte in Locarno erneut, die entsprechenden Kommissionsmitglieder - Andrea Staka und Thierry Spicher - seien vorschriftsgemäss bei den Einzelsitzungen, in denen ihre Projekte verhandelt wurden, in den Ausstand getreten.

Sein Departement werde die Vorwürfe natürlich prüfen, erklärte Bundesrat Pascal Couchepin - und unterbrach damit eine vor den Medien ausgetragene Debatte zwischen Vertretern der Beschwerdeführer und der IG der unabhängigen Produzenten, die sich von der Beschwerde distanzieren.

Der scheidende Kulturminister legte an der Medienkonferenz auch die Bilanz seiner Filmpolitik vor. Er verteidigte insbesondere das Konzept des "volksnahen Qualitätskinos".

Optimistisch gestimmt gaben sich auch die Vertreter des BAK. So kündigten sie etwa einen multimedialen Filmmusikwettbewerb an, an dem Profis und Nicht-Profis teilnehmen dürfen. Als weitere Novität wurde bekanntgegeben, dass künftig nicht nur TV-Dokumentationen und -Spielfilme, sondern auch Serien unterstützt werden sollen.