Wettbewerb

Neue Märchenkönigin: Riesen-Bschiss bei Online-Abstimmung?

Andrea Fischer: Ist sie die neue Märchenkönigin?

Andrea Fischer: Ist sie die neue Märchenkönigin?

Das Migros-Magazin und das Landesmuseum suchen per Online-Voting die Nachfolgerin der verstorbenen Märchenkönigin Trudi Gerster. Doch jetzt werden Manipulations-Vorwürfe laut. Eine Märlitante hat sich bereits zurückgezogen.

Wer soll das Erbe der verstorbenen Schweizer Märchenkönigin antreten dürfen? Das fragten sich auch Migros-Magazin und Landesmuseum und lancierten gemeinsam den Wettbewerb um den Märchenthron. Am Montag stellten sich auf der Webseite des Migros-Magazins 20 Märchentaten und Märchenonkel der Wahl. Von allen kann man sich ein Video anschauen, auf dem sie das Engadiner Märchen «Die drei goldenen Schlüssel» erzählen.

Doch zwei Tage nach dem Start standen schon dunkle Wolken über dem Voting. Auf wundersame Weise hatten sich nämlich über Nacht die Stimmen mehrerer Kandidatinnen vermehrt: Für die Märchentanten Claudia Steiner (Kriens LU) und Barbara Burren (Uetendorf BE) hatten schon mehrere Tausend User gevotet. Die meisten Kandidaten dagegen zählten nur mehrere Dutzend bis einige hundert Stimmen. 

Das fiel auf. Im Forum zur Abstimmung finden sich denn auch einige Kommentare von irritierten bis aufgebrachten Usern: Sätze wie «Hier kann es nicht mit rechten Dingen zugehen» bis «Unglaublich, was da abläuft» liest man da ebenso wie: «Es ist eigenartig, dass die Kandidatin aus Thun fast im Sekundentakt Stimmen erhält – und das auch nachts. Die Frage ist berechtigt, ob das mit rechten Dingen zugehen kann.» Mit der Thunerin ist Barbara Burren gemeint, die seit zehn Jahren die Kindersendung «Strubelimutz» auf Radio Beo und die im Migros-Magazin wie Steiner und zwei abgeschlagene Erzähler prominent vorgestellt worden war.

Widersprüchliche Stellungnahme der Migros

Die Online-Redaktion des Migros-Magazins gab im Forum am Mittwoch eine widersprüchliche Stellungnahme ab. Automatisierte Abstimmungsversuche würden behindert und die Zugriffszahlen auf die Webseite für einen regulären Ablauf sorgen. Aber sie schrieb auch: «Es stimmt zwar, dass mit manuellem Aufwand theoretisch mehrfach gestimmt werden kann, aber davon könnten alle Teilnehmenden in gleichem Masse profitieren.»

Aufgrund der Social-Media-Aktivitäten aller Kandidaten sei es aber «durchaus realistisch, nach zweieinhalb Tagen etwa 2700 Stimmen einzuheimsen – selbst wenn die diese mehrheitlich abends oder nachts abgegeben werden».

Die Gemüter hat diese Stellungnahme keineswegs beruhigt. Ein Versuch von aargauerzeitung.ch zeigt: Wer die Cookies auf seinem Computer löscht, kann manuell so oft abstimmen, wie er will. Da liegt die Vermutung nahe, dass auch eine Manipulation leicht möglich ist, mit der Stimmen automatisiert, also mit einem Programm, abgegeben werden können.

Eine Märchentante zieht sich zurück

Dieser Meinung war auch die Märchentante Jolanda Steiner, die 28 CDs herausgebracht hat, vom Märchenerzählen lebt und von der jeden Sonntagmorgen auf Radio Central eine Kindergeschichte zu hören ist. Sie zog ihre Kandidatur am Freitag zurück. In der im Forum und auf Facebook publizierten Stellungnahme schreibt ihr Management, dass sie sich schon am Montag über den Verlauf des Votings gewundert hätten. Man habe die Stimmenzahlen dokumentiert. Weil die Migros auf ihren Protest nicht reagierte, zog Steiner die Kandidatur zurück. «Gerne verzichten wir auf eine Auszeichnung, die nachweislich unter nicht regulären Bedingungen vergeben wird.» Man könne auch nicht ausschliessen, dass Dritte zu ihren Gunsten Stimmen erschwindelt hätten.

Nun sind also noch 19 Kandidaten übrig. Nach wie vor weisen die Abstimmungsresultate ganz unterschiedliche Wert auf. Am Samstagnachmittag (15 Uhr) führte Andrea Fischer (Zürich) mit 12950 Stimmen (39 Prozent aller Stimmen). Zum Vergleich: Nur zwei weitere Kandidatinnen hatten über tausend Stimmen, nämlich Barbara Burren mit 4536 Stimmen (14 Prozent) sowie Ancilla Schmidhauser (Zürich) mit 9280 Stimmen (28 Prozent). Die Letztplatzierte hatte bis dahin nur 60 Stimmen erhalten.

Geplant ist, dass die ausgewählten Kandidaten und Kandidatinnen sich live am 16. Januar im Zürcher Landesmuseum duellieren. Am 27. Januar will das Migros-Magazin Ergebnis und Gewinnerin vorstellen.

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