Baden

Neue Akzente und regionales Verständnis

Walter Küng (li.) und Bruno Meier rufen dazu auf,    den Diskurs rund um die Kultur und deren Förderung sofort zu beginnen.	(Bild: wal)

Kultur in Baden-Wettiingen

Walter Küng (li.) und Bruno Meier rufen dazu auf, den Diskurs rund um die Kultur und deren Förderung sofort zu beginnen. (Bild: wal)

«Wir erachten die Kulturdiskussionen, wie sie aktuell in der Region Baden-Wettingen laufen, als wenig inspirierend und visionslos». Dabei wäre das Kulturpotenzial gross. Für die Kulturschaffenden Walter Küng und Bruno Meier gibt es nur einen Ausweg: Baden und Wettingen müssen gemeinsam die Kultur fördern und neue Akzente setzen.

Roman Huber

Sie schlagen Alarm, weil sie selbst politisch und institutionell nicht gebunden sind und es sich erlauben können, Klartext zu reden. Sie kennen sich im Kulturkuchen aus. Dort gehe es in den Diskussionen der Vertreter einzelner Sparten primär darum, ihre Interessen wahrzunehmen, kritisieren sie.

Dieses Gärtchendenken haben sie satt und fordern eine Diskussion, bei der es um Inhalte geht: Schauspieler und Regisseur Walter Küng sowie Historiker Bruno Meier haben eine Bestandesaufnahme, eine Analyse der Kultur in der Region gemacht, die nachdenklich stimmen soll. Entstanden ist eine kritische Broschüre, die in der Region verteilt wird. Damit wolle man einen Denkanstoss zur Lage der Kultur in der Region Baden-Wettingen geben, so Küng und Meier.

Auf ausgetretenen Pfaden

Das neue Kulturkonzept für die Stadt Baden wird bald präsentiert. Walter Küng erhält Einblick als Mitglied der Begleitgruppe. Sie stellen fest: «Es finden wenig Diskussion statt. Was hier passiert ist weder innovativ noch inspirierend. Man vergisst, über Inhalte zu reden.»

Man schreite auf ausgetretenen, traditionellen Pfaden, werfen sie den Kulturbehörden vor. Das ist gefährlich, denn man schwelge dabei in vergangenen Zeiten. «Baden ist stolz auf seine kulturelle Vielfalt und zehre vom Ruf einstiger Theaterzeiten», sagen die Kritiker.

Die Realität sei eine andere: Baden, das sich immer besser als die protestantische Beamtenstadt Aarau gefühlt habe, sei von dieser überholt worden. Die Badenfahrt schimpfen Küng und Meier als zehntägigen Party-Event für das Millionen-Zürich mit kulturellem Zuckerguss und warnen: Ausser den Festivals (Fantoche, Figura, Blues-) werde Baden keine kulturellen Leuchttürme mehr beherbergen.

Das Kurtheater sei nicht nur wegen der baulichen Problematik weit von einem Leuchtturm entfernt: «Auch hier spricht man mehr über die Hülle, den Bau, als über Inhalte. Sollte das Haus nicht auch ko- produzieren, neuen Theater- und Musikformen sich öffnen können?», fragt Küng.

Immerhin stelle man in Wettingen fest, wie die Kultur in zaghaften Schritten vorwärts komme, weiss Meier. Um möglichst sich nicht regional zu profilieren, genauso wie man bisher das Image als «nicht Stadt, sondern Dorf» gepflegt habe.
Eine kritische Fragen heisst: «Sind wir noch das, was wir meinen?». Die Antwort: Nein. «Was unterscheidet die Region Baden-Wettingen in zehn Jahren noch vom Raum Opfikon-Glattbrugg oder Ilnau-Effretikon? Wo sind die Szenen, die mit eigener Kreation Neues hervorbringen?

Meier wie Küng leugnen zwar nicht, dass beidseits der Limmat immer wieder Erstaunliches entstehe. Das bedeute, dass der Nährboden vorhanden wäre. Doch wie hegen und pflegen, lautet die Hauptfrage, oder: «Was tut die Politik dazu?» Geschehen-Lassen sei keine Kulturpolitik, meinen die Beiden.

Es geht nur miteinander

Für Küng wie Meier gibt es nur eine Lösung: «Einen regionalen Zugang zur Politik.» Das heisse vor allem, dass Baden und Wettingen vorangehen müssen und gemeinsame Ziele bereden und Strategien beschliessen müssten. Man soll sich auf eine Arbeitsteilung einigen müsse. Die andern Gemeinden würden dann auch ins Boot steigen, ist Küng überzeugt.

Die Vorschläge von Küng und Meier: Baden Theaterstadt mit dem grössten Spielort im Kanton. Der Spielort soll zum Haus werden, das die Bedürfnisse verschiedener Kultursparten erfüllen kann. Die traditionellen Kleintheater dürfe man nicht im Stich lassen, der Casino-Saal in Wettingen könnte zur Experimentierbühne werden.

Die wiederkehrenden Diskussionen um Galerie und Kunstraum Baden und um die Neupositionierung der Galerie Gluri-Suter-Huus in Wettingen sollten den Kop frei machen für eine regionale Strategie. Den Lead in der bildenden Kunst willl man der Gemeinde Wettingen zuordnen, wo man im Raum Lindenplatz einen zentralen Ort dafür schaffen könnte, wie die Wettinger Kunstraum-Studie schon aufgezeigt habe. Baden hingegen soll sich ganz seinem Kunstmuseum Langmatt widmen.

Für die Kulturgeschichte sieht man den Lead bei Baden, wo mit dem Historischen Museum ein geeigneter Ort schon vorhanden sei. Dazu käme das bereits etablierte Kindermuseum. Die illustre Musikszene soll an den einzelnen Orten gestärkt werden.

Baden habe mit dem Nordportal eine modern ausgestattete Konzerthalle, Wettingen betreibe mit Sommer- und Kammerkonzerten hochstehende klassische Konzertreihen. Die Literaturvermittlung könne ortsungebunden oder in den Bibliotheken stattfinden. Bei den Festivals könne sich Wettingen mit einer Stätte des Figurentheaters beim Figura-Festival einbringen, lautet ein weiterer Vorschlag.

Regionales Kuratorium

Statt der kommunalen Kunstkommissionen soll ein regionales Kuratorium auf die Beine gestellt werden, das sich mit der freien Förderung der Kultur befasst und aus einem gemeinsamen Topf unterstützen kann. «Warum nicht fünf Franken pro Einwohner in diesen Topf?», fragen Küng und Meier.

Als Triple-A-Region (ABB, Alstom, und Axpo) sollen sich die grossen Firmen, deren Mitarbeitende vom Kulturangebot profitieren, sich finanziell beteiligen. «Warum nicht zehn Franken pro Mitarbeitenden in diesen Topf?».

Meier und Küng machen klar, dass eine regionale Kulturstrategie nicht weniger, sondern mehr Geld brauche. Mit einem Topf von 300 000 bis 400 000 Franken liesse sich eine gezielte Förderung mit Schwerpunkten durchführen.

Sie sehen die Region als starken Kulturraum mit Potenzial, wo man kulturpolitisch neue Akzente setzen könne. Dazu werde regionales Verständnis vorausgesetzt. «Grenzsteine im Kopf müssen ebenso weg wie Gartenzäune», so Küng. Verzicht könne Raum für Neues bieten, wo Altes nicht mehr lebensfähig sei, gebe es Platz für Innovation.

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