Von Heidi Schwarz

Die Sonne brennt gnadenlos. Die Kinder quengeln. «Papi, kaufst du mir ein Schwert. Ich will mitkämpfen.» Papi lässt sich erweichen. Er kauft ein Schwert aus Holz und obendrein noch den dazu passenden Kopfschmuck aus Karton. Der Sechsjährige ist zufrieden und jetzt Legionär.

Er ruft zur Attacke, Huckepack auf Papis Schultern. Der Untermann schwitzt. «Jetzt gehst du in die Legionärsschule. Dort lernst du richtig kämpfen.» Papi ist müde will etwas durchatmen. Die Rückreise ins alte Rom via Augusta Raurica ist kein Kinderspiel. Auch für die Eltern nicht und schon gar nicht für die Väter.

Das Römerfest fordert seine Opfer. Auch bei den Frauen. Rebekka will eine Tunika und einen Kranz - und eine Fibel schmieden. Sie bekommt alles. Die Gotte zahlt. Mami atmet auf. Rebekkas Schwester hat Hunger und Durst. Dabei ist es erst elf Uhr. Die vier «Römerinnen» gehen zu Fuss nach «Kleinbonum».

In Asterix' Dorf hängen zwei Spannferkel am Spiess über dem Holzfeuer. Mami kauft drei Portionen (Wild-)Schwein und eine Portion Gemüse Eintopf «Marcus Cavius». Der hat es in sich, verrät die Köchin. Hirse, Kichererbsen, Rollgerste, Broccoli, Lauch, Zwiebeln, Olivenöl und Salz wurden verwendet. «Blähungen nicht ausgeschlossen», mahnt die Köchin zu kleinen Portionen.

Zum Dessert gehen die vier Frauen Münzen prägen. «Schade, dass diese keine Zahlungskraft haben», bedauert ein Ehepaar. «Das Römerfest käme damit etwas günstiger», meinen die beiden augenzwinkernd. Jannis Wingeyer hatte es günstig.

Der Neunjährige ist als Legionär auf dem Festgelände unterwegs. Die Ausrüstung hat nicht viel gekostet. «Vielleicht einen Sesterz», meint er. Jannis hat sich seine Uniform selber gebastelt. Eine Woche arbeitete er daran. Rom zum Nulltarif, das ist doch etwas.

Heftig und deftig geht es im «Circus Maximus» zu und her. Darios Männer aus der «Ars Dimicandi» haben sich die Boxhandschuhe übergezogen. Was heisst Handschuhe? Boxärmel bis zu den Schultern! «Damit schonten sich die Faustkämpfer im Training», erklärt der Mailänder Antik-Boxer, der selber in die Arena steigt.

Und da schonen sie sich nicht. Die Fetzen fliegen und die Fäuste sowieso. «Die Kämpfe dauerten, bis ein Sieger feststand», erklärt die Lautsprecherstimme. «Wurde einem ein Zahn eingeschlagen, schluckte er ihn herunter und boxte weiter, als wäre nichts geschehen!» Die Kinder schlucken leer, und den Erwachsenen schaudert es. Rom war brutal.

Markus und Evelyne drängen sich auf den Streitwagen. Mit fünf weiteren Kindern. Das Gedränge auf der Plattform hinter «Ben Hur» ähnelte jenem am Morgen im Regionalzug. Einmal im Kreis herum über die grosse Rasenfläche. «Das musst du erlebt haben», machen auch Patrick, Livio und Marcel Werbung für eine Fahrt im Streitwagen. Dabei stehen die Kinder bereits Schlange.

«Der Stauverkehr ist keine Erfindung der Neuzeit», zeigt sich ein Vater ungeduldig. Die Kinder kümmert es nicht. Wer Ben Hur nacheifern will, darf die Zeit nicht scheuen. Eines macht auch das 14. Römerfest in Augst deutlich: Die (heutigen) Römer sind mit ihrem Latein noch lange nicht am Ende. Viel Spektakel wartet auch heute Sonntag noch.