Kunst
Museen buhlen um Sammler – diskret

Das Kunsthaus Zürich profitiert von Sammlern, aber es ist nicht das einzige Haus. Nur dank Sammlern können Museen Lücken füllen, und sie sähen ohne Geschenke heute anders aus.

Sabine Altorfer
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Hubert Looser

Hubert Looser

Erst die Sammlung Bührle, nun 70 Werke aus der Sammlung Hubert Looser: Das Kunsthaus Zürich kann dank diesen Dauerleihgaben seine Sammlung um grosse, zusammenhängende Werkgruppen ergänzen. «Diese Dauerleihgabe schliesst Lücken in der Sammlung des Kunsthauses durch Werke der abstrakten amerikanischen Kunst», erklärt Kunsthaus-Direktor Christoph Becker zur Sammlung Looser. Sich diese Werke schenken oder von Sammlern als Dauerleihgabe zur Verfügung stellen zu lassen, ist meist der einzige Weg für Museen. Die Kunstmarktpreise sind in den letzten Jahren dermassen explodiert, dass solch «wichtige Konvolute, ausserhalb der Möglichkeit eines selbst finanzierten Erwerbs des Kunsthauses und anderer europäischer Häuser liegen», wie Becker sich ausdrückt.

Ein deutscher Museumsdirektor soll kürzlich süffisant gesagt haben: «Museen sammeln heute Sammler und nicht mehr Kunst.» Sammler könne man nicht einfach akquirieren, sagt Christian Selz vom Kunstmuseum Basel. «Das geschieht viel feiner und nur durch langjährige, persönliche Kontakte.» 2004 bekam das Kunstmuseum die Sammlung im Obersteg – und versprochen ist ein grosses Konvolut an Rembrandt-Blättern durch Eberhard Kornfeld. Auf die Frage, ob denn Werke aus der aktuellen Picasso-Ausstellung aus Basler Privatbesitz dauerhaft im Kunstmuseum Basel hängen bleiben, reagiert Selz mit einem Lachen. So einfach gehe das nicht.

Becker sagt: «Es muss vorbildlich, fehlerfrei und geräuscharm laufen, sonst wenden sich potenzielle Donatoren und Kooperationspartner anderen Institutionen zu.» Das zeigt: Hinter den Kulissen läuft ein Wettbewerb der Museen um Sammler. Eingefädelt werden Deals meist mit der Präsentation einer gewichtigen Privatsammlung. In Zürich sah man in den letzten Jahren beispielsweise die Merzbacher- und die Nahmad-Collection.

Solidarität unter den Museen

Doch Matthias Frehner, Direktor des Kunstmuseums Bern, relativiert: «Die Solidarität unter den Museen ist gross, man jagt sich nicht gegenseitig Sammler ab.» Doch auch das Gegenteil kann der Fall sein: Vor allem aus Deutschland hört man von Sammlern, die mit den Museen um die besten Bedingungen pokerten und ihre Werke dann doch wieder zurückzogen. «In der Schweiz lassen sich die Museen von den Sammlern nicht gegeneinander ausspielen», sagt Frehner.

Sammlungen sind willkommene Geschenke. «Und die Öffentlichkeit freut sich, dass privater Besitz öffentlich zugänglich wird», sagt Becker. Aber sie bringen auch Verpflichtungen mit sich. Denn oft stellen Sammler Bedingungen, etwa dass ein Grossteil der Werke dauernd und als geschlossene Gruppe präsentiert werden. Die Museen verpflichten sich auch zu Restaurationen, wissenschaftlicher Aufarbeitung, zur Publikation von Katalogen. «Man muss darauf achten, dass die Institution und damit die Öffentlichkeit langfristig einen ‹Mehrwert› generiert», betont Becker.

«Ohne Geschenke und ohne Zuwendungen von Sammlern sähen unsere Museen heute anders aus», sagt Frehner. Er kann in Bern seit über 50 Jahren auf die Sammlung Rupf und auf die Huber-Stiftung zählen. In Solothurn legten die Sammlerfamilien Müller und Dübi-Müller den Grundstock für das Museum, in Aarau profitiert das Kunsthaus von der Sammlung Häuptli und dem Legat Züst. «Sammler kaufen oft viel mutiger und früher als Museumskommissionen», begründet Frehner den Unterschied.

Sammlung Hubert Looser: Kunsthaus Zürich, 7. Juni bis 8. September 2013

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