Solothurner Literaturtage
Neue Geschäftsleiterin mit neuem Rekord: 15 000 Besucher an Literaturtagen

Die Solothurner Literaturtage haben im ersten Jahr unter Bettina Spoerris Geschäftsleitung den Sprung in die neue Äravirtuos geschafft. Das vielfältige Programm und das Schwerpunktthema «Anfänge» überzeugten auch inhaltlich.

Anna Kardos
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Verlesung der Think Tank Thesen
17 Bilder
Verlesung der Think Tank Thesen
Schmökern in der Buchhandlung
Schmökern in der Buchhandlung
Schmökern in der Buchhandlung
Lesung von Elisabeth Wandeler-Deck bei der Berufsschule
Schmökern in der Buchhandlung
Lesung von Elisabeth Wandeler-Deck bei der Berufsschule
Essen, Trinken und Diskutieren im Kreuz
Die Mitglieder des Think Tank werden vorgestellt
Die Literaturtage sind eröffnet
Die Literaturtage sind eröffnet
Literaturtage Freitag 10. Mai. 2013
Die Literaturtage sind eröffnet
Bettina Spoerri bei der Eroeffnungsansprache
Bettina Spoerri bei der Eroeffnungsansprache
Aufmerksame Zuhörer im Landhaussaal

Verlesung der Think Tank Thesen

Hanspeter Bärtschi

Irgendwie lag es in der Luft. Schon während der vergangenen Wochen schwappte aus Solothurn eine Flut an medialen und literarischen Impulsen in die Schweiz hinaus. Am Auffahrtswochenende hat sie sich nun zu einer Erfolgswelle verdichtet, wie die Bilanz der am Sonntag zu Ende gegangenen Solothurner Literaturtage zeigt.

Die Erfolgswelle schlug zudem hoch – zumindest, was die Besucherzahlen angeht: Die meisten Veranstaltungen waren sehr gut besucht, manche richtiggehend überrannt. Kein Wunder, hat das Festival mit insgesamt 15 000 Besuchern einen neuen Besucherrekord erreicht – ein verdienter Rekord.

Bereits letztes Jahr hatte die neue Geschäftsleiterin Bettina Spoerri betont, sie wolle das Gesicht von Solothurn werden, «eine Person, an die man sich wenden, an der man sich aber auch reiben kann». Dass sie im Vorfeld des Festivals extrovertiert auftrat, eine Medienkonferenz einführte, um über Programm und Ideen des Festivals zu informieren, weckte beim Publikum offenbar Interesse. Kennen lernen wollte man nicht nur das Gesicht der neuen Geschäftsleiterin, sondern auch das damit verbundene neue Gesicht der Solothurner Literaturtage.

Wie wirkt dieses? Frischer und jugendlicher als zuvor. Das mag bereits am diesjährigen Themenschwerpunkt liegen: «Anfänge.Débuts.Inizi.Entschattas». Denn, wo es um Anfänge geht, da ist auch die Zukunft nicht weit. Das Motto führte zu einer Vielfalt, die thematisch einen roten Faden besass: Von Podiumsgesprächen mit literarischen Debütanten entrollte sich der Faden bis hinein in die Werkstätten renommierter Schriftsteller (etwa Péter Esterházy, Michail Schischkin oder Ilma Rakusa), die im Zwiegespräch erörterten, wie sie sich mit jedem neuen Werk der Herausforderung des berühmt-berüchtigten weissen Blattes stellen.

Allerdings lag die Frische auch in der schieren Vielfalt an Veranstaltungen, denn langweilig wurde es dieses Jahr in Solothurn nie. Und dass neben Publikumsmagneten wie Michael Cunningham oder Urs Widmer auch Schweizer Autoren sowie die oft übergangene Lyrik eine grosse Plattform erhielten, zeigte, dass die Literaturtage nicht nur mit dem Publikum liebäugeln, sondern ihr Augenmerk nach wie vor genauso auf die Literaturschaffenden richten.

Weniger zu überzeugen vermochten dagegen die Thesen eines neu gegründeten Think Tanks. Zehn Autoren sowie fünf Vertreter der Schweizer Buchbranche hatten sich im Vorfeld der Literaturtage mehrmals getroffen und Ideen formuliert zu einer «idealen literarischen Zukunft». Die daraus resultierende «Solothurner Verlautbarung» tönt allerdings ein wenig nach Wunschkonzert: «Täglich ein Lesetipp am Fernsehen zur besten Sendezeit» wurde da etwa gefordert, oder «Leseförderung ab Kindergarten».

Auf die Möglichkeiten von Internet und digitalen Formen wurde zu wenig eingegangen, und es scheint, als legten die Mitglieder des Think Tanks die Zukunft der Literatur allzu oft in die Hände Dritter. Einzig die hübsche Idee, für schwierig zu kategorisierende Texte eine neue literarische Gattung namens «Stör» einzuführen, zeugte von den Geistesblitzen, die im Rahmen dieser Denkfabrik möglich gewesen wären. Aber schliesslich sind nicht nur die Literaturtage frischer geworden – auch der Think-Tank steckt noch in den Kinderschuhen. So oder so hat das Festival dieses Jahr eindrücklich gezeigt: Es ist noch lange nicht aller Literatur-Tage Abend.

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