Evelyne Baumberger

«Muss ich Ihnen erklären, warum Beat Zoderer diesen Preis bekommt?», fragte die Juryvorsitzende Sabine Altorfer die Gäste bei der Verleihung des Aargauer Kulturpreises 2009. Und auch der Stifter des Preises, Verleger Peter Wanner, freute sich, dass Zoderer «jetzt endlich den Preis gekriegt hat. Womit die Welt - und insbesondere die Badener Welt - wieder in Ordnung ist.»

Künstler mit internationalem Renommé

Mit Beat Zoderer, der in Zürich geboren wurde und seit 33 Jahren in Wettingen lebt und arbeitet, ehrt die AZ Medien Gruppe einen Künstler, der Fachleute und ein breites Publikum gleichermassen anspricht. «Mit Humor und Konsequenz schafft er aus billigen, alltäglichen Materialien (. . .) farbige Werke, deren Spiel von Strenge und Freiheit einzigartig ist», heisst es im Jurybericht. Mit offensichtlicher Lust an Farben und Formen webt Zoderer zum Beispiel traumhafte Teppiche aus Aluminiumstreifen, schafft es, Langeweile räumlich - und sogar witzig! - darzustellen und stellt bunte Sichtmäppchen zu einem «Büro-Rothko» zusammen, wie es Laudator Ludwig Hasler nannte (Laudatio siehe Seite 22). Zoderer macht bunte und zugängliche, aber alles andere als simple Kunst, die in Museen in ganz Europa und in Übersee ausgestellt wird.

«Wir betreiben mit unserem Preis weder Nachwuchsförderung noch zeichnen wir Lebenswerke im Alter aus», betonte Peter Wanner in seiner Rede. «Beat Zoderer ist als Künstler voll im Saft und hat mit seiner Retrospektive vor einem Jahr im Haus Konstruktiv in Zürich aufgezeigt, wie vielfältig und gross sein Werk bisher schon gediehen ist.» Beat Zoderer ist nach Hugo Suter der zweite bildende Künstler, der den mit 25 000 Franken dotierten Aargauer Kulturpreis erhält.

Preisverleihung in kleinerem Rahmen

Noch bis zum 15. November ist Beat Zoderer - unabhängig vom Kulturpreis - mit der von ihm inszenierten Ausstellung «La nature morte - n'est pas morte!» Sommergast in der Villa Langmatt in Baden. Dort fand heuer auch die Preisverleihung statt, im Musiksalon, umgeben von impressionistischer Malerei. «Ob die Familie Brown - wenn sie heute leben würde - Werke von Beat Zoderer statt von Claude Monet kaufen würde?», die Frage stellte Peter Wanner. Jedenfalls passen die Werke des Preisträgers gut zwischen diejenigen von Cézanne und Renoir. Der Anlass wurde mit rund hundert Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sparsamer angerichtet als bisher. «Kleiner, einfacher und näher bei der Kultur», sagte Sabine Altorfer.

Weiter weg wird hingegen Beat Zoderer bald gehen. Wie er in seiner Dankesrede erwähnte, stehen Ausstellungen in Sydney und Buenos Aires an. Zu seiner späten Ehrung in der Heimat sagte der Künstler: «Ich habe das Pferd immer von hinten aufgezäumt, immer versucht, mich quer zu stellen. Das ist mir, glaube ich, gelungen.»