Hört man den Begriff Mumie, schwirren Bilder von Pyramiden und Pharaonen durch die Gehirnwindungen. Jedoch stammen längst nicht alle Mumien aus dem alten Ägypten. Um dies zu zeigen, öffnet das Naturhistorische Museum Basel heute seine Pforten zur Sonderausstellung «Mumien – Rätsel der Zeit».

Die grösste Mumien-Ausstellung, die es je gab in der Schweiz, zeigt über 60 Exponate, darunter auch viele mumifizierte Tiere. Anders als andere Ausstellungen möchte das Naturhistorische Museum Wert auf den Prozess der Mumifizierung legen und somit die naturwissenschaftlichen Aspekte hervorheben. «Menschen- und Tiermumien faszinieren», sagt Gerhard Hotz, Kurator für Geowissenschaften. Sie geben Einblick in die Vergangenheit, da sie den Körper vor der Verwesung schützen. Denn eine Mumie ist mehr als nur Knochen, sondern ein «Körper eines Tieres oder eines Menschen mit substanzieller Weichteilerhaltung», so Hotz. Diese Erhaltung kann auf verschiedene Arten stattfinden. Die Ausstellung will diese in sechs verschiedenen Räumen vorstellen.

«Mumien – Rätsel der Zeit» im Naturhistorischen Museum Basel

«Mumien – Rätsel der Zeit» im Naturhistorischen Museum Basel

Das Naturhistorische Museum Basel zeigt, wie die Ausstellung «Mumien – Rätsel der Zeit» aufgebaut wurde.

Verschiedene Mumifizierungen

Viele Mumifizierungen finden auf natürliche Weise statt, wie der erste Raum aufzeigt. Den Besuchern werden fünf Gämsen und Steinböcke präsentiert, die der Gletscher eingeschlossen und so mumifiziert hat. Jedoch nicht nur in Eis eingebettete Körper werden zu Mumien, auch Moore können Leichen konservieren. Durch den Luftabschluss und die Humussäure «wird die Haut zu Leder und die Knochen verwesen», erklärt Hotz. Das Museum stellt zwei Moorleichen aus.

Der dritte Raum der Ausstellung beherbergt Tierleichen, die in einem abgeschlossenen Raum ausgetrocknet und so mumifiziert wurden. Ein Ausstellungsstück ist eine Katze, die man in einem Zwischenboden eines Pfarrhauses in Süddeutschland fand. Dort deponierte sie ein Pfarrer im Jahr 1573 zusammen mit vier anderen Katzen bei einer Stockwerkaufstockung. Dieses Deponat steht im Zusammenhang mit den Hexenprozessen, die in der Region durchgeführt wurden und bei denen der Pfarrer richten musste. Da Katzen mit Hexen assoziiert wurden, sollten diese die Bewohner des Hauses gegen die Rache der Hexen schützen.

Nicht nur in Pfarrhäusern, auch in Kirchen können sich Leichen verbergen. Solch einen Fund barg die Kirche von Vác. 1994 fanden Bauarbeiter bei einem Kirchenumbau eine zugemauerte Tür. Dahinter befand sich eine Krypta, die 300 Särge umfasste, in denen die Leichen allesamt mumifiziert waren. Das Museum stellt zwei dieser Mumien, eine junge Frau und ihr männlicher Säugling, die beide bei der Geburt verstarben, aus. Viele Menschenmumien finden sich auch in Südamerika, da dort das trockene Klima die Konservierung der Körper begünstigt. Die Ausstellung widmet daher einen Raum den Funden in Südamerika.

Natürlich dürfen die ägyptischen Mumien nicht fehlen. Der letzte und grösste Raum der Ausstellung widmet sich der manipulierten Mumifizierung der Ägypter. Im alten Ägypten herrschte der Glaube, dass das Leben im Jenseits nur dann möglich sei, wenn der Körper im Diesseits konserviert würde. Daher präparierten die alten Ägypter ihre Toten mit aufwendigen Verfahren, um die Erhaltung der Körper zu sichern. Um diesen Prozess zu illustrieren, zeigt die Ausstellung die einzelnen Schritte anhand von Zeichnungen auf. Ägyptenfans kommen also nicht zu kurz bei der Ausstellung.

Auch für Kinder wird viel geboten, zum Beispiel ein interaktiver Rätselweg. «Mumien – Rätsel der Zeit» eignet sich für die ganze Familie.